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Donnerstag, 27.11.2014

So viele Studenten wie noch nie

In deutschen Hörsälen wird es eng. Auch Sachsens Hochschulen kommen an ihre Grenzen.

Von Stephan Schön

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Studenten der Wirtschaftswissenschaften in einer Vorlesung an der Universität Leipzig. An Sachsens Universitäten und Hochschulen haben sich zum Wintersemester 2014/2015 bisher mehr als 18500 Studienanfänger immatrikuliert.
Studenten der Wirtschaftswissenschaften in einer Vorlesung an der Universität Leipzig. An Sachsens Universitäten und Hochschulen haben sich zum Wintersemester 2014/2015 bisher mehr als 18 500 Studienanfänger immatrikuliert.

© dpa

Berlin/Dresden. Geplant war das anders. Alle Langfristprognosen für Deutschland deuteten stark sinkende Studentenzahlen an. Die Realität indes sieht anders aus: Immer mehr strömen in Hörsäle und Seminare. Noch nie haben so viele junge Menschen in Deutschland studiert.

2,7 Millionen Studenten streben derzeit Bachelor, Master oder auch Staatsexamen und Diplom als Abschluss an. Das sind 81 000 mehr als noch vor einem Jahr. In nur zehn Jahren ist damit die Studentenzahl in Deutschland um ein Drittel gestiegen. Das geht aus dem gestern veröffentlichten Bericht des Statistischen Bundesamtes hervor. Die Umstellung des Abiturs von 13 auf 12 Jahre in vielen Bundesländern und der Wegfall der Wehrpflicht sind entscheidende Gründe dafür. Inzwischen studiert mehr als die Hälfte eines Altersjahrgangs. Studieren ist angesagt, weil es die besseren Jobchancen bringt. Den höheren Verdienst dazu. Die Arbeitslosigkeit unter Akademikern beträgt derzeit nur 2,4 Prozent.

In den westdeutschen Bundesländern steigen die Studentenzahlen weiter. Im Osten bleibt alles auf unerwartet hohem Niveau. In Sachsen gibt es derzeit 112 000 Studenten und damit lediglich ein Prozent weniger als im Vorjahr. Die sächsischen Hochschulen stehen damit nach wie vor an ihrer Belastungsgrenze, in einigen Fächern auch jenseits davon.

Der von der neuen Koalition beschlossene Stopp der Stellenkürzungen kommt daher einer Notbremsung gleich. Gerade noch rechtzeitig geschieht dies, um das Niveau des Studiums und damit die Jobchancen der Absolventen zu erhalten. Genau so sieht es die neue SPD-Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange: „Unsere Hochschulen müssen kein weiteres Personal abbauen. Damit haben sie eine gute und gesicherte Grundlage für die nächsten Jahre“, sagte sie der Sächsischen Zeitung. „Zudem werden wir mit den Hochschulen auch eine Vereinbarung über die langfristigen finanziellen Rahmenbedingungen bis 2025 schließen.“ Dass die Zahl der Studenten in Sachsen hoch bleibt, davon geht Eva-Maria Stange aus. Selbst die nun folgenden geburtenschwachen Jahrgänge werden daran nichts wesentlich ändern.

Etwas fällt in der bundesweiten Studentenübersicht jedoch ganz besonders auf: Die Studentenzahl nimmt weiter zu, obwohl es weniger Studienanfänger gibt. Das Studium dauert wieder länger. Volle Hochschulen und mangelnde Betreuung sind ein Grund dafür. Ein anderer: An die 40 Prozent brechen ihr Studium ab. Doch viele geben nicht ganz auf, sondern beginnen ein anderes Studienfach von Neuem. Auch das verlängert Studienzeiten und erhöht damit die Studentenzahlen.

Leser-Kommentare

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Insgesamt 12 Kommentare

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  1. P.Lehmann

    eben Masse statt Klasse.. Die Gründe dafür sind schon oft genug zitiert wurden.

  2. Siegfried Arnold

    Bei uns damals begannen ca 1200 Studenten das Maschinenbaustudium. Nach dem ersten Semester mit einer Prüfung wurden ca 400 wieder exmatrikuliert. Die anderen studierten bis zum Ende ihre 12 Semester.

  3. SLUB-Nutzer

    Ein Grund mehr, gegen Pornos guckende verwahrloste Männer in der SLUB vorzugehen. Einen Rechnerplatz zum Arbeiten zu ergattern ist fast unmöglich, hat man dann einen, fällt das Konzentrieren schwer bei den "Nebenbeschäftigungen" des Nachbarn.

  4. Dresdner Gewissen

    Diese Exmatrikulationsquote war bei mir 1970 - 1974 noch etwas größer. Da blieb nach dem 2. Semester nur noch die Hälfte übrig. Die blieb dann auch bis zum Ende.

  5. Dresdner Bürger

    Und nu? Was folgt aus dem Artikel? Zeit für Qualitätsmessung und zu schauen, was rauskommt, wenn alles ok ist dann Steuern hoch und studieren lassen. Im übrigen stehen unsere Bildungseinrichtungen im Jahr zu 30% leer, Semesterferien und ein Uniprof hältpro Woche maximal 8h Vorlesungen.

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