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Dienstag, 21.10.2008

Richtfest für das Paulinum in Leipzig gefeiert

Leipzig - 40 Jahre nach der Sprengung der Paulinerkirche ist am Dienstag auf dem neuen Campus der Universität Leipzig das Richtfest für den Nachfolgebau gefeiert worden. Ein Kran zog die Richtkrone über den Rohbau des Paulinums, des Hauptgebäudes sowie des großen Hörsaals.«Die Universität erhält wieder ein eigenes bauliches Antlitz in der City», sagte Rektor Franz Häuser. Überschattet wurde das Fest von erneuten Protesten von Kritikern des Paulinums. Sie monieren, dass im Inneren des Baus eine Aula und ein Andachtsraum durch eine transparente Plexiglaswand getrennt werden sollen.

Die Universität Leipzig, zweitälteste Uni mit durchgehendem Betrieb in Deutschland, feiert 2009 ihr 600-jähriges Bestehen. Bis dahin soll der komplette Campus weitgehend fertig sein.

Auf Flugblättern im Namen des Thomaskirchen-Pfarrers Christian Wolff, die vor dem Bauzaun verteilt wurden, war zum Richtfest von einem «Akt der Schmach» die Rede. Hochschulrektor Häuser fand dagegen deutliche Worte: «Es kann nicht überraschen, dass der Bau Aufmerksamkeit auf sich zieht und dass darüber öffentlich diskutiert wird», sagte er. «Als unangenehm empfinde ich aber die Art und Weise, den Stil der Diskussion.» Zuvor schon hatte Häuser betont, es sei nicht Aufgabe des Staates oder der Uni, eine Kirche zu bauen.

Das Paulinum erinnert mit seinem markanten, gotisch wirkenden Giebel deutlich an den Sakralbau, der 1968 auf Befehl der DDR-Führung gesprengt worden war. Der Entwurf des holländischen Architekten Erick van Egeraat ist ein Kompromiss, der nach jahrelangen Debatten gefunden wurde. Innen sollen weltliche und geistliche Nutzung nebeneinander möglich sein. «Die Universität erhält wichtige Räumlichkeiten zurück, wie einen Aularaum, auf den sie sechs Jahrzehnte verzichten musste», sagte Häuser. Im Andachtsraum können auch Gottesdienste gefeiert werden. (dpa)