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Dienstag, 27.07.2004 Fußball

Zusammen 1 188 Jahre alt

Von Johannes Göbel

Es ist kaum zu glauben: Die Spieler der Freitaler Stahl-Mannschaft, die 1949/50 den Bezirksmeistertitel von Dresden errang, die 1952 in die neugebildete Bezirksliga eingestuft wurde und sofort auch dort den Meistertitel holte, die den Aufstieg 1953 in die damals zweithöchste Spielklasse „DDR-Liga“ schaffte, jene unverwüstlichen Fußballenthusiasten treffen sich noch heute zu regelmäßigen „Mannschaftssitzungen“.

Ein Höhepunkt dieser viermal im Jahr (seit 1990) stattfindenden Zusammenkünfte war vergangene Woche. 16 Spieler, darunter elf der damaligen legendären DDR-Liga-Mannschaft, hatten sich die Trikots der heutigen Blau-Weiß-Elf von Freital übergestreift und posierten noch einmal auf dem Rasen im Stadion am Burgwartsberg für die Fotografen. Natürlich juckte es den inzwischen um die Hüften etwas rundlichen und teilweise auch ergrauten älteren Herren gleich in den Beinen, so dass die versierten Kicker von damals, ehe sie sich dem Fotografen stellten, munter ans Leder traten.

Ihr Mannschaftskapitän und ehemaliger Mittelläufer Egon Corty (80 Jahre) beobachtete gelassen das Spielchen seiner Kameraden. Werner Jurek, ehemals rechter Läufer (76) und sein Bruder Heinz Jurek als damaliger Halbstürmer (75) passten sich die Kugel zu, auch die Gebrüder Walther (72) und Gerhard Eckstein (70) hatten ihre Freude am Ballkontakt. Torwart Werner Scheffler (78) hechtete im Kasten sogar noch nach den Bällen. „Ein herrlicher Rasen, hier kann man sich ruhig mal lang machen“, war sein Kommentar zum tadellosen Zustand der Spielfläche. Natürlich rutschte das runde Leder dem einen oder anderen bei diesem improvisierten „Bäbbeln“ oft über „Spann und Giege“. Aber es war ja alles nur Spaß. Immerhin zählten die 16 Akteure auf dem Spielfeld insgesamt 1 188 Jahre (!). „Ich habe großen Wert darauf gelegt, dass wir uns in dieser Form noch einmal treffen. Das Wiedersehen in vertrauter Umgebung mit der Atmosphäre Fußball belebt uns alle immer wieder“, sagte Egon Corty. Er trainierte nach seiner aktiven Laufbahn auch mehrmals die erste Mannschaft von Blau-Weiß Stahl Freital.

Erinnerungen wurden wach. „Wisst ihr noch, als wir die Ilmenauer in der Aufstiegsrunde mit 9:0 besiegten? Gerhard Burghardt machte allein drei Tore, Werner Palitzsch traf ebenfalls dreimal ins Schwarze, Heinz Jurek verwandelte zweimal und Siegfried Zerndt zirkelte einen Freistoß aus 25 Meter Entfernung ins Tor. 4 500 Zuschauern applaudierten uns. Das waren Zeiten“, schwärmten die ehemaligen Stahl-Fußballspieler, fröhlich durcheinander redend.

Und einen Jubilar gab es vorige Woche auch noch. Gerhard Burghardt (Halbstürmer) nahm sichtlich erfreut die Glückwünsche und Blumen zum 79. Geburtstag von seinen Kameraden entgegen. Nach dem Fototermin traf man sich dann bei Fritz Bernd zur „obligatorischen Sitzung“. Hauptgesprächsthema war natürlich der Fußball. Die Europameisterschaft wurde ausgewertet und über die Bundestrainer-Frage heftig diskutiert.

„Elf Freunde müsst ihr sein, um Siege zu erringen“, war ihr Leitspruch und der gilt auch noch im Oktober, wenn sich die Herren das nächste Mal treffen.