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Samstag, 01.09.2018

So lief der Demo-Tag von Chemnitz

Von Alexander Schneider und Tobias Wolf

Die Demos in Bildern

Tausende Demonstranten versammelten sich am Samstag unter dem Motto „Herz statt Hetze“ in Chemnitz.
Tausende Demonstranten versammelten sich am Samstag unter dem Motto „Herz statt Hetze“ in Chemnitz.

© Paul Sander

Chemnitz wurde rund eine Woche nach dem gewaltsamen Tod eines 35 Jahre alten Deutschen zum Schauplatz von mehreren Demos. Ein Bündnis aus rund 70 Vereinen, Organisationen und Parteien hatte unter dem Motto „Herz statt Hetze“ zu Versammlungen aufgerufen. Parallel mobilisierten AfD, die rechtspopulistische Gruppierung „Pro Chemnitz“ und die ausländerfeindliche Pegida-Bewegung zu Demonstration und „Schweigemarsch“.

Die Demos in Bildern

Was in Chemnitz passierte – der Überblick aus dem Liveticker zum Nachlesen:

21.40 Uhr: Abgesehen von kleinerem Geplänkel beruhigt sich die Lage. Für heute beenden wir unseren Ticker. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. Wir wünschen Ihnen eine gute Nacht und einen ruhigen Sonntag.

21.20 Uhr: Wie die Freie Presse berichtet, zählte die Kommune auf der Demonstration "Herz statt Hetze" 4 000 Teilnehmer. Auf Seiten der Rechten hätten 4 500 Teilnehmer an den Demonstrationen und Kundgebungen teilgenommen. SZ-Reporter schätzen die Zahl deutlich höher ein. Bis 21 Uhr musste der Rettungsdienst zu 17 Einsätzen ausrücken. Elf Menschen wurden ins Krankenhaus gebracht.

21.15 Uhr: SZ-Reporter beobachten, dass rechte Demonstranten mehrere Kamerateams am Gedenkort von Daniel H. massiv bedrängen und aggressiv angehen. Ein Kamerateam des Senders Sat 1 wurde an eine Hauswand gedrängt. Die Polizei ist eingeschritten. Ums Eck führte sie einen Mann ab. Es befinden sich noch immer mehr als hundert Demonstranten vor Ort.

20.55 Uhr: Mehr als Hundert Rechte haben sich am Gedenkort für Daniel H. versammelt. Einige skandieren "Keine Gewalt" und "Daniel, Daniel", andere brüllen "Lügenpresse, auf die Fresse!".

20.41 Uhr: Die Polizei gestattet den rechten Demonstranten, sich noch einmal zu der Stelle zu begeben, an der Daniel H. vor knapp einer Woche niedergestochen wurde. Eine Versammlung werde man aber nicht dulden. Sollten sich die Demonstranten widersetzen, werde man "geeignete Maßnahmen" ergreifen, um die Versammlung aufzulösen. Indes ist auch die Versammlung "Frieden wahren - Demokratie verteidigen" am Johannisplatz beendet worden.

20.31 Uhr: Die Polizei positioniert ihre Wasserwerfer neu. Auf dem Weg zum Bahnhof kommt es offenbar erneut zu Angriffen aus beiden Lagern. Dennoch würden sich immer mehr Teilnehmer auf die Heimreise begeben.

20.20 Uhr: Laut der Chemnitzer Versammlungsbehörde sind bei den Demonstrationen rund 8 000 Menschen auf die Straße gegangen und damit weniger als im Vorfeld erwartet. Rund 4 500 Menschen hätten demnach am gemeinsamen Marsch der AfD und des ausländerfeindlichen Bündnisses Pegida teigenommen, dem sich auch Demonstranten der rechtspopulistischen Bürgerbewegung Pro Chemnitz anschlossen. Zu einer zeitgleichen Veranstaltung für Frieden und gegen Ausländerfeindlichkeit kamen den Angaben zufolge rund 3 500 Menschen auf einen Parkplatz bei der Johanniskirche. In den Nebenstraßen wurden weitere hundert Teilnehmer gezählt.

20.09 Uhr: Wie ein SZ-Reporter berichtet, haben Rechte versucht, auf der Straße der Nationen eine Spontandemo anzumelden. Die Polizei erteilte via Lautsprecher eine Absage und bat darum, den Platz in Richtung Theaterstraße zu verlassen. Die Rechten verharren vor Ort.

