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Montag, 1. Mai 2006

Schwere Ausschreitungen bei Neonazi-Demonstrationen in Leipzig


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Ein Polizist steht nahe dem Leipziger Rathaus vor einer brennenden Barrikade. Fotos: dpa

Leipzig - Bei zwei Neonazi-Aufmärschen mit insgesamt 550 Teilnehmern ist es am Montag in Leipzig zu schweren Ausschreitungen der gewaltbereiten linken Szene gekommen. Es flogen Steine, Flaschen und Feuerwerkskörper. Barrikaden brannten. Straßen wurden verwüstet. Zeitweise kam es zu direkten Konfrontationen zwischen Rechten und Linken. Die Polizei drängte die Lager auseinander und setzte Pfefferspray ein. Es gab Verletzte. Die Polizei schätzte die Zahl der gewaltbereiten Linken auf etwa 3000.

Bis zum Abend wurden 55 Personen in Gewahrsam genommen. 36 von ihnen stehen unter dem Verdacht Straftaten verübt zu haben, sagte ein Polizeisprecher. 37 Polizisten und 14 Demonstranten wurden nach vorläufigen Angaben verletzt. Neun Polizeifahrzeuge wurden beschädigt. Über die Höhe des Sachschadens insgesamt konnten noch keine Angaben gemacht werden.

Insgesamt stellten sich in Leipzig laut Polizei rund 12 000 Menschen den Neonazis entgegen. Gegendemonstranten blockierten deren Marschrouten in den alternativ geprägten Stadtteil Connewitz. Auf beiden Demonstrationsrouten - am Hauptbahnhof und im Südosten der Stadt - hielten sie die Neonazis mit Sitzblockaden auf. Die von den Neonazis Christian Worch und Steffen Hupka angemeldeten Aufzüge waren nur unter strengen Auflagen genehmigt worden. Sie brachen ihre Demonstrationen vorzeitig ab. Die Polizei war mit 2500 Beamten aus mehreren Bundesländern im Einsatz. In der Stadt waren außerdem Kommunikationsteams mit Polizisten und Mitarbeitern des Ordnungsamtes unterwegs, um Konflikte zu entschärfen.

Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) betonte, die Leipziger haben erneut bewiesen, „dass in unserer Stadt kein Platz für Rechtsradikale und politisch motivierte Gewalt ist“. Mit ihren friedlichen Protesten setzten sie ein machtvolles Zeichen für Demokratie und eine offene Gesellschaft.

Ein breites Aktionsbündnis hatte für den 1. Mai unter dem Motto „Leipzig. Courage zeigen“ eine Vielzahl von Veranstaltungen organisiert. Die Grünen veranstalteten ein Frühlingsfest. An der Nikolaikirche begann kurz vor Mittag eine Demonstration unter dem Leitgedanken „Leipziger Freiheit gegen braune Gewalt“.

Bereits am Sonntagabend waren 14 000 Menschen zu einem Open-Air- Konzert am Völkerschlachtdenkmal gekommen und hatten friedlich ein Zeichen gegen Rechts gesetzt. (dpa)


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