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Donnerstag, 11.10.2018

So warm war der Herbst noch nie

Von Stephan Schön

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Herbst-Stimmung rund um die Albrechtsburg in Meißen.
Herbst-Stimmung rund um die Albrechtsburg in Meißen.

© Thomas Kretschel

Dresden. Jetzt kommen richtige Sommertage mit mehr als 25 Grad in Sachsen. Sie werden am Freitag und Sonnabend neue Oktoberrekorde bringen. Seit Messbeginn 1881 war es an vielen Orten im Freistaat nie wärmer um diese Zeit. Und es gab bisher keinen vergleichbaren Oktober wie diesen. Normal wären jetzt um die 14 Grad. Es ist also zwölf Grad zu warm.

„Das ist äußerst bemerkenswert. Dafür muss sehr viel zusammenkommen“, sagt Florian Engelmann vom Deutschen Wetterdienst (DWD) und gibt einen Überblick über die am Donnerstag gemessenen Temperaturen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen.

Sehr warme Luftmassen aus dem Mittelmeerraum und Nordafrika strömen direkt heran. Diese Warmluft driftet als großes Paket vom Boden bis in Höhen von 5 000 Metern zu uns. Vom westlichen Mittelmeer braucht diese Luftmasse dafür nur einen Tag.

Seit April dieses Jahres heizt das Wetter von einem Rekord zum nächsten. Allein die Dauer der warmen, trockenen, heißen und jetzt immer noch sommerlichen Witterung ist extrem ungewöhnlich. Dresden-Klotzsche kommt in diesem Jahr schon auf 77 Sommertage, normal wären 38. In Görlitz sind es 78 statt normalerweise nur 31 Tage mit über 25 Grad. Und dieses Wochenende setzt noch was drauf mitten im Herbst. Im Vollherbst, so heißt die jetzige Jahreszeit meteorologisch exakt, wenn Kastanie und Eiche ihre Früchte abwerfen.

Obwohl Sonne und Wärme eigentlich bestens für die Pflanzen wären, verkürzt sich die Vegetationszeit in diesem Jahr, erklärt DWD-Agrarmeteorologin Anja Asmawi. Der Herbst ist gut eine Woche zu früh, bedingt durch die Trockenheit im Boden. Die Dürre vom Sommer ist schon wieder erreicht. Bäume werfen ihre Blätter zeitiger ab, Früchte reifen schneller und viele Pflanzen schalten in den Notmodus. „Sie gehen in vorzeitige Winterruhe“, sagt Anja Asmawi.

Dass dem Hitze-Sommer ein schöner, sommerlicher, dennoch extremer Herbst folgt, hat wiederum auch politische Auswirkungen. Recherchen der Sächsischen Zeitung hatten ergeben, dass es während der drei Hitzeperioden in diesem Sommer eine sehr viel höhere Sterberate gegeben hat. In der Antwort der Staatsregierung auf eine parlamentarische Anfrage von Volkmar Zschocke (Landtagsfraktion Grüne) spielt dies jedoch keine Rolle.

„Mit Blick auf die Gesundheitsrisiken durch den Klimawandel bleibt die Staatsregierung weitgehend inaktiv“, sagt Zschocke der Sächsischen Zeitung. Die Antworten von Sozialministerin Barbara Klepsch (CDU) seien dünn. „Risikogebiete für gesundheitliche Hitzebelastung werden nicht systematisch erfasst, Maßnahmen zum Schutz der menschlichen Gesundheit bei Hitzewellen nicht zentral koordiniert.“ Das werde jetzt politisch zum Thema.

Die Grüne-Fraktion hat als Konsequenz aus diesem Hitzesommer ein Aktionsprogramm „Klimaschutz und Extremwetteranpassung“ für Sachsen vorgelegt. Bäume, begrünte Fassaden und Dächer sowie Parks sollten gefördert werden. Die Diskussion dazu habe bereits mit Krankenkassen und Verbänden begonnen – im Landtag indes noch nicht.

Leser-Kommentare

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Insgesamt 15 Kommentare

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  1. kedi-frank

    Ich finde das Wetter gut. Mit Blick auf die ständig steigenden Heizöl - Preise / andere Brennstoffe super ! Das Wetter macht nicht krank, sondern ist gesund!

  2. Max Anders

    Da ist sie wieder, die auf den Leipziger Raum fixierte meteorologische Brille. Der gestrige Tag war verbreitet in Sachsen ein Sommertag (>25 Grad) z.B. in Strehlen, Riesa, Delitzsch, Trebendorf. Heute soll nur noch die Leipziger Ecke diese für die Jahreszeit magische Marke knacken. Die Aussage für Sonnabend ist dann schon sehr vage. Es ist ein außergewöhnliches Wetterjahr, was den Klimaesotherikern natürlich sehr viel Futter für ihren Fetisch gibt. Und die Grünen machen reichlich Gebrauch davon, wie man ja lesen kann. Die Assoziation zur Volksgesundheit ist natürlich neu und treibt damit weiter muntere Blüten. Hat die SZ eigentlich auch mal die Sterblichkeitsraten für kalte und triste Herbstmonate recherchiert? Das würde mich mal interessieren, auch die Datenbasis und Quelle dazu.

  3. Black Forest

    In den Übergangsjahreszeiten (Frühling, Herbst) sind Temperaturen von 31Grad bis zu -2Grad und von Sonnenscheintagen bis zum ersten Schnee völlig normal! Auch gab es schon wärmere Oktober als den dieses Jahr, selbst die Anzahl der maximalen Sonnenstunden pro Jahr ist dieses Jahr zwar hoch aber noch nicht am höchsten. Statt sich über die Sonnenstunden zu freuen und sie sinnvoll zu nutzen wird von den Medien gleich wieder die Klimaangst geschürt. Als ob wie keine anderen, wichtigeren Probleme hätten, aber so bekommt man eben auch ne Zeitungsseite/Webseite voll ohne sich mit den wirklich brennenden Themen befassen zu müssen...

  4. Horst

    Ob nun das Wetter krank macht oder nicht - dass es sich auch über Jahre gesehen bereits stark verändert hat, ist ja wohl mehr als offensichtlich. Wir können uns jetzt hinstellen und behaupten "nu, das Wetter war ja schon immer wechselhaft", oder wir nehmen unsere eigenen Beobachtungen und die wissenschaftlichen Erkenntnisse ernst, und ändern was. Ich finde, nichts tun wäre verdammt egoistisch gegenüber unseren Kindern und gegenüber Menschen aus Regionen, wo der Klimawandel ganz andere Sachen anrichtet, als einen "schönen Sommer".

  5. ole

    Es hat dieses Jahr nicht nennenswert geregnet. Die Stauseen der Spree sind faktisch leer. In Kürze fließt dann die Sulfat- und Eisenbrühe aus den Tagebaurestlöchern und Kippen durch den Spreewald am Kanzleramt und Bundestag vorbei. Aber schön, dass wir uns noch sonnen können. Mit Sonnenbrille sieht man die Probleme nicht. Ist auch nicht so schlimm. Betrifft uns nicht. Ist stromabwärts.

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