20.05 Uhr: Die Chemnitzer Polizei ermittelt nach der Anzeige eines MDR-Teams zu einem Vorfall in einer Privatwohnung am Rande der Demonstrationen. Der Sender selbst sprach von einer "Attacke" und einem Angriff auf zwei erfahrene Reporter, wobei einer verletzt wurde. In einem Video, das der Sender per Twitter teilte, erzählt einer der Journalisten, dass die Reporter bei Anwohnern geklingelt und gefragt hätten, ob sie vom Balkon aus filmen dürften. "Nein, kein Problem, kommt hoch", schildert André Berthold von "MDR aktuell" in dem Video die Situation.

19:50 Uhr: Wie die Freie Presse berichtet, kündigte die Polizei per Lautsprecherdurchsage an, die Gegendemonstranten später sicher zum Hauptbahnhof zu bringen. Man bitte um Geduld. Die Stimmung sei ruhig, aber angespannt.

19:38 Uhr: SZ-Reporter haben beobachtet, wie rechte Demonstranten Wasserwerfer und Räumpanzer der Polizei attackiert haben. Sie sollen auch versucht haben, die Reihen der Polizei zu durchbrechen. Die Linken stehen mehrere Hundert Meter weit entfernt. Die Angriffe richten sich gegen die Polizei. Die Polizei forderte die Demonstranten auf, nach Hause zu ihren Familien zu gehen.

19.35 Uhr: Reporter der Freien Presse berichten: Wasserwerfer der Polizei haben sich in Richtung des AfD-Lagers gedreht. Dort skandiert die Menge: "Widerstand, Widerstand."

19.25 Uhr: Der "Schweigemarsch" der Rechten ist offiziell beendet. Unklar ist, ob und wie sich der rechte Demonstrationszug nun auflöst.

19.18 Uhr: Der Polizei wäre es am liebsten, wenn die Rechten ihre Demonstration abbrechen:

19.15 Uhr: Laut Polizei haben 30 Rechtsextremisten versucht, sich aus der Demonstration abzusetzen. Autonome bekamen davon mit und versuchten, sie zu stellen. In der Bahnhofstraße haben Polizisten die Situation entschärft. Der schwarze Block hat lautstark protestiert. Fünf bis zehn Personen aus dem Schwarzen Block sollen mit Holzlatten bewaffnet gewesen sein. Der rechte Demonstrationszug steht noch immer.

19.05 Uhr: Eigentlich sollte die rechte Demonstration gleich nach rechts abbiegen, nun herrscht erneut Stillstand. An der Ecke Bahnhof-/Brückenstraße versperrt die Blockade der Gegendemonstranten den Demonstrationszug. Nach Angaben eines SZ-Reporters sucht die Polizei nun nach einer Alternativ-Strecke.

18.55 Uhr: Wie ein SZ-Reporter berichtet, haben mindestens 1 000 Gegendemonstranten sich über eine Straße auf der Demonstrations-Strecke der Rechten verteilt, um deren Zug zu blocken. Davor stehen mehrere Reihen mit Büchern. Inhalt: Das Grundgesetz. Auf einem Plakat an der Spitze der Blockade steht "Keine Zukunft für Nazis", dahinter "Antifa statt Deutschland". Die eine Straßenseite ist von der Polizei gesperrt, auf der anderen stehen weitere schätzungsweise 2 000 Gegendemonstranten.

18.40 Uhr: Der "Schweigemarsch" ist derzeit zum Stillstand gekommen. Unterdessen berichtet ein SZ-Reporter von einem Angriff dreier Rechtsextremer auf ein Kamerateam. Einer habe auf die Kamera des Reporters geschlagen. Als dieser sich auf Englisch beschwert, antwortet der Schläger mit "Sprich Deutsch!" Die Aggressivität weicht aber schlagartig, als sich herausstellt, dass das Kamerateam vom Sender RT Deutsch ist – also Teil des russischen Nachrichten-Netzwerks. Prompt entschuldigt sich der Kamera-Schläger.

18.18 Uhr: Die Polizei vermeldet Rangeleien und appelliert an alle, sich von "Störern" zu distanzieren:

Journalisten des MDR wurden derweil in einer Privatwohnung am Rande des Demonstrationsgeschehens angegriffen.

18.12 Uhr: Der Aufzug von AfD, Pegida und anderen Rechten hat sich nach Angaben der Freien Presse auch wegen der Verlesung der Auflagen um eine Stunde verzögert. Anders als bei Pegida-Demonstrationen dürfen die Teilnehmer nur Deutschlandfahnen mitführen. Andere Symbole, Spruchbänder und Plakate sind heute verboten, Verstöße sollen geahndet werden. Die rechten Demonstranten wurden dazu aufgerufen, diesmal auf Provokationen und Gewalt zu verzichten.

