erweiterte Suche
Montag, 07.01.2008

14-Jähriger stirbt nach Trainingssturz

In Oberstdorf ereignet sich eine Tragödie mit einem Nachwuchsspringer aus den Niederlanden.

Von Lars Becker

Oberstdorf. Der tragische Todesfall des erst 14 Jahre alten Skispringers Jermo Ribbers hat seine Gefährten in Oberstdorf in tiefe Trauer gestürzt und beim Finale der Vierschanzentournee große Betroffenheit ausgelöst. „Das ist eine Katastrophe für die Familie. Ich bin fassungslos“, sagte Walter Hofer, der Skisprung-Chef des Internationalen Skiverbandes (FIS).

Einen Todesfall im Skispringen hatte es zuletzt vor mehr als 20 Jahren gegeben. Das deutsche Nationalteam um Vorflieger Michael Neumayer war am Sonnabend in Bischofshofen von den Trainern informiert worden. „Alle waren geschockt, dass da ein Junge umkommt, der das Leben noch vor sich hat“, sagte Co-Bundestrainer Henry Glass. Der Nachwuchsathlet aus den Niederlanden war nur fünf Tage nach dem Tourneespringen an gleicher Stelle am Freitagnachmittag um 15.30 Uhr im Training auf der 60-Meter-Schanze tödlich verunglückt. „Der Sturz war nach Augenzeugenberichten mit dem von Andreas Kofler bei der Tournee vergleichbar“, sagte Stefan Huber, Geschäftsführer der Oberstdorfer Skisport-Veranstaltungs-GmbH. Während der österreichische Team-Olympiasieger am 30. Dezember Prellungen erlitt, kam für Ribbers jede Hilfe zu spät. Bei nach Polizeiermittlungen optimaler Präparierung und perfekten äußeren Bedingungen war der Jugendliche bei der Landung schwer gestürzt, zweimal gegen die Bande geprallt und bewusstlos im Auslauf liegengeblieben: „Es wurde sofort erste Hilfe geleistet, es gab Reanimationsmaßnahmen, aber der Sportler ist im Krankenhaus in Oberstdorf gestorben. Oberstdorf ist geschockt“, sagte Huber.

Ribbers, der sich nach Angaben seiner Familie seit Jahren dem Skispringen verschrieben hatte und bis zum Sturz in diesem Sommer schon 100 Sprünge absolviert hatte, war seit einem halben Jahr als Gastschüler im Oberstdorfer Sportinternat. Seine etwa 25 Mitschüler reagierten fassungslos, am Wochenende wurde das Training abgesagt. „Es gab vor Ort gute Unterstützung von Polizei und Bergwacht. Aber da gibt es jetzt viel zu besprechen, damit sie ihren Sport weiter ausüben können“, meinte Huber: „Es wird natürlich psychologische Unterstützung geben, denn es sind Ängste da.“ Trainer Stefan Pieper vom Stützpunkt Oberstdorf hatte die Sprungeinheit geleitet: „Wir sind tief betroffen. Unsere Anteilnahme gilt den Eltern und Angehörigen von Jermo Ribbers.“

Laut Glass hatte es den letzten Todesfall im Skispringen Anfang der 80er Jahre gegeben, als ein Nachwuchsspringer in Oberwiesenthal das Leben verlor. 1975 bei den finnischen Skispielen in Lahti kam laut Glass der bundesdeutsche Springer Toni Angerer ums Leben, der noch in der eisigen Spur auf dem Anlaufturm stürzte und mit dem Rücken auf eine unterhalb des Schanzentisches stehende Präparierungsmaschine stürzte. Glass war damals mit als Erster am Unfallort: „Ich habe noch versucht, ihn wiederzubeleben, aber er war schon klinisch tot.“ (sid)