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Dresden
Montag, 9. November 2009
(Sächsische Zeitung)

Gedenken an der Synagoge

Von Kay Haufe und Denni Klein

Kurz vor dem Jahrestag der Reichspogromnacht wurden unter anderem Hakenkreuze an das Haus geschmiert. Sie wurden umgehend entfernt.

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Am Morgen des 8. November waren gegen 8.45 Uhr antisemitische Schmierereien an einer Mauer der neuen Synagoge entdeckt worden. Foto: SZ/Thomas Lehmann

Dresden - Kurz vor dem Jahrestag der Reichspogromnacht haben Unbekannte die Synagoge in Dresden geschändet. Die Mauer zwischen dem jüdischen Gotteshaus und dem Gemeindezentrum wurde auf einer Länge von etwa neun Metern mit mehreren Hakenkreuzen und einem antisemitischen Spruch teilweise in englischer Sprache bemalt, teilte die Polizei mit. „Die Schriftzüge richten sich gegen die jüdische Gemeinde.“

Die Täter hatten die Symbole und die Schrift direkt hinter einer Haltestelle an die Außenwand des Synagogengeländes geschmiert. Dem Vernehmen nach hat eine Kamera zwei Tatverdächtige erfasst. Da sie hinter der Glasscheibe der Haltestelle agierten, ist eine Identifizierung womöglich aber schwierig. Auf Anordnung der jüdischen Gemeinde wurden die Schmierereien gestern sofort von einer Spezialfirma entfernt.

Der Vorsitzende des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden in Sachsen, Heinz-Joachim Aris, zeigte sich entsetzt, dass eine solche Tat möglich sei. Die Synagoge wird normalerweise bewacht. „Polizisten patroullieren regelmäßig um das Gebäude“, bestätigte Kathlen Zink, Sprecherin des Landeskriminalamtes. Die Beamten hätten die Tat aber nicht beobachtet, sondern die Schmierereien gestern früh gegen 8.45Uhr entdeckt und danach umfangreiche Spurensicherungen vorgenommen, sagte Zink. Nach ersten Maßnahmen der Dresdner Polizei hat die Sonderkommission Rechtsextremismus die Ermittlungen übernommen. „Das heißt aber nicht, dass wir nur in rechten Kreisen ermitteln, sondern wir schauen in alle Richtungen“, sagt Zink.

„Ich verurteile diese Tat aus tiefstem Herzen. Wer so etwas tut, der zeigt damit seine Menschenverachtung. Das werden wir nicht dulden“, erklärte gestern Innenminister Markus Ulbig (CDU). „In Sachsen ist kein Platz für Antisemitismus und menschenfeindliche Parolen.“ Er und Landespolizeichef Bernd Merbitz wollen heute den Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde besuchen, „um Solidarität und tiefes Mitgefühl zu demonstrieren“.

Dresdens Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU) verurteilte die antisemitische Tat als entsetzlich. „Die Tat unmittelbar vor dem Jahrestag der Reichspogromnacht zeigt, wie wichtig der gemeinsame Widerstand gegen rechtes Gedankengut ist“, sagte sie der SZ. „Dresden steht an der Seite der jüdischen Gemeinde.“ Auch die Grünen im Dresdner Stadtrat reagierten betroffen. „Die offensichtlich von Neofaschisten begangene Tat ist unerträglich“, sagte Fraktionssprecherin Christiane Filius-Jehne. „Dem Ansehen der Stadt ist weiterer Schaden entstanden.“

Bei vielen Gästen des Cafés Schoschana im Jüdischen Gemeindezentrum rief die Tat gestern Empörung hervor. „Viele kamen zu mir und meiner Frau und haben uns ihre Solidarität bekundet. Einige haben Blumen gebracht, die wir heute an die Gemeinde weitergeben“, sagt Schoschana-Betreiber Ramon Anusiewicz, der selbst Gemeindemitglied ist. (mit dpa)



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