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Montag, 02.06.2003 Generalprobe

Rau fühlt sich noch nicht wie ein Nationalspieler

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft hat ihre Generalprobe für das „Spiel des Jahres“ nach großen Anfangsschwierigkeiten noch erfolgreich über die Bühne gebracht. Im letzten Test vor dem schon vorentscheidenden EM-Qualifikationsspiel am Sonnabend gegen Schottland gelang dem Vizeweltmeister beim ersten Länderspiel in Wolfsburg gegen Kanada ein letztlich verdientes 4:1 (1:1).

Wolfsburg. Zwei Wochen nach seiner Verabschiedung hatte Tobias Rau gestern in Wolfsburg noch mal ein Heimspiel. Mit dem Einsatz in der Nationalmannschaft im Spiel gegen Kanada schied der 21-jährige künftige Bayern-Profi aber endgültig von seinem bisherigen Klub VfL. „Ich hatte eine fantastische Zeit hier. Etwas Schöneres als einen Abschied im Nationaltrikot hätte ich mir kaum vorstellen können“, erklärte der Mittelfeldspieler. Er sorgte mit seinem ersten Tor in der Nachspielzeit für den 4:1-Endstand.

Vor den Augen seiner Familie und vieler Freude ging für Rau damit ein erstes erfolgreiches Kapitel in der noch jungen Karriere zu Ende. „Ich nehme tolle Erinnerungen mit. Beim VfL habe ich mir einen Stammplatz in der Bundesliga erkämpft und bin Nationalspieler geworden. Jetzt freue ich mich auf die große Herausforderung in München.“ Eine Wohnung hat er in der bayerischen Landeshauptstadt schon gefunden. „Die Stadt ist wirklich toll. Und Bayern ist ein Traum“, so der Youngster, der beim Rekordmeister einmal die Position von Bixente Lizarazu einnehmen soll. Doch bei allem Ehrgeiz bleibt Rau Realist: „Keiner verlangt, dass ich ihn auf Anhieb verdränge. Ich hoffe erst mal auf ein paar Kurzeinsätze.“ So wie in der Nationalelf, in der er im Februar beim 1:3 gegen Spanien sein Debüt feierte. „Ich freue mich über jede Einladung vom DFB“, sagt Rau bescheiden. Seinen Aufstieg kann er kaum fassen: „Eigentlich fühle ich mich noch nicht richtig als Nationalspieler.“

Teamchef Rudi Völler lobt ihn in den höchsten Tönen

In Wolfsburg spielte der gebürtige Braunschweiger zwei Jahre. Trainer Wolfgang Wolf hielt von Beginn an große Stücke auf ihn und ließ den Linksfuß bereits in der ersten Saison häufig zum Einsatz kommen. Für Rau war es der Durchbruch, der Wechsel 2001 von Eintracht Braunschweig zu den „Wölfen“ ein „großes Glück“. Doch bei aller Zurückhaltung hat er sich den Erfolg vor allem selbst verdient. Teamchef Rudi Völler lobt Rau in den höchsten Tönen: „Tobias ist in jeder Hinsicht ein guter Junge. Für ihn war die Saison unglaublich – erst die Nationalmannschaft, jetzt der Wechsel zu Bayern. Ich bin überzeugt, dass er seinen Weg macht.“ Für den sympathischen Blondschopf, der nach seinem Abitur 2002 noch seinen Zivildienst ableisten musste, ist solch eine Anerkennung dennoch kein Grund, abzuheben. Seine Einstellung ist vorbildlich: „Als junger Spieler muss man sich zerreißen. Da muss man durch Leistung überzeugen, nicht durch Sprüche.“ Für seine Bodenständigkeit spricht auch, dass er sich neben dem Fußball ein zweites Standbein schaffen will. Sein Interesse gehört dem Sportmarketing, in dem er sich über ein Fernstudium weiterbilden will. Nur ein Ziel, das er einmal für seinen Steckbrief beim VfL formuliert hat, erreicht er wohl zumindest in den nächsten drei Jahren nicht: „Einmal drei Tore gegen Bayern München schießen.“ (sid)