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Wettbewerb der Sachsenhymnen

Eine Meißner Initiative hat fünf Vorschläge einsingen lassen. Viel Traditionelles und eine Neukomposition.

30.08.2016
Von Henry Berndt

b der Sachsenhymnen
Sachsen sucht die Super-Hymne

© szo

Peter Knauke lässt nicht locker. Seit Jahren stößt der 74-jährige Meißner in Sachsens Staatskanzlei auf taube Ohren, wenn er von seiner Vision einer offiziellen – oder wenigstens inoffiziellen – Sachsenhymne schwärmt. Gemeinsam mit seiner Interessengruppe „Landeshymne“ wagt er nun einen neuen Vorstoß.

„Wir Sachsen kennen kaum alte Sachsenlieder, weil sich nur wenige bemühen, sie in Erinnerung zurückzurufen“, sagt Knauke. Dabei seien in den vergangenen Jahren doch immer wieder Lieder als mögliche Hymne ins Gespräch gebracht worden. Die Staatskanzlei selbst sammelte zuletzt Mitte der 90er-Jahre Vorschläge und brachte anschließend sogar ein Liederbuch mit 102 Titeln heraus. Dann schlief die Initiative allerdings ein, wie so manche zuvor und danach. Umfragen 1995 und 2005 zeigten, dass 72 bzw. 75 Prozent der Sachsen der Meinung waren, ihr Land brauche keine Hymne. Und auch jetzt, in Zeiten von Pegida, steht das Thema nicht gerade weit oben auf der öffentlichen Agenda.

Historisch gab es bislang nie so etwas wie eine Sachsenhymne, mit der sich weitere Teile des Volkes identifizierten – vielleicht mit Ausnahme von Jürgen Harts unvergessenem „Sing, mei Sachse, sing“. Das ist für offizielle Anlässe jedoch nur bedingt geeignet. Auch zum inzwischen 25. „Tag der Sachsen“, der an diesem Wochenende in Limbach-Oberfrohna gefeiert wird, wird kein gemeinsames Lied geschmettert werden – zum großen Bedauern von Peter Knauke. „Wir finden, es ist an der Zeit, solche Vorschläge wenigstens vorzustellen, damit sich die fröhlichere Hälfte der Sachsen ein Bild machen kann, welchen Fundus an Sachsenliedern wir haben, die älteren, traditionellen und die neuen eingeschlossen“, sagt er. „Wir brauchen einen neuen Anlauf.“

Unterstützt vom Radebeuler Lößnitzchor und dem Meißner Chor „Blaue Schwerter“ ließ die Interessengruppe nun erstmals fünf Titel einsingen, sodass jeder willige Sachse selbst einen Eindruck gewinnen möge, welches Lied ihm am meisten ans Herz geht.



Zu den aufgenommenen Titeln gehört „Gott sei mit dir, mein Sachsenland“ nach einer Melodie des früheren Kreuzkantors und Komponisten Ernst Julius Otto von 1841. Es war das am häufigsten vorgeschlagene Lied bei der Suche der Staatskanzlei 1994. Ein anderer Vorschlag ist „Sachsenstolz“, ursprünglich ein Marschlied aus Sachsen, dass inzwischen allerdings bereits mit anderem Text als „Badnerlied“ zwischen Karlsruhe und Breisgau gesungen wird.Aufgenommen wurde nun außerdem „Heil dir, mein Sachsenland“, ebenfalls komponiert von Julius Otto, und „Sachsen, mein Heimatland“ mit Text und Melodie von Volker Hahn. Der wirkte einst als Professor an der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber in Dresden.Auch eine recht neue Komposition geht im Wettstreit der Sachsenhymnen ins Rennen. Axel Klemm aus Chemnitz und Doris Grieswald aus Limbach-Oberfrohna haben vor einigen Monaten eine Testaufnahme ihres Beitrags „Friede dir, mein Land der Sachsen“ an Ministerpräsident Stanislaw Tillich geschickt. Punkten wollen sie mit einem völlig unpolitischen Text und einer Melodie, die in Teilen an die deutsche Nationalhymne und die DDR-Hymne „Auferstanden aus Ruinen“ erinnert.Hymnen-Kämpfer Peter Knauke wäre es am Ende egal, welches Lied das Rennen macht. Es könne auch ein ganz anderes Werk sein, sofern die Sachsen doch endlich gemeinsam singen würden. „Und wer nicht singen will, der hindere wenigstens andere nicht daran“, schließt die Interessengruppe „Landeshymne“ ihre Mitteilung. „Bedenkenträger, Quertreiber und Verhinderer helfen nicht weiter.“

Welcher der fünf Vorschläge gefällt Ihnen am besten? Oder braucht Sachsen keine eigene Hymne? Schicken Sie uns einen Brief oder eine Mail an: [email protected]