18.00 Uhr: Mehrere Hundert Vermummte haben versucht, die Demonstration der Rechten zu stürmen. Es kommt zu einem Zusammenprall mit der Polizei. Der Demonstrationszug, angeführt von AfD-Rechtsaußenpolitiker Björn Höcke, darf nun starten.

17.45 Uhr: SZ-Reporter vor Ort schätzen die Zahl der Demonstranten von AfD, Pro Chemnitz und Pegida auf weit über 10 000. Die für 17 Uhr angemeldete Demonstration konnte sich noch immer nicht in Bewegung setzen. Wie die Freie Presse berichtet, ist die Polizei damit beschäftigt, die beiden gegnerischen Demonstrationen voneinander fernzuhalten. Unter den Gegendemonstranten befänden sich mehrere Vermummte.

17.20 Uhr: Wie die Freie Presse berichtet, haben sich inzwischen zwei Blockaden gebildet. An einer davon haben Polizisten ihre Helme aufgesetzt und Polizeihunde zur Verstärkung aus den Einsatzwagen geholt. Die Stimmung heizt sich auf.

17.10 Uhr: Die Teilnehmer der Pro-Chemnitz-Demonstration haben sich inzwischen dem "Schweigemarsch" der AfD angeschlossen. Polizeihubschrauber kreisen über der Innenstadt.

16.41 Uhr: Neuer Stand der Dinge: Die Pro-Chemnitz-Kundgebung löst sich vorzeitig auf. Grund dafür soll sein, dass die Polizei der Gruppierung die geplante Demonstrationsroute nicht freigegeben hat. Aktuell sollen einem SZ-Reporter zufolge etwa 3 000 Personen bei Pro Chemnitz demonstrieren.

16.26 Uhr: Auf einem Parkplatz bei der Johanniskirche demonstrieren nach Veranstalterangaben mehr als 2 000 Menschen für Frieden und gegen Ausländerfeindlichkeit.

16.20 Uhr: Mehrere hundert Menschen sind zur Kundgebung der rechtspopulistischen Gruppierung Pro Chemnitz zusammengekommen. Die Veranstaltung erhält weiter Zulauf. Für den späteren Nachmittag ist ein Zug durch die Innenstadt geplant. Diesem soll sich eine Kundgebung von AfD und Pegida anschließen.

16.00 Uhr: Die Polizei zeigte starke Präsenz im Stadtzentrum, auch mit berittenen Beamten. Die sächsische Polizei wurde von Kräften aus mehreren Bundesländern und von der Bundespolizei unterstützt. Angaben zur Stärke der Einsatzkräfte oder zur Zahl der Demonstrationsteilnehmer machte die Polizei zunächst nicht.

15.15 Uhr: Die Veranstaltung „Herz statt Hetze“ hat bereits begonnen. Unter den Teilnehmern befinden sich unter anderem Sachsens SPD-Chef Martin Dulig, Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD), SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil sowie Sachsens Wissenschaftsministerin Eva-Maria Stange (SPD). Am Rande der Kundgebung hat Dulig Fairness gegenüber der Stadt Chemnitz und seinem Bundesland angemahnt. „Die Mehrheit sind die Anständigen, und ich möchte, dass man das auch sieht und wahrnimmt.“ Auch die vielen Menschen, die sich für ein demokratisches Sachsen engagierten, würden in Misskredit gezogen, wenn man das Land einfach in eine Ecke stelle. Sachsen habe ein Problem mit Rassismus, „das müssen wir angehen“, so Dulig. Dafür brauche es einen starken Rechtsstaat und vor allem „den Schulterschluss mit der Zivilgesellschaft“. Die Aufgabe sei, Vertrauen in den Staat, in den Rechtsstaat herzustellen, für manche auch wiederherzustellen.

14.55 Uhr: Die Polizei war bisher zurückhaltend im Stadtgebiet auf Streife, sie bezeichnete die Lage am Vormittag als ruhig. Nun wappnen sich die Beamten für mögliche Auseinandersetzungen. Man gehe bei den rechten Demonstrationen von einer Teilnehmerzahl im unteren fünfstelligen Bereich aus. Ein breites Bündnis aus rund 70 Vereinen, Organisationen und Parteien hat unter dem Motto „Herz statt Hetze“ zu Versammlungen aufgerufen.

14.30 Uhr: Rund zwei Dutzend Menschen haben bereits am Vormittag am Roten Turm für Vielfalt und friedliches Miteinander demonstriert. Unter dem Motto „Chemnitz bunt statt braun“ sprachen und diskutierten Vertreter verschiedener Friedensgruppen mit Passanten. Später zogen etwa 50 Menschen durchs Stadtzentrum. Unter dem Motto „Chemnitz Nazifrei“ ist am Nachmittag die nächste Veranstaltung geplant.