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Montag, 16.07.2018

Sachsen vertrocknet

Trotz des Regens vergangene Woche fehlt im Freistaat Niederschlag. Das macht sich nicht nur auf den Feldern bemerkbar.

Von Alexander Buchmann

Wegen des Wetters mussten in diesem Jahr viele Felder in Sachsen früher abgeerntet werden als sonst.
Wegen des Wetters mussten in diesem Jahr viele Felder in Sachsen früher abgeerntet werden als sonst.

© dpa/Armin Weigel

Das erste Halbjahr hat Sachsen regelrecht ausgedörrt. Daran ändert auch der Regen in dieser Woche nichts. Vielerorts ist nur die Hälfte des normalen Niederschlags gefallen, der für diesen Zeitraum normal wäre. Die Grundwasserstände liegen an etwa 80 Prozent der Messstellen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Sachsen unter den langjährigen Monatsmittelwerten. Gleichzeitig schien die Sonne öfter und länger. Für Dresden-Strehlen verzeichnet der DWD in den ersten sechs Monaten beispielsweise 302 Sonnenstunden mehr als im langjährigen Mittel. Das stellt nicht nur die Landwirtschaft vor Probleme, sondern wirkt sich auch auf viele andere Bereiche aus.

Straßen: Vorteile beim Straßenbau, Probleme daneben

Den sächsischen Straßen konnten hohe Temperaturen und Trockenheit in diesem Jahr noch nichts anhaben. „Durch unsere sieben Autobahnmeistereien werden neben den normalen Streckenkontrollen bei sehr hohen Temperaturen die Fahrbahndecken der Autobahnen in Bezug auf eventuell auftretende Hitzeaufbrüche verstärkt kontrolliert“, teilt Nicole Wernicke vom Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) mit. Für Asphaltbauarbeiten seien die warmen Temperaturen sogar von Vorteil. Die lange Trockenperiode wirke sich aber auf neu gepflanzte Bäume und Sträucher entlang der Straßen und auf den Kompensationsflächen aus. Dort seien vermehrt Schäden und Ausfälle in den Pflanzungen zu verzeichnen. Deshalb seien vermehrte Wässerungen der Gehölzflächen beauftragt worden, die von den Firmen aber kaum noch bewältigt würden. „In Einzelfällen dürfen die Firmen kein Wasser mehr aus Gewässern entnehmen“, sagt Wernicke.

Flüsse: Nicht nur in der Elbe herrscht Niedrigwasser

Die fehlenden Niederschläge bei gleichzeitig hohen Temperaturen machen sich bei den Flüssen besonders bemerkbar. Die Folge: Niedrigwasser. An der Neiße lagen vor dem Regen der letzten Tage 69 Prozent der Pegel in diesem Bereich. Das ist kein Einzelfall. Alle Flüsse haben maximal halb so viel Wasser geführt wie normal. So lagen die gemessenen Durchflüsse, also die Menge Wasser, die pro Sekunde an den Messpunkten vorbeifließt, bei der Elbe bei 35 bis 40 Prozent des langjährigen Mittelwerts. Bei den Nebenflüssen der Oberen Elbe je nach Messpunkt zwischen fünf und 50 Prozent. Im Flusseinzugsgebiet der Spree waren es 20 bis 50 Prozent, in der Lausitzer Neiße 20 bis 40 Prozent. Im Einzugsgebiet der Mulde sowie der Schwarzen und der Weißen Elster herrschte das gleiche Bild. Die gemessenen Werte lagen da zwischen 15 bis 50 Prozent des langjährigen Mittels.

Fischwirtschaft: Gut für die Karpfen, schlecht für Forellen

Die Kombination aus wenig Wasser in Flüssen und Teichen und warmen Temperaturen wirkt sich auch auf die Fischwirtschaft aus – allerdings nicht nur negativ. „Die höheren Teichwassertemperaturen in der Produktionsperiode sollten der sächsischen Karpfenteichwirtschaft prinzipiell zugute kommen“, teilt das Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) mit. Der Wassermangel wirke sich aber besonders bei den „Himmelteichen“ aus, die keinen Bach oder Fluss zur Füllung nutzen. Hier gab es in Einzelfällen bereits Notabfischungen, zum Beispiel bei der Teichwirtschaft Petershain. Die Fische werden in andere Teiche umgesetzt. „Die aktuelle Witterungssituation dürfte nur wenig Auswirkung auf die Erträge der Karpfenteichwirtschaft haben, zumal noch drei Wachstumsmonate (von vier) vor uns stehen“, sagt Karin Bernhardt vom LfULG. Bei der Forellenteichwirtschaft könnten die Probleme größer sein, da Forellen kühles und sauerstoffreiches Wasser benötigen. Beides werde mehr und mehr knapp. „Ob und in welchem Maße damit Ertragsrückgänge zu erwarten sind, ist aber heute nicht abzuschätzen“, so Bernhardt.




