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Montag, 31.12.2001

Jüngstes Springer-Trio mit jüngstem Manager

Gerd Siegmund hat Saison-Aufsteiger Hocke als Klient

Gerd Siegmund bietet heute jungen Skispringern, was er einst an ihrer Stelle selbst gerne gehabt hätte: die Betreuung durch einen Manager. Im zweiten Winter nach seinem Abschied von den Skisprungschanzen der Welt hat der 28-Jährige aus Neustadt/Sachsen in erstaunlicher Schnelligkeit die Fundamente für eine erfolgreiche berufliche Karriere gelegt. In der ARD mauserte er sich zum souveränen Fachkommentator für Skispringen, wird auch zum Olympiaaufgebot der Fernsehmacher in Salt Lake City gehören. Siegmunds andere Hauptbeschäftigung ist ein Ganzjahres-Job - seit dem Sommer ist er der Manager der deutschen Skispringer Michael Uhrmann, Jörg Ritzerfeld und Stephan Hocke.

Einstieg: Hilfe bei der Suche nach Sponsoren

Gerd Siegmund, in der Erfurter Werbeagentur "Viertakt" noch in der Marketing-Ausbildung, ist der Jüngste in dieser Berater-Branche, und er hat auch die jüngsten Klienten. Der 23-jährige Uhrmann aus Rastbüchl, Mannschafts-Weltmeister in Lahti 2001, ist schon der Routinier des Trios. "Michi fragte mich nach der WM, ob ich ihm helfen könnte, Sponsoren zu finden", schilderte Siegmund seinen Einstieg in dieses Geschäft. Das lief gut an, auch dank der Zusammenarbeit mit einer im Sport aktiven Brauerei.Als nächster kam Rainer Schmidt aus Oberhof mit dem gleichen Anliegen. Der Vierschanzen-Tournee-Gewinner von 1973 ist der Heimtrainer der beiden 18-jährigen Gymnasiasten Hocke und Ritzerfeld. Sie waren zwar in der Öffentlichkeit nahezu unbekannt, "aber ich weiß natürlich, dass sie ein großes Potenzial haben", sagte Siegmund zur Übernahme der "Namenlosen". Hockes kometenhafter Aufstieg in die Weltspitze in diesem Winter nützt natürlich auch Siegmunds Ruf im neuen Metier. Für den Österreicher Edi Federer, der neben seinem Landsmann Andreas Goldberger auch den polnischen Superstar Adam Malysz managt, ist "Siggi" schon ein gleichrangiger Kollege. "Der Sport hat Vorrang, denn die Leistung auf der Schanze entscheidet über den Marktwert der Springer und damit über viel oder wenig Geld." So lautet Siegmunds Maxime als Manager. Deshalb steht bei ihm nicht das schnelle Geld im Vordergrund, das durchaus zu verdienen wäre, wenn er beispielsweise jetzt Stephan Hocke in jeder Trainings- und Wettkampfpause von einer Autogramm-Stunde zur anderen hetzen würde. "Bei jungen Sportlern muss man schon aufpassen, dass die Leistung nicht abbricht, ihre Entwicklung nicht gestört wird. Reinhard Heß ist da genau der richtige Aufpasser", lobt Gerd Siegmund den deutschen Bundestrainer, bei dem er selbst zehn Jahre seiner Sportler-Karriere verbrachte. "Wir stimmen alles ab, denn es wird auch versucht, uns gegeneinander auszuspielen. Wenn ich einen Interview- oder PR-Terminwunsch für einen meiner Sportler ablehne, wird anschließend meistens beim Bundestrainer ein zweiter Versuch gestartet", schildert Siegmund Praktiken in seiner neuen Umwelt.

Neuer Platz hinter den Werbe-Banden

Bei Top-Veranstaltungen wie der Vierschanzen-Tournee sei es besonders schlimm. Um den Draht zu Sportlern, Trainern und Sponsoren so kurz wie möglich zu halten, hat sich Gerd Siegmund wie all die Jahre zuvor wieder in den Tournee-Tross eingereiht. Allerdings auf einem neuen Platz, hinter den Werbebanden im Schanzenauslauf. Die Seite der Springer, zu denen der Mannschafts-Vizeweltmeister lange Zeit gehörte, meidet er bewusst: "In sportliche Belange mische ich mich nicht ein, die sind bei den Trainern gut aufgehoben." (SZ/uw)