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Mittwoch, 12.09.2018

So beliebt ist Sächsisch

Die Sächsische Zeitung und die Ilse-Bähnert-Stiftung suchen das beliebteste sächsische Wort des Jahres 2018.

Von Peter Ufer

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Auch in diesem Jahr wird das schönste, das bedrohteste sowie das beliebteste sächsische Wort gekürt.
Auch in diesem Jahr wird das schönste, das bedrohteste sowie das beliebteste sächsische Wort gekürt.

© dpa/Arno Burgi

Über 3000 Wörter schickten die Sachsen dieses Jahr an die Ilse-Bähnert-Stiftung, MDR-Sachsen und die SZ zur Wahl des „Sächsischen Wortes des Jahres“. Vergangenen Freitag tagte in Dresden die Wort-Jury, der unter anderem der Dresdner Schauspieler Tom Pauls, MDR-Moderator Andreas Berger sowie der Chef der Leipziger Lachmesse Frank Berger angehören, um aus den Einsendungen das bedrohte sowie das schönste sächsische Wort 2018 auszuwählen.

Tom Pauls erklärte gleich zu Beginn der Tagung die Regeln: „Kriterien für die Wahl sind zum einen, dass das jeweilige Wort seinen Ursprung in Sachsen hat oder hier seit Jahren verwurzelt ist und im Sprachgebrauch der Sachsen eine nachvollziehbare Rolle spielt. Zum anderen sollen die Siegerwörter in ganz Sachsen verständlich sein.“ Außerdem werden jene Wörter, die schon einmal gewonnen haben, nicht mehr gewählt. So wunderbare Substantive wie Asch, Haderlumb, Hidsche oder Schmieche klingen unaussprechlich gut und schlagen die Sachsen immer vor, gehörten aber in den Jahren 2009, 2011, 2013 sowie 2017 zu den Gewinnern.

Die Sachsen selbst können auch in diesem Jahr wieder das beliebte sächsische Wort 2018 per Klick auf sz-online wählen. Nominiert sind: Bemme (eine Scheibe Brot), biddeln (spazieren, einkaufen), Blämbe (dünner Kaffee, geschmacklose oder nicht schmeckende Flüssigkeit), Gaggsch (Witz, Spaß, aber auch der Haardutt), fähnsn (weinen), friemln (basteln, etwas zusammenbringen), Mauge (keine Lust haben, aber auch Kartoffelbrei), ningln (sich immer wieder beschweren, quengeln), äscha (nein, keinesfalls), kaubln (tauschen).

Gekürt wird in diesem Jahr als zusätzliche Kategorie das sächsische Schimpfwort des Jahres. Auch dazu gab es eine riesige Anzahl an Vorschlägen. Dass Schimpfwörter, insbesondere bei politischen Auseinandersetzungen, immer mehr öffentlich benutzt werden, drückt die Spannungen im Land aus. Allein das Wort Bagg (das Pack) führte zu heftigen Auseinandersetzungen. Es ist eine Variante von Bagage, was aus dem Französischen ins Sächsische kam und wörtlich übersetzt Reisegepäck heißt. Ende des 17. Jahrhunderts wurde das Wort ins Deutsche übertragen und bezeichnete die wenig geachtete militärische Begleitmannschaft früherer Heere, in der auch Huren und Marketender mitliefen. So nahm das Wort nach und nach die Bedeutung Gesindel an. Kurz gesprochen ist die Bagage das, was mit eingepackt war, gemeines, schmutziges, freches, elendes, rohes Pack.

Beim Benutzen dieses Wortes sollte man allerdings sehr sensibel sein. Als beispielsweise Siegmar Gabriel im Jahr 2016 in Heidenau Sachsen als „Pack“ titulierte, reagierte er auf Menschen, die sich unzivilisiert verhielten, ausgesprochen unzivilisiert. Er hätte damals lieber etwas gegen Fluchtursachen unternehmen sollen, statt zu blöken. Als Wirtschaftsminister war er quasi Waffenexportminister. Doch auch die Literatur kennt Herabwürdigung. Wer jedoch für die Würde des Menschen eintritt, darf selbst den Anstand nicht verlieren. Deshalb setzt sich die Jury des Sächsischen Wortes in diesem Jahr mit den Schmähungs- und Beleidigungswörtern auseinander, um über ihre Verwendung aufzuklären.

Gekürt wird das Sächsische Wort des Jahres zur großen Sachsen-Gala am 3. Oktober im Dresdner Schauspielhaus. Die Veranstaltung ist bereits seit Monaten ausverkauft. Ein paar Restkarten gibt es noch für die zweite Veranstaltung zum sächsischen Wort, die am 21. Oktober während des „Lachmesse“ im Leipziger Academixer-Keller stattfindet. Eingeladen zu den Programmen sind erstmals auch Freunde des Dialekts aus dem Erzgebirge. Denn seit diesem Jahr kooperiert die „Ilse-Bähnert-Stiftung“ mit dem Erzgebirgsverein, der in Anlehnung an das „Sächsische Wort“ am 4. November in Annaberg-Buchholz das „Erzgebirgischen Wort des Jahres“ vergibt.

Hier haben Sie die Wahl: Bis zum 28. September können Sie hier mitbestimmen, welches das sächsische Lieblingswort 2018 wird.

Nur ein Wort kann gewinnen: Gekürt wird der Sieger am 3. Oktober bei einer bereits ausverkauften Gala im Dresdner Schauspielhaus.

Leser-Kommentare

Insgesamt 5 Kommentare

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  1. Thomas

    Blämbe ist für mich irgend etwas dickflüssiges nicht definierbare Flüssigkeit. Kann aber auch eine zerkochte Suppe sein, oder eine klebender Kartroffelbrei. Etwas dünnflüssiges ist bei mir Blörre oder auch Plörre.

  2. Eveline

    Blämbe is e versautes Gesöff -das is ene Beileidschung forn Gaffee

  3. Mo H.

    11. Volksfahrrad

  4. Kalle

    „Frontollaufnahme.“ und „Lüüügenpresse“ sind doch die wahren sächsischen Evergreens, warum die es nicht in die Liste geschafft haben ist mir fraglich. „Du hast mir ins Gesicht gefilmt“ ist aber mein diesjähriger Lieblings-Satz aus Sachsen, besser als das ewigen „Danke Merkel.“

  5. Mike Hauptmann

    0,9: Horchundguck

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