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Trinkwasser: Die Versorgung ist gesichert

Ein Engpass bei der Trinkwasserversorgung ist in Sachsen trotz der fehlenden Niederschläge nicht zu befürchten. Die Talsperren sind noch immer gut gefüllt, teilte die Landestalsperrenverwaltung kürzlich mit. Und auch die Versorgung über Uferfiltrat funktioniere nach Angaben von Ulrich Kraus vom sächsischen Umwelt- und Landwirtschaftsministerium noch. Erst nach drei Jahren ohne Regen müssten Maßnahmen zum Wassersparen ergriffen werden, erklärt Kraus.

Feuerwehr: An Löschwasser mangelt es nicht

Während die Trockenheit den Flüssen und Seen zu schaffen macht, ist die Versorgung der Feuerwehren mit Löschwasser kein Problem. „Die Löschteiche sind generell okay“, sagt Thomas Kreher vom Landesfeuerwehrverband Sachsen. Sollte der Wasserstand zu niedrig werden, hätten die Wehren die Möglichkeit, die Teiche über das Hydrantennetz aufzufüllen. Das gebe es aufgrund gesetzlicher Bestimmungen überall und werde über Tiefbrunnen oder Zisternen gespeist, die nicht austrocknen.

Wald: Gute Bedingungen für Pilze und Schädlinge

Die Waldbrandgefahr in Sachsen ist durch den Regen zunächst gebannt und fast im ganzen Freistaat auf Stufe 1 gefallen. Zu schaffen macht den Bäumen aber der trockene Boden. Frisch angelegte Forstkulturen seien besonders gefährdet. Deren Wurzeln seien noch nicht stark ausgebildet, weshalb die Bäumchen kein Wasser aus tieferen Bodenschichten erschließen könnten, sagt Teresa Brose vom Staatsbetrieb Sachsenforst. Je nach Standort seien daher bei den in diesem Jahr angelegten Forstkulturen höhere Ausfälle zu erwarten. Bei älteren Bäumen seien Symptome von Trockenstress sowie das Welken und Abwerfen der Blätter zu beobachten. Letztere seien Anpassungsreaktionen der Bäume, um den Wasserverbrauch zu verringern.

Eine zusätzliche Belastung sind Pilze und Organismen wie Schadinsekten, für die die Trockenheit und hohen Temperaturen günstige Bedingungen bieten. Die Bäume sind aufgrund des Trockenstresses anfälliger. Außerdem gibt es viele Brutmöglichkeiten, da die Schäden durch Stürme wie Friederike noch nicht vollständig beseitigt sind.

Landwirtschaft: Ernteeinbußen und fehlendes Tierfutter

„Die derzeitige Trockenheit in weiten Teilen Sachsens hat zu einem um zehn bis zwölf Tage früheren Erntestart geführt. Zum Teil ist das Getreide an manchen Standorten notreif geworden“, sagt Andreas Jahnel vom Sächsischen Landesbauernverband. Die Bauern erwarten Mindererträge von 30 bis 50 Prozent gegenüber dem langjährigen Mittel. Wegen zu vieler kleiner Körner bei der Ernte überzeuge die Qualität ebenfalls nicht. „Selbst auf guten Standorten werden unterdurchschnittliche Ernteergebnisse erwartet“, so Jahnel. Betroffen seien alle Ackerkulturen, von der Wintergerste bis jetzt zum Winterweizen. „Sollte die Witterungssituation in den nächsten Wochen so weitergehen, dann werden auch die Folgekulturen wie Kartoffeln, Rüben und Mais sehr problematisch“, sagt Jahnel.

Am größten seien die Ernteausfälle auf den leichten sandigen Standorten in Nord- und Ostsachsen. Dort werde auch die Futterversorgung für Rinder, Ziegen und Schafe problematisch, teilt der Hauptgeschäftsführer des Verbandes Manfred Uhlemann mit. „Für die von der Futternot betroffenen Betriebe steht dann nur noch die Option einer Bestandsreduzierung in der Wiederkäuerhaltung“, sagt er. Nur in den Gebirgs- und Vorgebirgslagen im westlichen Teil Sachsens erwartet der Verband beim Tierfutter keinen nennenswerten Probleme.

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