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Mittwoch, 22.04.2009

Wagefeld: Wir wollen vor Aue stehen

Der Dynamo-Kapitän spricht über das Saisonzielmit den Gelb-Schwarzen und seine Zukunft.

Maik Wagefeld, wann unterschreiben Sie einen neuen Vertrag bei Dynamo Dresden?

Erst einmal müssen noch einige offene Fragen beantwortet werden.

Der übliche Poker ums Geld?

Nein, obwohl die finanzielle Seite stimmen muss. Vor allem will ich jedoch eine sportliche Perspektive sehen. Deshalb spreche ich mit dem Trainer, wie die Mannschaft für die nächste Saison aussehen soll, welche Ziele wir anstreben.

Welches Ziel würden Sie denn ausgeben?

Ich möchte nicht um die Plätze zwölf bis 16 spielen, sondern im oberen Drittel mit der Chance, oben anzugreifen – ähnlich wie Unterhaching in dieser Saison. Die hatten viele schon im Mittelmaß abgeschrieben, aber nach fünf Siegen in Folge stehen sie auf Platz drei. Es muss der Anspruch von Dynamo sein, in den nächsten zwei Jahren die zweite Liga zu erreichen.

Welche Voraussetzungen müssten dafür erfüllt sein?

Wir brauchen Kontinuität. Das heißt, der Stamm muss bleiben, vor allem die Führungsspieler, und die Mannschaft punktuell verstärkt werden.

Der Wechsel von Thomas Bröker – mit zehn Treffern aktuell bester Dynamo-Torschütze – nach Ahlen steht bereits fest.

Er hat sich so entschieden, und es zeugt von seinem guten Charakter, dass er sich trotzdem weiter voll für Dynamo reinhängt.

Wie gehen Sie damit um, dass von Ihrer Unterschrift eine Signalwirkung erwartet wird?

Das höre ich nicht gern. Ich will nicht sagen, dass ich mich unter Druck gesetzt fühle, aber die Situation ist nicht einfach. Andererseits hoffe ich, dass sich diese hohe Erwartung tatsächlich erfüllt, wenn ich unterschreiben sollte.

Sind die Angebote von anderen Vereinen besser?

Nur so viel: Sie sind sportlich sehr reizvoll bis erstklassig. Aus dieser Sicht würde ein Wechsel für mich durchaus Sinn machen.

Sie haben Dynamo 2004 schon einmal mit dem Ziel 1.Bundesliga verlassen, beim 1.FC Nürnberg 24Spiele im Oberhaus bestritten und zwei Tore erzielt, waren danach bei Hansa Rostock. Letztlich kamen Sie nach Dresden zurück, werden wieder als Leitwolf akzeptiert. Wollen Sie es trotzdem noch mal in der Fremde versuchen?

Ich habe in Nürnberg bewiesen, dass ich mich durchsetzen kann. Leider hatte ich Verletzungspech. Natürlich weiß ich, welchen Stand ich bei Dynamo habe. Ich komme von hier, bin im Verein groß geworden, meine Familie und meine Freundin leben in Dresden. Und ich habe immer gesagt, dass ich gern einen Teil dazu beitragen möchte, Dynamo wieder nach oben zu bringen. Ich werde oft von Fans angesprochen und spüre, wie sie den Verein lieben. Gerade deshalb muss die sportliche Perspektive stimmen, und da gibt es – um mit Ralf Minge zu sprechen – nur zwei Wege: rechts oder links.

Ralf Minge ist als Sportdirektor zurückgetreten, weil nach seiner Einschätzung die Stadionverträge Dynamo nur für ein Jahr vernünftige Bedingungen garantieren. Schreckt Sie das?

Es stimmt mich skeptisch, keine Frage. Was die wirtschaftlichen Bedingungen betrifft, ist die Vereinsführung gefragt. Wir können nur dazu beitragen, indem wir Spiele gewinnen. Ein Stadion in der Bundesliga zu füllen, ist einfach. Aber in der 3.Liga und bei diesen Eintrittspreisen zu jedem Heimspiel eine volle Hütte zu haben, zeigt den hohen Stellenwert von Dynamo für die Region. Es dürfen zwar nur 13000 Zuschauer rein, aber die machen Lärm als wären doppelt so viele da. Es macht riesigen Spaß, vor dieser Kulisse zu spielen.

In der Rückrunde bereitet auch die Mannschaft den Anhängern endlich Spaß. Stellt sich die Frage: Wieso nicht gleich so?

Weil wir uns als Mannschaft erst finden mussten. Diese Geschlossenheit, mit der wir jetzt Rückschläge wegstecken, kann nicht von heute auf morgen da sein, wenn zu Saisonbeginn sechs, sieben neue Spieler kommen.

Was ist für Dynamo in dieser Saison noch drin?

Mit einem Sieg gegen die Stuttgarter Kickers wollen wir das Thema Abstieg endgültig abhaken. Aus dem Hinspiel, bei dem wir an unserer kläglichen Chancenverwertung gescheitert sind, haben wir eine Rechnung offen. Wenn die beglichen ist, können wir noch in den Aufstiegskampf eingreifen.

Der Abstand beträgt 15 Zähler.

Natürlich nicht direkt, aber mit Düsseldorf und Unterhaching könnten wir zwei Anwärtern ein Bein stellen. Außerdem wäre es reizvoll, unseren sächsischen Rivalen zu überholen. Zuerst gegen Stuttgart die drei Punkte sichern und am Saisonende vor Erzgebirge Aue stehen – das sind doch Ziele.

Wann entscheiden Sie, ob Sie bei Dynamo bleiben?

Die Saison ist in viereinhalb Wochen zu Ende. Der Verein hat uns Spieler wegen der unklaren Situation um das Stadion zappeln lassen. Jetzt ist Dynamo am Zug.

Das Gespräch führte Sven Geisler.