Sachsen
Donnerstag, 26. Juni 2008
„Schande für Sachsen“: Politiker besorgt über ausländerfeindliche Krawalle nach EM-Spiel
In der Dresdner Neustadt kam es kurz vor Mitternacht zu einigen Krawallen. Chaoten griffen türkische Resteurants an. Hier nimmt die Polizei einen der mutmaßlichen Randalierer fest. Foto: brennpunktfoto
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Randale nach Fußballspiel
Die Freude über den Einzug der DFB-Elf bei der EM ist in mehreren sächsischen Städten in Gewalt umgeschlagen.
Die Freude über den Einzug der DFB-Elf bei der EM ist in mehreren sächsischen Städten in Gewalt umgeschlagen.
Dresden - Politiker aus Sachsen haben ausländerfeindliche Übergriffe nach dem EM-Halbfinale Deutschland - Türkei (3:2) scharf verurteilt. „Es ist beschämend, dass deutschlandweit Fußballfans verschiedener Nationen friedlich miteinander feiern und nur wieder in Sachsen Rechtsradikale den Ruf des Freistaates erheblich schädigen“, erklärte der SPD-Parlamentarier Stefan Brangs am Donnerstag. Mit ihren Angriffen auf türkische Imbisse hätten die Täter dem Land einen Bärendienst erwiesen. Die Dresdner Polizeidirektion setzte eine Ermittlungsgruppe ein.
Nach dem Halbfinale war der Jubel in mehreren Städten in Gewalt umgeschlagen. Vor allem in Dresden und Chemnitz kam es zu Krawallen. In Dresden wurden türkische Imbiss-Läden angegriffen, zwei Gäste erlitten Verletzungen. In Chemnitz attackierten Fußballfans Polizisten, sechs Beamte wurden verletzt. Auch in Leipzig, Bautzen und Eilenburg kam es zu Ausschreitungen. Die Kritik richtete sich aber vor allem auf Dresden.
Hooliganismus und Fremdenhass
„Vieles deutet darauf hin, dass es sich dabei um koordinierte Aktionen rechtsradikaler Kreise handelt“, so Brangs weiter. Die Vorfälle machten erneut deutlich, dass die Erfolge rechtsextremer Parteien im Freistaat kein „Ausrutscher“ waren, sondern eine ausländerfeindliche Stimmung in weiten Teilen der Gesellschaft widerspiegeln. Gemeinsam mit Wirtschaftsminister Thomas Jurk (SPD) wollte Brangs sich noch am Donnerstag bei den Geschädigten entschuldigen.
Johannes Lichdi (Grüne) sprach von einer „Schande für Sachsen“. „Während in den deutschen Städten mit türkischer Wohnbevölkerung vielerorts Deutsche und Türken friedlich feiern, wurden in Dresden Dönerläden angegriffen und ihre Besitzer verletzt. Was wäre eigentlich passiert, wenn Deutschland verloren hätte?“ Die „unappetitliche Mixtur aus Hooliganismus und Fremdenhass“ schade genauso wie Erfolge rechtsradikaler Parteien oder Alltagsrassismus.
Die Partei Die Linke sieht nicht nur den guten Ruf des Freistaates auf dem Spiel, sondern auch seine Zukunftsfähigkeit. „Wer solche Schlagzeilen produziert, kann nicht zu den erfolgreichen Regionen des Europas von morgen gehören“, sagte Parteichefin Cornelia Ernst in Anspielung auf einen Anspruch der Landesregierung. Sachsen leide an einem massiven Mentalitätsproblem. „Ausgerechnet ein Land, das seit vielen Generationen vom weltweiten wirtschaftlichen Austausch lebt, tut sich mit allem Fremden spürbar schwer.“
Große Unsicherheit
Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) zeigte sich entsetzt. Es stelle sich die Frage, warum die Polizei eine halbe Stunde brauchte, um am Ort des Geschehens einzutreffen. „Ganz Deutschland wusste gestern um den außerordentlichen Ernst der Lage“, sagte der Dresdner DGB-Chef Ralf Hron in einer Stellungnahme. Ähnlich äußerte sich die Opferberatung Dresden, die bereits im Vorfeld vor Übergriffen gewarnt hatte. „Dass die Polizei nach den rechtsextremen Ausschreitungen vom Samstag die Lage in Dresden erneut nicht im Griff hatte, führt bei den Betroffenen zu großen Unsicherheiten“, hieß es.
