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Dienstag, 10.01.2017

Sachsen braucht mehr als 1300 neue Lehrer pro Jahr

Das Kultusministerium hat erstmals eine Prognose vorgelegt. Problematisch sind nicht nur steigende Schülerzahlen.

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Der Freistaat Sachsen sucht dringend Lehrer.
Der Freistaat Sachsen sucht dringend Lehrer.

© dpa

Dresden. Der Lehrermangel an sächsischen Schulen wird sich in den kommenden Jahren noch verschärfen. Das geht aus der langfristigen Lehrerbedarfsprognose hervor, die das sächsische Kultusministerium kürzlich erstellen lassen hat. Im kommenden Schuljahr benötigt der Freistaat 1 970 neue Lehrer, bis 2027/28 rechnet das Kultusministerium mit einem Bedarf zwischen 1 300 bis 1 750 neuen Lehrern pro Schuljahr. Im Jahr 2025/26 sind 30 800 Lehrerstellen nötig, um den gestiegenen Schülerzahlen gerecht zu werden. Derzeit gibt es in Sachsen rund 29 700 Lehrerstellen an öffentlichen Schulen.

Als wesentliche Grundlage für die Prognose gelten die Schülerzahlen des Statistischen Landesamtes. Das Ministerium geht davon aus, dass die Zahl der Schüler in den kommenden Jahren weiter steigt – auf mehr als 443 500 Jungen und Mädchen im Jahr 2026/27. In den Folgejahren geht die Zahl der Schüler langsam zurück. Im kommenden Schuljahr sind es Schätzungen zufolge rund 410 000 Schüler.

Problematisch ist vor allem die Anzahl der Lehrer, die in den kommenden Jahren in den Ruhestand gehen wird. Das Kultusministerium rechnet damit, dass allein in den nächsten zehn Jahren etwa 15 000 Lehrer aus dem Schuldienst ausscheiden – das ist rund die Hälfte der heute tätigen Lehrkräfte. „Die hohe Zahl der ausscheidenden Lehrerinnen und Lehrer bleibt auch in den Folgejahren bis 2029/2030 bestehen“, heißt es. Derzeit verlassen etwa 90 Prozent der Lehrer die Schule schon vor der Regelaltersgrenze mit 63 Jahren.

Mit dem Ende Oktober beschlossenen Lehrermaßnahmenpaket will die Regierung auch ältere Lehrer motivieren, nicht vorzeitig in Rente zu gehen. Sie sollen weniger Unterrichtsstunden leisten müssen und können bis zu 780 Euro brutto mehr verdienen – das Geld wurde im Haushalt eingeplant. Damit könnte es nach Angaben des Kultusministeriums zu einer zeitlichen Verschiebung von Altersabgängen um bis zu zwei Jahre kommen.

Das dürfte allerdings nicht genügen. Der Bedarf an Lehrern steigt nach Angaben des Kultusministeriums auch wegen anderer Faktoren – etwa durch Inklusion, kleinere Klassen im ländlichen Raum, um die Schulen zu sichern, oder die Lehrerausbildung. Es fehlen aber Bewerber. Schon im aktuellen Schuljahr hatte das Kultusministerium Schwierigkeiten, alle benötigten Lehrerstellen zu besetzen. Sachsen wird deswegen auch in den nächsten Jahren nicht ohne Seiteneinsteiger auskommen. In diesem Jahr wurden 700 Quereinsteiger eingestellt. Der Freistaat hat mit 45 Prozent bundesweit die höchste Quote. Auch um die Quereinsteiger zu qualifizieren, werden mehr Lehrer gebraucht.

Leser-Kommentare

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Insgesamt 28 Kommentare

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  1. kein Fan

    Der "urplötzlich vom Himmel fallende Lehrerbedarf" ist nicht so plötzlich gekommen, wie es Kultus und Gewerkschaften gern darstellen. Ein bischen Schwankung bei den Schülerzahlen, auch durch Zuzüge aus dem Ausland, sollte ein gesundes System aushalten, wenn man eben nicht von vornherein alle Klassen bis zur Obergrenze zustopft, Schulen schliesst und so weiter. Die Hauptursache des gestiegenen, plötzlichen, Bedarfs liegt doch in der kranken Altersstruktur unserer Lehrerschaft. Jahrelang wurden keine jungen Leute eingestellt, der Lehrerberuf bis zur Grenze unatttraktiv gemacht. Und nun wundert man sich über die Auswirkungen. Leidtragende sind unsere Kinder, die damaligen Verantwortlichen sitzen heute noch im Kultusministerium oder Landtag oder erfreuen sich einer Politiker- oder Beamtenpension.

  2. thomasso

    Vater Staat ist wie immer planlos. Es wird zwar regiert, aber der müsste auch reagieren und das Geld richtig einsetzen - und das rechtzeitig ! Eine ordentliche Schulausbildung für alle Kinder liegt in der Pflicht des Staates ! Dafür bezahlen wir Steuern und Abgaben ! Auf den "Pöbel" oder "Mop" hört doch keiner mehr ! Armes Deutschland !

  3. Adrian

    Zitat: "[...] die damaligen Verantwortlichen sitzen heute noch im Kultusministerium oder Landtag oder erfreuen sich einer Politiker- oder Beamtenpension." Das stimmt. Allerdings wurden Sie gewählt. Und wer sowas wählt muss halt mit den Folgen leben. Und in einer Demokratie müssen dies leider alle. Da kann sich keiner herausreden.

  4. Berg

    Mal langsam, Ihr Haudraufs! Heute gibt es also 29700 Lehrer/innen und in 10 (zehn!!) Jahren werden 30 800 Lehrerstellen nötig sein. Zwischendurch gehen Ältere, und Jüngere kommen. Da fällt nichts vom Himmel, kein Fan, und das ist auch nicht "planlos", Herrn Thomasso. Es ist im Gegenteil ganz einfach: ermuntert Eure Kinder und Enkel, Lehramt zu studieren und in Sachsen Lehrer/in zu werden!

  5. Uwe R.

    Diese Zahlen kommen ja ach so überraschend? Es stellt sich sich die Frage, auf welcher Grundlage die Anzahl Referendarstellen festgemacht wird. Da werden fertig ausgebildete Lehrer gezwungen, in andere Bundesländer auszuweichen, weil es keine Stellen fürs Referendariat gibt bzw. die Wartezeit auf eine solche unerträglich lang ist. Leute, die nicht in andere Bundesländer wollen, sehen sich gezwungenermaßen nach Alternativen um und werden Tankstellenbesitzer (kein Witz!). Wenn man dann solche Artikel wie oben liest, könnte man nur noch wegrennen. Solche Beispiele gibt es viele. Es ist einfach nur ein Grauen, dabei ist Bildung die Pflicht eines Staates. Über den Satz "Es fehlen Bewerber" können sicher viele Betroffenen nur müde lächeln, wobei das nicht zum Lachen ist. Selbst Lehrer/innen, die die Referendarszeit in Sachsen hinter sich gebracht haben, bekommen keine adäquate Stelle (auch nicht ausgedacht!). Da wundern sich die regierenden Personen über wütende Bürger, ich nicht mehr.

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