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Samstag, 29.12.2001

Fußball-Torfrau jagt dem Puck hinterher

Von Dorothea Jantschke

Kathrin Lehmann ist Doppel-Nationalspielerin

München. Wenn Kathrin Lehmann die Wohnung verlässt, besteht schon mal Verwechslungsgefahr. Bis zu fünf Taschen stehen griffbereit im Flur. In der einen ist alles, was die Torfrau zum Fußball spielen braucht, eine weitere enthält ihre Eishockey-Ausrüstung. Außerdem gibt es noch einige Koffer, die sie immer fertig gepackt bereit hält. "Ich bin andauernd unterwegs. Eigentlich packe ich nie aus", erzählt sie. Drei Abende in der Woche Fußballtraining, einmal Eishockey und Punktspiele am Sonnabend und Sonntag machen jede Minute Freizeit für die Schweizer Allrounderin zu einer Kostbarkeit. Während andere Frauen um die 20 noch nicht einmal über Berufswahl nachdenken, hat die 21 Jahre alte Schweizerin schon zwei Jobs und damit die Qual der Wahl. Sie ist die Nummer eins im Tor des Fußball-Bundesligisten FC Bayern München und stürmt für den TV Kornwestheim in der Eishockey-Bundesliga. Außerdem ist die Vollblutsportlerin fester Bestandteil der Eishockey- sowie Fußball-Nationalmannschaft der Schweiz. Aber damit noch nicht genug: In den Stunden zwischen Eislaufen und Fußballspielen studiert Lehmann Neue Deutsche Literatur an der Universität München. "Es sind verschiedene Welten, aber ich brauche die eine, um in der anderen gut zu sein", erklärt sie den Vorteil des wöchentlichen Marathons. Beim Eishockey erholt sie sich vom Fußball und umgekehrt, erklärt die junge Frau aus dem Schweizer Küsnacht bei Zürich. Im Fußball-Tor entscheide die mentale Stärke. Übers Eis zu stürmen, entspreche mehr ihrem temperamentvollen Wesen. "Da kann ich mich abreagieren und die überschüssige Energie loswerden." Einen Riesenvorteil hat das Pendeln zwischen den Sportarten allemal. Zwischen den Pfosten könne sie Spielzüge des Gegners schon früh erkennen und darauf entsprechend reagieren. "Aber manchmal ist es eine Qual für mich, im Tor zu stehen und nicht eingreifen zu können." Kathrins Eltern sind beide Sportlehrer. Mit vier Jahren nahm sie die Mutter zum ersten Mal mit aufs Eis. So konnte sie die Kleine während der Arbeit im Auge behalten. Die beiden älteren Brüder brachten ihr wenig später das Fußballspielen bei. Nachdem sie jahrelang in einer Jungenmannschaft im Angriff gespielt hatte, stand sie mit 13 zum ersten Mal zwischen den Pfosten.

Wechsel von Potsdam zum FC Bayern München

Seit dem Beginn ihrer Fußball-Karriere, zuerst bei Turbine Potsdam und seit dieser Saison beim FC Bayern München, ist ihr Ziel das DFB-Pokalfinale im Berliner Olympiastadion. Damit hat es sich in dieser Saison für die Bayern-Frauen allerdings erledigt. "Mein größter Traum ist eine Verpflichtung in der US-amerikanischen Soccer-Profiliga", erzählt Lehmann. Leider dürfen in den USA nur vier Ausländerinnen pro Verein verpflichtet werden. "Da werden natürlich lieber Feld-Spielerinnen genommen", sagt sie. Kein Grund zum Trauern. Der Vorteil, den die Vielseitigkeit mit sich bringt, ist die Auswahl. Wahr werden könnte daher Ziel Nummer drei: Die Teilnahme an den Olympischen Winterspielen 2006 im italienischen Piemont mit den Schweizer Eishockey-Frauen. (dpa)