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Donnerstag, 13.09.2018

Sachsens CDU-Fraktionschef tritt zurück

Frank Kupfer macht die Erkrankung an einer Depression öffentlich. Als Nachfolger ist Geert Mackenroth vorgeschlagen.

Von Thilo Alexe

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Frank Kupfer erklärt den Rückzug von seinem Amt aus gesundheitlichen Gründen.
Frank Kupfer erklärt den Rückzug von seinem Amt aus gesundheitlichen Gründen.

© ronaldbonss.com

  • Frank Kupfer erklärt den Rückzug von seinem Amt aus gesundheitlichen Gründen.
    Frank Kupfer erklärt den Rückzug von seinem Amt aus gesundheitlichen Gründen.
  • Als Nachfolger soll Geert Mackenroth gewählt werden.
    Als Nachfolger soll Geert Mackenroth gewählt werden.

Dresden. Seine Ärztin hat ihm zu dem Schritt geraten: Wegen einer Depression legt Sachsens CDU-Fraktionschef Frank Kupfer den Posten nieder. „Ich habe meine Fraktion gebeten, mich von dieser Verantwortung zu entlasten“, heißt es in einer Erklärung des 56-Jährigen. Er sei an einem Punkt angekommen, an dem er so nicht weitermachen könne.

Kupfer verkündete seine Entscheidung vor Journalisten, gleich nachdem er am Donnerstag die Fraktion informiert hatte. Nach eigenen Angaben leidet er an einer wiederkehrenden Depression. „Der Verlauf der Krankheit ist ein sehr kräftezehrendes, psychisch äußerst belastendes Auf und Ab.“ Er habe „mehrere stationäre und ambulante Therapien mit medizinisch professionellen Behandlungen“ absolviert. „Es gibt Phasen, wo man sich gut fühlt und wo man Kraft hat“, sagte Kupfer. „Es gibt Phasen, wo das eben nicht der Fall ist, wo man am liebsten gar nichts mehr hören und gar nichts mehr sehen möchte.“ Er habe sich über Jahre bemüht, dass niemand etwas von seiner Krankheit mitbekommt.

Kupfer ist krankgeschrieben und will sich weiteren Behandlungen unterziehen. Für die Wahl 2019 kandidiert der langjährige Agrarminister nicht mehr. Sein Mandat will er bis dahin ausüben. Er fühle sich seinen Wählern verpflichtet, sagte Kupfer.

Aus der Landespolitik kamen mitfühlende Reaktionen. CDU-Chef und Ministerpräsident Michael Kretschmer sagte, Fraktion und Parteispitze seien „gerührt“ und „schockiert“. Kupfer werde als Fraktionschef fehlen. Kretschmer ergänzte, Abgeordnete und Parteimitglieder wollten Kupfer „auf seinem Weg zu einer vollständigen und schnellstmöglichen Genesung begleiten“. Der Koalitionspartner SPD zollte Kupfer Respekt für die Entscheidung, mit der Krankheit offen umzugehen. Genesungswünsche kamen auch aus Reihen der Oppositionsfraktionen.

Ein Jahr vor der Landtagswahl steht nun ein Wechsel an der CDU-Fraktionsspitze an, die am 25. September gewählt werden soll. Kupfer und Kretschmer haben als neuen Fraktionschef den Ausländerbeauftragten Geert Mackenroth vorgeschlagen. Der frühere Richter gehörte als Justizminister fünf Jahre der Staatsregierung an. Mackenroth gilt als Ordnungspolitiker, der sich allerdings auch für eine bessere Betreuung von Asylbewerbern einsetzt.

Kupfer ist seit 1994 Landtagsabgeordneter, er war zudem sechs Jahre Agrarminister. Er selbst bezeichnet sich als konservativ. Erstmals wurde der Torgauer, der den Beruf des Fernmeldetechnikers erlernte, 2014 von den Abgeordneten der CDU-Fraktion zu ihrem Vorsitzenden gewählt und seither mehrfach bestätigt.

Zuletzt hatte Kupfer sich in der „Hutbürger“-Affäre abfällig über einen ZDF-Beitrag geäußert. Außerdem sah er sich im Landtag mit einer möglichen Rüge wegen einer als sexistisch kritisierten Aussage konfrontiert.