Dresden
Sonntag, 15. Februar 2009
Randale überschatten Gedenken
Mit Sternmärschen und Kundgebungen haben mehr als 10.000 Menschen in Dresden am Samstag gegen Rechtsextremismus und Geschichtsverfälschung protestiert. Sie wandten sich gegen einen Aufmarsch von etwa 6.000 Neonazis aus dem ganzen Bundesgebiet und dem Ausland.
Rückblick, 13. Februar 2009: Mit einem massiven Aufgebot hat die Polizei am Wochenende des 13./14. Februars Demonstrationen von Linken und Rechten strikt voneinander getrennt. Fotos: brennpunktfoto
In sz-online
Ein Konzert über den Untergang Dresdens
„Dresden, 13. Februar 1945“ nennt Ronny Matthes seine Komposition. Heute stellt er sie im QF Quartier an der Frauenkirche vor.
„Dresden, 13. Februar 1945“ nennt Ronny Matthes seine Komposition. Heute stellt er sie im QF Quartier an der Frauenkirche vor.
Fotogalerien
Dresden - Während Zusammenstöße zwischen Linken und Rechten verhindert werden konnten, kam es zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Anhängern der linken Szene und der Polizei. Nach Augenzeugenberichten sollten mehrere hundert Teilnehmer einer linken Gegendemonstration daran gehindert werden, auf den Zug der Rechtsextremisten zu treffen. Es wurden Steine und Flaschen auf die Beamten geworfen. Parkende Autos wurden beschädigt, zwei Polizeiwagen umgekippt und Mülltonnen angezündet. Schließlich löste die Polizei den Demonstrationszug der Autonomen am Nachmittag auf. Einige Menschen erlitten Platz- und Schnittwunden, die Polizei nahm 86 Demonstranten in Gewahrsam, drei Personen wurden festgenommen. Bis zum Abend flammten die Krawalle in der Neustadt immer wieder auf.
Massives Polizeiaufgebot
In einem ersten Fazit zeigte sich Polizeipräsident Dieter Hanitsch dennoch zufrieden mit dem Einsatzverlauf. „Unsere Taktik ist aufgegangen. Durch die strikte Trennung der Aufzüge konnten wir gegenseitige Provokationen und Auseinandersetzungen verhindern“, sagte er. „Allerdings konnten sich mehrere hundert Teilnehmer einer linken Demo nicht mit dieser strikten Trennung abfinden und ließen in der Folge ihre Aggressionen an den eingesetzten Polizisten aus.“ Der Polizeieinsatz am Samstag war der größte der Dresdner Polizei in der jüngeren Vergangenheit.
In Gedenken an die Bombenopfer am 13. und 14. Februar 1945 haben sich am Sonnabend rund 7.500 Menschen in der Dresdner Innenstadt versammelt. Begleitet von einem Großaufgebot der Polizei, stellten sie sich mit Kundgebungen und Protesten gegen einen geplanten Aufmarsch von Rechtsextremisten. Seit Jahren versuchen diese, die Gedenktage an die Zerstörung Dresdens kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges in einen „Bomben-Holocaust“ umzudeuten. Unter dem Motto „Geh Denken“ hatte ein überparteiliches Bündnis zum Widerstand gegen die Vereinnahmung dieses Datums aufgerufen. Bei der Abschlusskundgebung am späten Nachmittag auf dem Theaterplatz sprach auch der SPD-Parteivorsitzende Franz Müntefering.
„Dresden macht vor, wie man gegen Neonazis kämpfen kann“
Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee sagte mit Blick auf die Kundgebungen der Rechtsextremisten, man dürfe nicht nur still gedenken. „Es gibt in vielen Städten Versuche von Rechts, Präsenz zu zeigen“, sagte der SPD-Politiker. „Sie versuchen, ihre geringen Kräfte zu zentralen Veranstaltungen zu konzentrieren.“ Dagegen gelte es, selbst auf die Straße zu gehen. „Dresden macht vor, wie man gegen Neonazis kämpfen kann.“
Für die Opfer enthüllte Dresdens Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU) am Samstagmorgen auf dem Altmarkt eine Gedenkinschrift. Auf dem Platz waren nach den Angriffen mehr als 6.000 Tote verbrannt worden. Orosz versprach, mit aller Entschlossenheit gegen die Vereinnahmung von Rechts vorzugehen. „Die Neonazis setzen auf Rache, wir setzen unseren Willen zum Frieden dagegen.“ Bereits am Freitag hatte Orosz bei einer Kranzniederlegung in einer kurzen Ansprache das Ansinnen von Neonazis zurückgewiesen, den Gedenktag zu vereinnahmen.
