sz-online.de | Sachsen im Netz
Dresden
Montag, 9. Februar 2009

Probe für den Ernstfall

Doreen Hübler

Im Dresdner Zentrum wurde am Sonnabend für die Demonstration am 14. Februar trainiert

Bildergalerie

Im Dresdner Zentrum wurde am Sonnabend für die Demonstration am 14. Februar trainiert. Fotos: SZ/Marion Gröning

Bei der Trockenübung ist das Megafon überflüssig: Etwa 100 Menschen hat das Bündnis „No Pasarán“ am Sonnabendnachmittag zum Demo-Training auf der Augustusbrücke erwartet. Nur knapp 30 sind der Einladung der Organisatoren tatsächlich gefolgt. Man wolle sich gezielt auf die geplanten Demonstrationen am 14. Februar vorbereiten, gemeinsam „Theorie und Praxis des zivilen Ungehorsams“ proben, hieß es vorab in einem Aufruf. Geladen waren auch zwei Trainer von „Skills for Action“, einem Netzwerk, das nach eigenem Bekunden vor anderthalb Jahren bereits zum G8-Gipfel in Heiligendamm Blockadetrainings und Aktions-Workshops durchgeführt hat.

Schüchtern sammeln sich die Teilnehmer auf dem Schlossplatz zu einem kleinen Grüppchen, umringt von zehn Polizei-Einsatzwagen, die alles überwachen. Deutlich spürbar ist die Enttäuschung der Organisatoren über die matte Resonanz auf ihr Angebot. „Wir wollten die Möglichkeit bieten, die Scheu vor einer großen Demonstration abzubauen und einige Verhaltenstechniken durchspielen“, sagt Jonas Timmermann, Sprecher bei „No Pasarán“. Ein Testlauf also für die Demonstrationen zum Gedenken an die Bombenangriffe von 1945 auf Dresden, darin eingebettet auch der geplante Marsch Rechtsextremer.

Eine Woche vor dem Termin ist die richtige Taktik noch als märchenhaftes Rollenspiel verkleidet. Der Räuber jagt die Prinzessin, die dringend befreit werden muss, erklären die Trainer. Die Guten müssen gegen die Bösen gewinnen. Wer am kommenden Wochenende auf welcher Seite stehen wird, ist in diesem Moment nicht der Rede wert. Die Teilnehmer üben die Posen einer Sitzblockade, skandieren und formen Menschenketten, die sich gegenseitig zu durchbrechen versuchen. Wilde Rangelei, kurzes Chaos, ein Mädchen stürzt und wird ohnmächtig. Wirklich kein guter Tag für die Probe-Demo vor dem Ernstfall. Derweil spazieren Passanten an der Szenerie vorbei und fragen, was es mit dem Schauspiel auf sich habe. „Demonstration, aha“, sagt eine Frau, und murmelt noch hinterher: „Früher hätten es auch ein paar Plakate getan.“


Gesamte Ausgabe Druckvorschau Artikel empfehlen Feedback


Link senden an Facebook Link senden an Twitter Link senden an StudiVZ Link senden an Mr. Wong Link senden an MySpace Link senden an del.icio.us bodytext Link senden an Folkd Link senden an Google Bookmarks Link senden an Live-MSN Link senden an YahooMyWeb Link senden an Linkarena Link senden an NewsVine Link senden an Reddit Link senden an StumbleUpon Link senden an Y!GG ...mehr