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Freitag, 08.10.2004 100 Jahre Fechtsport in Görlitz

Talenteschmiede hofft auf bessere Zeiten

Von Christian Rißler

Görlitz erlebt in diesem Jahr ein wichtiges Jubiläum. Vor nunmehr hundert Jahren, genau am 25.Oktober 1904, gründeten zehn Sportfreunde des „alten Turnvereins“ ATB 1847 eine Fechtsportabteilung. In einer kleinen Serie soll zurückgeblickt werden (Teil 3).

Die politische Wende in der DDR hatte auch Konsequenzen für den Görlitzer Fechtsport. Die „FSG Aufbau Mitte“ wurde 1990 aufgelöst und als „Fechtsportverein Görlitz e.V.“ neu gegründet. Vorsitzender wurde Jürgen Riemann, der die Aufgaben des bis dahin tätigen Sektionsleiters Gerhard Heinrich übernahm. Schon sehr bald, im November 1990, wurde der „FeSV Görlitz“ Mitglied im Sächsischen Fechterverband und es folgten zehn Jahre, die zu den erfolgreichsten des Görlitzer Fechtsports zu zählen sind.

So konnte 1991 erstmals ein hauptamtlicher Trainer im Verein eingestellt werden. Unter dessen hartem, aber auch motivierendem Training machten die Fechtsportler schnell sehr gute Fortschritte. Nach 1992 zählte der „FeSV Görlitz e.V.“ durchschnittlich 180 aktive Mitglieder in den Abteilungen Fechten, Showtanz, Schwimmen, Handball sowie Sport und Spiel. Ein Zeichen dafür, dass der Verein im Sportleben der Stadt mittlerweile einen festen Platz einnahm. Bei der Umfrage zum populärsten Sportler des Jahres 1992 belegte Daniela Wünsche einen hervorragenden zweiten Platz. Im Jahr 1997 stand die Florettfechterin Madeleine Miehle sogar auf dem obersten Treppchen.

Die guten Platzierungen sowie die vielen Talente in verschiedenen Altersgruppen waren ausschlaggebend dafür, den „Fechtsportverein Görlitz“ von 1994 bis 2003 als Talente- und Landesleistungsstützpunkt anzuerkennen. Der „FeSV Görlitz“ entwickelte beachtliche Talente, wie zum Beispiel Doreen Häntzsch, Robert Scholz, Madeleine Miehle oder Juliane Kothe, die dazu beitrugen, dass viele sächsische Meistertitel in den Waffen Florett und Säbel erfochten werden konnten.

Da sich zur Jahrtausendwende die wirtschaftliche Situation verschlechterte und wegen der geburtenschwachen Jahrgänge die Anzahl der interessierten Kinder akut abnahm, war 1999 die Finanzierung des langjährigen Trainers leider nicht mehr möglich. Nach fast zehn Jahren erfolgreicher hauptamtlicher Tätigkeit verließ er den Verein. Guter Teamgeist war nun gefragt, denn die Aufgaben mussten neu verteilt und teilweise schmerzliche Entscheidungen bei der Reduzierung von Trainingseinheiten gefällt werden. In dieser Zeit bewährte sich der sehr gute Zusammenhalt der Görlitzer Fechtfamilie, die aber trotzdem schmerzliche personelle Abgänge zu verzeichnen hatte.

Im Jahr 2000 wechselte die erfolgreiche Säbelfechterin Doreen Häntsch nach Tauberbischoffsheim, um dort ihre sportliche Laufbahn unter der Anleitung von Spitzentrainern fortzusetzen. Auch Robert Scholz, Sebastian Thonig und Juliane Kothe wechselten später in Fechtleistungszentren.

Die aktuelle wirtschaftliche Situation in der Region stellt nun indes auch den „Fechtsportverein Görlitz“ vor große Probleme, der derzeit noch ungefähr 70 Mitglieder, davon 20 Fechter, hat. Beim Verein hofft man nun auf bessere Zeiten. Die Görlitzer Fechtsportfamilie wird jedenfalls alles daran setzen, die Fechtsport-Traditionen in Görlitz zu erhalten.

Morgen jedenfalls ist erst einmal feiern angesagt. Dann finden im Görlitzer City-Center die offiziellen Festlichkeiten zu „100 Jahre Fechtsport in Görlitz“ statt, bei denen man natürlich auf viele Besucher hofft. Von 11 bis 15 Uhr werden die Besucher des „CC“ deshalb das Spektakel historischer und moderner Fechtvorführungen erleben. Dazu gibt es einen Infostand, eine Modenschau und eine Aufführung der Showtanzgruppe des Vereins. Musikalisch umrahmt wird alles von der Görlitzer „Musikoase“.