Die Kranzniederlegung auf dem Heidefriedhof war Auftakt der Gedenkveranstaltungen für die schätzungsweise 25000 Opfer der Angriffe alliierter Bomber am 13. und 14. Februar 1945. Neben Landespolitikern wie Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) gedachten unter anderen auch diplomatische Vertreter aus den USA und Großbritannien der Toten. Auch die Jüdische Gemeinde war vertreten. Auf dem Friedhof sind tausende Opfer der Bombennächte in Massengräbern bestattet worden.(sz-o/dpa/AP)
AP-Nachrichten/AP-Bilder - The Associated Press, alle Rechte vorbehalten. AP-Nachrichten und AP-Bilder dürfen ohne vorherige ausdrückliche Erlaubnis von Associated Press weder veröffentlicht, umgeschrieben oder weiter verbreitet werden, sei dies zu gewerblichen und anderen Zwecken.
Massives Polizeiaufgebot
In einem ersten Fazit zeigte sich Polizeipräsident Dieter Hanitsch dennoch zufrieden mit dem Einsatzverlauf. „Unsere Taktik ist aufgegangen. Durch die strikte Trennung der Aufzüge konnten wir gegenseitige Provokationen und Auseinandersetzungen verhindern“, sagte er. „Allerdings konnten sich mehrere hundert Teilnehmer einer linken Demo nicht mit dieser strikten Trennung abfinden und ließen in der Folge ihre Aggressionen an den eingesetzten Polizisten aus.“ Der Polizeieinsatz am Samstag war der größte der Dresdner Polizei in der jüngeren Vergangenheit.
In Gedenken an die Bombenopfer am 13. und 14. Februar 1945 haben sich am Sonnabend rund 7.500 Menschen in der Dresdner Innenstadt versammelt. Begleitet von einem Großaufgebot der Polizei, stellten sie sich mit Kundgebungen und Protesten gegen einen geplanten Aufmarsch von Rechtsextremisten. Seit Jahren versuchen diese, die Gedenktage an die Zerstörung Dresdens kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges in einen „Bomben-Holocaust“ umzudeuten. Unter dem Motto „Geh Denken“ hatte ein überparteiliches Bündnis zum Widerstand gegen die Vereinnahmung dieses Datums aufgerufen. Bei der Abschlusskundgebung am späten Nachmittag auf dem Theaterplatz sprach auch der SPD-Parteivorsitzende Franz Müntefering.
„Dresden macht vor, wie man gegen Neonazis kämpfen kann“
Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee sagte mit Blick auf die Kundgebungen der Rechtsextremisten, man dürfe nicht nur still gedenken. „Es gibt in vielen Städten Versuche von Rechts, Präsenz zu zeigen“, sagte der SPD-Politiker. „Sie versuchen, ihre geringen Kräfte zu zentralen Veranstaltungen zu konzentrieren.“ Dagegen gelte es, selbst auf die Straße zu gehen. „Dresden macht vor, wie man gegen Neonazis kämpfen kann.“
Für die Opfer enthüllte Dresdens Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU) am Samstagmorgen auf dem Altmarkt eine Gedenkinschrift. Auf dem Platz waren nach den Angriffen mehr als 6.000 Tote verbrannt worden. Orosz versprach, mit aller Entschlossenheit gegen die Vereinnahmung von Rechts vorzugehen. „Die Neonazis setzen auf Rache, wir setzen unseren Willen zum Frieden dagegen.“ Bereits am Freitag hatte Orosz bei einer Kranzniederlegung in einer kurzen Ansprache das Ansinnen von Neonazis zurückgewiesen, den Gedenktag zu vereinnahmen.
Die Kranzniederlegung auf dem Heidefriedhof war Auftakt der Gedenkveranstaltungen für die schätzungsweise 25000 Opfer der Angriffe alliierter Bomber am 13. und 14. Februar 1945. Neben Landespolitikern wie Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) gedachten unter anderen auch diplomatische Vertreter aus den USA und Großbritannien der Toten. Auch die Jüdische Gemeinde war vertreten. Auf dem Friedhof sind tausende Opfer der Bombennächte in Massengräbern bestattet worden.(sz-o/dpa/AP)
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