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Dienstag, 28.05.2013

„Was soll der Scheiß?“

Der Prozess gegen den Jenaer Pfarrer Lothar König wird weiter von juristischen Wortgefechten dominiert. Ein Polizist sagt, er habe Aufrufe zur Gewalt gehört - von wem, ist aber unklar.

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 Nach zahlreichen Wortgefechten zwischen Richter und Verteidiger ist der Prozess gegen den Jenaer Jugendpfarrer Lothar König am Dienstag in Dresden unterbrochen worden.
Nach zahlreichen Wortgefechten zwischen Richter und Verteidiger ist der Prozess gegen den Jenaer Jugendpfarrer Lothar König am Dienstag in Dresden unterbrochen worden.

© dpa

Dresden. Im Prozess gegen den Jenaer Jugendpfarrer Lothar König hat ein Beamter am Dienstag ausgesagt, dass es Aufrufe zur Gewalt gegen Polizisten gegeben hat. Aus dem Transporter, den König gesteuert haben soll, seien sinngemäß die Worte „Deckt die Bullen mit Steinen ein“ gerufen worden, sagte der 36-Jährige, der bei Demonstrationen gegen Neonazis am 19. Februar 2011 in Dresden eine Hundertschaft der Bundespolizei führte. Er könne aber nicht behaupten, dass die Worte von König stammten. Kurz danach sei schon die Heckscheibe eines Einsatzwagens zu Bruch gegangen. Mehrere Fahrzeuge seinen beschädigt worden.

Nach Aussagen des Beamten hatten sich rund 100 Menschen vor Königs Wagen und etwa 1000 dahinter aufgehalten - viele schwarz gekleidet, vermummt und mit Sonnenbrillen getarnt. Er habe den Transporter als „Kopf“ der gewalttätigen Menge wahrgenommen. Der Polizist schilderte eindringlich, in welcher Stresssituation sich die Kollegen befunden hatten. Den Aufruf zur Gewalt habe er durch das offene Fenster seines Polizeitransporters gehört. Königs Verteidiger Johannes Eisenberg bezweifelte die Aussagen später. Der Beamte berief sich auf seine Erinnerungen.

König wird vorgeworfen, bei Gegendemonstrationen gegen einen Aufmarsch von Neonazis damals zu Gewalt aufgerufen zu haben. Der 59 Jahre alte Pfarrer bestreitet das und will vielmehr zur Deeskalation beigetragen haben. Bei Gewaltexzessen waren damals auch mehr als 100 Polizisten verletzt worden. Rechts- und Linksextremisten gingen brutal gegen Beamte vor, die beide Lager trennen sollten. Die Staatsanwaltschaft Dresden leitete zahlreiche Verfahren ein. König wurde unter anderem wegen schweren Landfriedensbruchs angeklagt.

Der vierte Verhandlungstag am Amtsgericht Dresden hatte am Vormittag mit Wortgefechten zwischen Richter und Verteidiger begonnen. Verteidiger Eisenberg reagierte auf eine von der Staatsanwaltschaft eingebrachte Fotomappe mit den Worten „Was soll der Scheiß?“. Daraufhin kam es immer wieder zu gegenseitigen Anschuldigungen. Der Verteidiger geht davon aus, dass die Akten nicht vollständig sind. Der Vorsitzende Richter Ullrich Stein hielt dem Anwalt vor, die Verhandlung verzögern zu wollen. Eisenberg stellte schließlich einen Befangenheitsantrag gegen den Richter. Eine Entscheidung dazu wurde bis zu diesem Donnerstag zurückgestellt.

Eisenberg sorgte mit seinem forschen Auftreten wiederholt für Raunen im Zuschauersaal. Seiner Meinung nach verhindert die Verhandlungsführung von Stein die „Waffengleichheit“ zwischen Staatsanwaltschaft und Verteidigung. Der Prozess ist zunächst bis zum 20. Juni terminiert. (dpa)

Leser-Kommentare

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Insgesamt 14 Kommentare

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  1. roba

    Auch gegen rüpelhafte Anwälte sind Kräuter gewachsen, man muß sie nur kennen und konsequent anwenden. Schon jetzt steht fest: König ist und wird "Opfer" seines "Anwaltes", eines, wenn die Presseberichte zutreffend sind, Proleten werden. Armer König!

  2. Jim

    Mal wieder ein typischer SZ-Artikel zu diesem Thema: "Bei Gewaltexzessen waren damals auch mehr als 100 Polizisten verletzt worden." Dieser Satz wird sinngemäß immer wieder gebracht, obwohl dies nur vom Kern der Problematik ablenken soll. Die Polizisten haben 2011 ganz klar auf Konfrontation gesetzt anstatt auf Deeskalation. Man kann sich einige Videos hierzu auf Youtube anschauen und vor allem sollte die Frage gestellt werden, wieviele friedliche "Gegendemonstranten" von Polizisten verletzt wurden. Das bleibt komischerweise in der SZ immer unerwähnt.

  3. Franz K.

    Mal wieder ein typischer linker Kommentar zu diesem Thema: "friedliche "Gegendemonstranten" von Polizisten verletzt ". Die Verletzungen haben sich die Polizisten wohl gegenseitig beigebracht????

  4. Siggi

    Bei aller Gruseligkeit ist es hier in Sachsen unfreiwillig und brüllend komisch!

  5. http://youtu.be/4qXijkVBjc4

    Ich finds etwas einseitig,dass einer,der wie Karl Marx aussieht, jetzt als alleiniger Sündenbock herhalten muss.Die eigentlichen Steinewerfer haben sich vermummt und gehen jetzt wieder ruhig ihrem Studium nach oder ihrer Arbeit „im bösen kapitalistischen System“. In diesem Sinne hier kostenlos http://youtu.be/4qXijkVBjc4 Dank meiner IMEI und der Datenspeicherung wäre wahrscheinlich nachweisbar, dass ich am 19.02.11 auf der Nossener Brücke stand.Die Wortfetzen sind übrigens Polnisch, weil meine Freundin kein Deutsch spricht. Es waren die gegen Ausländerfeindlichkeit predigenden Antifaschisten,vor deren Pflastersteinen sie in Deckung ging. Sicherlich standen wir eher zufällig in der Schusslinie,aber Polizisten sind nun mal per se auch keine Nazis.Vielleicht musste es aber auch erst mal zur Konfrontation mit diesen Internationalsozialisten kommen,damit Dresden nun sowohl ohne Gewalt als auch ohne wegzuschauen Nazis blockiert. Vielleiicht bringt ja der BBC auch mal die Menschenkette.

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