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Freitag, 10.08.2007

Tragödie im Nebel an der Eiger-Nordwand

Kletter-Sachsen (11). Vor 40 Jahren starben vier Sachsen in den Alpen durch einen Steinschlag.

Am 21. Juli 1967 stürzten die sächsischen Bergsteiger Fritz Eske, Günter Kalkbrenner, Kurt Richter und Günter Warmuth an der Eiger-Nordwand in den Tod. Das ist jetzt 40 Jahre her und trotzdem sind die vier bei Bergsteigern, Freunden und Verwandten unvergessen. Sie prägten über Jahre das Klettern im Elbsandstein, waren eine äußerst starke alpine Seilschaft.

Starke Charaktere

Fritz Eske (geb. 1934) lebte in Dresden und war Schornsteinfegermeister. Er verfügte über eine unbändige Kraft. Seine Ausstrahlung, sein Witz und freundliches Wesen machten ihn zu einem besonders sympathischen Bergkameraden. Günter Kalkbrenner – genannt „Kalki“ – wohnte ebenfalls in Dresden, und war absolut zuverlässig, hilfsbereit. Langlaufski – damals Mangelware – fertigte er für seine Trainingsgruppe ohne viel Worte nach Feierabend an. Große Reden waren sowieso nicht seine Stärke. Nur wenn andere ihn enttäuschten, konnte er laut werden. Kurt Richter (geb. 1937) lebte in Karl-Marx-Stadt, heute Chemnitz. Er hatte Maurer gelernt, seinen Meister gemacht, arbeitete als Sicherheitsinspektor. In dieser Funktion wirkte er auch bei schwierigen Touren. Da war er Organisator, führender Kopf. Auch in schwierigsten Situationen blieb er ruhig. Günter Warmuth (geb. 1942), genannt „Sputnik“, stand am Anfang seiner alpinen Laufbahn. Aber im Kaukasus und in den Julischen Alpen hatte er sein großes Talent bewiesen. Ausgezeichnete Kondition und Nervenstärke hatten ihn zum gleichberechtigten Partner in der Seilschaft gemacht. Außerdem – nicht unwesentlich bei Mehrtages-Touren – konnte er sehr gut kochen.

Alle vier begannen ihre Kletter-Karriere im Elbsandstein. Bald stiegen sie schwierigste Touren und standen in der DDR-Nationalmannschaft. Das ermöglichte Auslandsfahrten. Schwierigste Wände in der Hohen Tatra wurden im Winter gemeistert. Es folgten Touren im Kaukasus, in Jugoslawien, in den Julischen Alpen. Jeweils im Winter gelang die „Triglav Nordwand“, erstmals die „Spik Nordwand“, der „Aschenbrennerweg“ in der Nordwand des Travnik. Fachleute bewunderten die vier. Die Nordwand des Travnik war eine der schwierigsten Winterbesteigungen. Die 900 Höhenmeter der Wand dauerten sechs Tage. Kurt Richter sagte danach: „Viel mehr hätte nicht kommen dürfen.“

Ein Traum in den Alpen

Im Sommer 1967 erfüllte sich für die vier ein Traum. Sie „durften“ in die Schweiz. Irgendwie hatten die DDR-Sportchefs erkannt, dass ein alpines Spitzenteam herangewachsen war, das auch allerschwierigste Touren bewältigen kann. Mit dieser ersten großen Alpenfahrt seit Jahren, so hofften viele, könnte eine Tür aufgegangen sein. Vielleicht sogar bis zu Achttausendern, vielleicht nicht nur für die Auswahl...

Das erste Ziel des Teams war die Matterhorn-Nordwand. Trotz schlechter Verhältnisse gelang die Durchsteigung in 16 Stunden. Nun sollte es zur noch berühmteren Eiger-Nordwand gehen, eine Herausforderung für jeden guten Bergsteiger. Am frühen Morgen des 21. Juli stiegen die vier in die Wand ein. Anfangs gingen sie seilfrei über den gewaltigen Wandvorbau. Da Nebel aufzog, konnte der weitere Aufstieg nicht beobachtet werden. Später, als der Nebel einmal aufriss, waren keine Bergsteiger mehr in der Wand zu sehen. Steinschlag hatte sie in den Tod gerissen. Mit dieser Tragödie starben auch alle Hoffnungen der DDR-Bergsteiger auf weitere Kletter-Abenteuer im Westen.