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Samstag, 23.12.2000

Eilenburgs Skispringer brauchen keinen Schnee

Von Jeroen van der Hoef

Eilenburg. Garmisch-Partenkirchen oder Oberhof stellen für die Eilenburger Sprungschanze sicherlich keine Konkurrenz dar. Dennoch sind die Sachsen ganz stolz auf ihre Anlage. Immerhin können sie einige Superlative anwenden: Sie ist Deutschlands größte und älteste Flachlandschanze, auch wenn der kritische Punkt nur bei 35 Metern liegt. Das Wahrzeichen der Stadt mit knapp 20 000 Einwohnern erscheint erst jetzt im alten Glanz. 1995 wurde die marode Anlage am Lehmberg geschlossen. Die Sicherheit war nicht mehr gewährleistet und Geld fehlte an allen Ecken und Enden. Der ansässige Sportverein Lokomotive Eilenburg startete einen Notruf und gründete drei Jahre später einen Förderverein. Olympiasieger Jens Weißflog übernahm das Amt des Ehrenpräsidenten und lockte dadurch zahlungskräftige Sponsoren an.Da die flache Eilenburger Gegend nicht gerade für Winterlandschaften berühmt ist, wurden an der neuen Anlage Kunststoffmatten favorisiert. Die Anlaufspur wurde aus tschechischem Porzellan gefertigt. "Schnee können wir überhaupt nicht gebrauchen", betonte Lok-Schatzmeister Werner Tauchnitz. Wenn es vor einem Springen geschneit hat, wird die weiße Pracht herausgekehrt. Deswegen werden Veranstaltungen besonders bei sommerlichen Temperaturen bevorzugt. Die Skisprung-Tradition geht bis in 30er Jahre zurück, als Max Meixner, ein zugewanderter Sudetendeutscher, an der Weltmeisterschaft in Zakopane teilgenommen hatte. Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg begeisterte er die Einwohner mit dem Plan einer Schanze. Bruder Ernst, Architekt von Beruf, krempelte mit einigen Enthusiasten die Ärmel hoch und begann mit dem Unterfangen Flachlandschanze im 17 Kilometer entfernten Hohburg. Doch wegen der Distanz bevorzugten die etwa 25 Skispringer eine Eilenburger Anlage, die nach sechsmonatiger Bauzeit am 9. November 1958 fertig gestellt wurde. So schafften Joachim Petzold und Karsten Wießner den Sprung in die DDR-Nationalmannschaft. (dpa)