„Wir stellen uns der Kritik“, sagte Polizeisprecher Thomas Herbst auf Anfrage. Die Beamten seien durchaus vorbereitet gewesen und hätten sich vor allem auf Auseinandersetzungen türkischer und deutscher Fans beim Public Viewing konzentriert. Konkrete Anhaltspunkte zu Überfällen auf einzelne Läden habe es nicht gegeben. „Es war eine gezielte Attacke von 20 bis 30 jungen Leuten. Davon konnten wir nicht ausgehen“, betonte Herbst. Es habe bis dato keine Probleme zwischen Dresdnern und türkischen Imbiss-Betreibern gegeben. Die Polizei werde sich nun auch auf das Endspiel am Sonntag vorbereiteten. (dpa)
Nach dem Halbfinale war der Jubel in mehreren Städten in Gewalt umgeschlagen. Vor allem in Dresden und Chemnitz kam es zu Krawallen. In Dresden wurden türkische Imbiss-Läden angegriffen, zwei Gäste erlitten Verletzungen. In Chemnitz attackierten Fußballfans Polizisten, sechs Beamte wurden verletzt. Auch in Leipzig, Bautzen und Eilenburg kam es zu Ausschreitungen. Die Kritik richtete sich aber vor allem auf Dresden.
Hooliganismus und Fremdenhass
„Vieles deutet darauf hin, dass es sich dabei um koordinierte Aktionen rechtsradikaler Kreise handelt“, so Brangs weiter. Die Vorfälle machten erneut deutlich, dass die Erfolge rechtsextremer Parteien im Freistaat kein „Ausrutscher“ waren, sondern eine ausländerfeindliche Stimmung in weiten Teilen der Gesellschaft widerspiegeln. Gemeinsam mit Wirtschaftsminister Thomas Jurk (SPD) wollte Brangs sich noch am Donnerstag bei den Geschädigten entschuldigen.
Johannes Lichdi (Grüne) sprach von einer „Schande für Sachsen“. „Während in den deutschen Städten mit türkischer Wohnbevölkerung vielerorts Deutsche und Türken friedlich feiern, wurden in Dresden Dönerläden angegriffen und ihre Besitzer verletzt. Was wäre eigentlich passiert, wenn Deutschland verloren hätte?“ Die „unappetitliche Mixtur aus Hooliganismus und Fremdenhass“ schade genauso wie Erfolge rechtsradikaler Parteien oder Alltagsrassismus.
Die Partei Die Linke sieht nicht nur den guten Ruf des Freistaates auf dem Spiel, sondern auch seine Zukunftsfähigkeit. „Wer solche Schlagzeilen produziert, kann nicht zu den erfolgreichen Regionen des Europas von morgen gehören“, sagte Parteichefin Cornelia Ernst in Anspielung auf einen Anspruch der Landesregierung. Sachsen leide an einem massiven Mentalitätsproblem. „Ausgerechnet ein Land, das seit vielen Generationen vom weltweiten wirtschaftlichen Austausch lebt, tut sich mit allem Fremden spürbar schwer.“
Große Unsicherheit
Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) zeigte sich entsetzt. Es stelle sich die Frage, warum die Polizei eine halbe Stunde brauchte, um am Ort des Geschehens einzutreffen. „Ganz Deutschland wusste gestern um den außerordentlichen Ernst der Lage“, sagte der Dresdner DGB-Chef Ralf Hron in einer Stellungnahme. Ähnlich äußerte sich die Opferberatung Dresden, die bereits im Vorfeld vor Übergriffen gewarnt hatte. „Dass die Polizei nach den rechtsextremen Ausschreitungen vom Samstag die Lage in Dresden erneut nicht im Griff hatte, führt bei den Betroffenen zu großen Unsicherheiten“, hieß es.
„Wir stellen uns der Kritik“, sagte Polizeisprecher Thomas Herbst auf Anfrage. Die Beamten seien durchaus vorbereitet gewesen und hätten sich vor allem auf Auseinandersetzungen türkischer und deutscher Fans beim Public Viewing konzentriert. Konkrete Anhaltspunkte zu Überfällen auf einzelne Läden habe es nicht gegeben. „Es war eine gezielte Attacke von 20 bis 30 jungen Leuten. Davon konnten wir nicht ausgehen“, betonte Herbst. Es habe bis dato keine Probleme zwischen Dresdnern und türkischen Imbiss-Betreibern gegeben. Die Polizei werde sich nun auch auf das Endspiel am Sonntag vorbereiteten. (dpa)
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