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Willkommen bei den Hartmanns

Die AfD-Bundestagsabgeordnete Verena Hartmann scheut die Öffentlichkeit. Mit einer Feier sorgt sie nun für Ärger.

21.10.2017
Von Domokos Szabó

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n bei den Hartmanns
Gastgeberin Hartmann.

© AfD

Pirna/Königstein. Geplant war es als eine Dankeschönveranstaltung für Parteifreunde und Mitstreiter, eine Feier mit prominenter Beteiligung. Allerdings mündete das, was die AfD-Bundestagsabgeordnete Verena Hartmann aus Königstein vorhatte, in einem Eklat. Dem Vernehmen nach verließen mehrere Parteimitglieder verärgert die Veranstaltung. Und Mandatsträger der Partei fühlten sich bemüßigt, zu der 43-jährigen früheren Polizistin auf Abstand zu gehen. Passiert war das bereits am vergangenen Wochenende in Pirna. Der Königsteiner AfD-Kreisrat Ivo Teichmann warf Hartmann vor, sie habe dem Kreisverband Sächsische Schweiz-Osterzgebirge einen Bärendienst erwiesen. Auf Facebook schrieb er weiter: „Nach meiner Überzeugung soll sie ihr AfD-Mandat niederlegen und die AfD verlassen.“ Teichmann wollte ursprünglich selbst gern für die AfD in den Bundestag einziehen. Der Landtagsabgeordnete André Barth wandte sich unterdessen mit einem Appell an seine Parteifreunde: „Lasst uns alle als AfD gemeinsam einfach unser Parteiprogramm und unser Wahlprogramm aus dem Jahr 2014 umsetzen, dann wird niemals Platz für eine neue Partei oder eine neue Bewegung“, schrieb er ebenfalls im sozialen Netzwerk. Denn genau diese Gefahr bringt die AfD-Herren in Wallung, besonders mit Blick auf die Feier in Pirna.

Denn wo Alternative für Deutschland draufstand, war in Wirklichkeit ein großes Stück die Blauen drin. Als prominente Gäste der Dankesfeier waren die AfD-Aussteiger Frauke Petry aus Leipzig und ihr Mann Marcus Pretzell geladen. Wenn am Dienstag kommender Woche der Bundestag zu seiner konstituierenden Sitzung in Berlin zusammentritt, nimmt zwar Petry als direkt gewählte Abgeordnete für den Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge im Plenum Platz, nicht aber als Teil der AfD-Fraktion. Weil ihr die AfD nach eigenen Angaben zu rechtslastig geworden war, hatte sie der Partei gleich nach der Wahl am 24. September den Rücken gekehrt. Seitdem versucht sie, sich gegen den Vorwurf des Wählerbetrugs zu wehren. Ihre neue Partei die Blauen ist mittlerweile gegründet. Ob Hartmann mit Petrys Einladung ein politisches Zeichen setzen wollte und ob sie ihr im Bundestag ins Blaue hinein in die Fraktionslosigkeit folgen wird, ist unklar. Sie antwortet seit der Wahl nicht auf Anfragen der SZ.

Die Dankesfeier in Pirna dürfte nicht nur unter Parteimitgliedern für miese Stimmung gesorgt haben. Auch das Miteinander im Kreisvorstand hat offenbar gründlich gelitten. Dem Gremium gehören neben Hartmann unter anderem Ivo Teichmann, André Barth und Rolf Süßmann an. Eine von Süßmann gezeichnete Erklärung des Vorstandes an die AfD-Mitglieder lässt tief blicken. Darin heißt es: „Es handelt sich bei dieser Einladung (…) um eine rein private Feier von auserwählten Gästen der Bundestagsabgeordneten (…). Wir wünschen den geladenen Gästen viel Spaß und eine gelungene Feier.“

Einer, der nicht vorzeitig ging, war der Landtagsabgeordnete Barth. Viel Spaß hatte er aber offenbar nicht. Nach der Feier schrieb er auf Facebook: Nur die AfD sei das blaue patriotische Original – und Petry die Plagierende.