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Samstag, 14.07.2018

Sehr frühe Weinlese in Sachsen

Der Wein reift in diesem Jahr gut. Doch die lange Trockenperiode war selbst den Winzern zu viel. Mit dem aktuellen Regen kann nun vermutlich so zeitig mit der Weinlese begonnen werden wie sehr lange nicht.

Mitarbeiterin Diana Ollhoff liest im Wackerbarth-Weinberg in Radebeul Weissweintrauben der Sorte „Scheurebe“, aufgenommen am 27.09.2017. Dieses Jahr muss sie vermutlich zwei Wochen vorher loslegen.
Mitarbeiterin Diana Ollhoff liest im Wackerbarth-Weinberg in Radebeul Weissweintrauben der Sorte „Scheurebe“, aufgenommen am 27.09.2017. Dieses Jahr muss sie vermutlich zwei Wochen vorher loslegen.

© Norbert Millauer

Dresden. Viel Sonne hat den Wein in der Gegend um Meißen und Radebeul in den vergangenen Wochen rasch reifen lassen. „Aktuell gehen wir von einem zeitigen Start der Weinlese in Sachsen aus“, sagt der Vorstandsvorsitzende des Weinbauverbands Sachsen, Michael Thomas. „Der Regen der vergangenen Tage war elementar wichtig.“ Die langen Trockenheit hatte die Winzer schon sorgenvoll gestimmt.

Das Staatsweingut Schloss Wackerbarth in Radebeul rechnet nach eigenen Angaben mit einem Erntevorsprung von rund zwei Wochen und einem Lesebeginn etwa Mitte August - so früh wie in kaum einem Jahr zuvor. Die lange Trockenheit habe einen erheblichen Mehraufwand bedeutet, etwa Tropfenbewässerung, heißt es.

Der Legende nach soll es Bischof Benno gewesen sein, der Anfang des 12. Jahrhunderts nahe dem Meißner Burgberg die ersten Reben gepflanzt hat. In alten Urkunden ist es allerdings Markgraf Otto der Reiche (1125-1190), der 1161 erstmals mit dem Weinbau in der Gegend in Verbindung gebracht wird. Schätzungen zufolge soll vor dem Dreißigjährigen Krieg auf rund 5 000 Hektar Wein angebaut worden sein.

Geblieben ist davon nicht viel. Auch wenn die Rebfläche in den vergangenen Jahren gegen den Bundestrend um fast ein Viertel auf rund 500 Hektar (2006: 409 Hektar) gewachsen ist, bleibt Sachsen das kleinste deutsche Weinbaugebiet. Mit 81 Prozent dominieren weiße Rebsorten, rote stehen auf 19 Prozent der Fläche.

Thomas zufolge gibt es im Anbaugebiet etwa 2000 Kleinwinzer, 42 Nebenerwerbswinzer und 38 Winzer im Haupterwerb. Die vielen Steillagen müssten aufwendig bewirtschaftet werden. Sachsen erzielte deshalb mit 47 Hektoliter je Hektar (Bund: 91 Hektoliter) im Jahresdurchschnitt bundesweit den niedrigsten Ertrag. Die sächsischen Winzer setzen deshalb auf Qualität. „Klasse statt Masse“, wie Thomas sagt.

Von Cool Climate ist auch die Rede. „Das heißt eigentlich nur, dass der Wein nah der nördlichen Anbaugrenze wächst“, erklärt Martin Schwarz von der Weinmanufaktur Schwarz in Meißen. Bei dem ständigen Wechsel von Warm und Kalt, der Hitze des Tages und der Kühle der Nacht im Elbtal bilden sich Geschmacksaromen. „Das ergibt leichten, fruchtigen Wein mit nicht zu viel Alkohol und dennoch mit Grip“, sagt Schwarz. In Sachsen ließen sich mittlerweile Top-Weine herstellen. Für Sorten, die noch in den 1980er Jahren nicht reif wurden, sei die Gegend durch die Klimaerwärmung mittlerweile ideal.

Schwarz bewirtschaftet seit 2013 an unterschiedlichen Stellen in der Region etwa zwei Hektar. Vor einiger Zeit hat er das historische Weingut „Friedstein“ wieder aufgerebt und die Trockenmauern dort saniert. „Das lag 80 Jahre brach und war von Wald überwachsen.“ Jetzt wächst dort unter anderem - nicht ganz typisch für die Region - ein Chardonnay, der vom Deutschen Weinführer als einer der besten Weine Sachsens bewertet worden sei.

„Weinbau in Sachsen ist immer riskant“, glaubt Schwarz - vor allem für Anfänger. „Es ist ein ganz spezielles kontinentales Klima. Man weiß nie, wie es wird: Warm oder kalt, regnerisch oder trocken. Wetterextreme wie Starkregen haben zugenommen.“ So seien ihm wegen der jetzigen langen Trockenheit einige roten Trauben frühreif geworden.

Immer wichtiger für den Verkauf werden die Herkunftsbezeichnungen, die Kennzeichung bestimmter Weingüter oder Lagen. „Unsere Kunden können jetzt schon auf den Flaschen erkennen, ob die Weine aus ausgewählten Weinbergslagen mit einem besonderen geologischen Ursprung wie dem „Goldenen Wagen“, dem „Wackerbarthberg“ oder „Paradies“ kommen“, sagt Steffen Schuster vom Staatsweingut Schloss Wackerbarth. (dpa)