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Freitag, 18.06.2004 Radsport

Pedalritter rasen seit 1920 rund um die Landeskrone

Wenn am Sonntag zum 69. Mal der Radklassiker „Rund um die Landeskrone“ die Görlitzer Radsportfreunde in seinen Bann zieht, dann wird auch wieder Jürgen Schmidt ganz in seinem Element sein. Er ist Drahtzieher dieser Veranstaltung und das über viele Jahre und über manche organisatorische Klippe hinweg.

Als aktiver Radsportler von 1957 bis 1961 war er bei der damaligen BSG Post Görlitz keine Leuchte, aber spätestens mit seinem Einstand als Übungsleiter bei der BSG Lokomotive Görlitz reifte er zu einem fachkompetenten Radsportfunktionär, der mit viel Fleiß, Ausdauer und Organisationstalent so manches Radsportrennen von nationaler Bedeutung nach Görlitz holte. Zum Beispiel den Deutschlandcup für Senioren. Jürgen Schmidt gehörte bei 16 Friedensfahrten zum Organisationsstab und ist mit Radsportlegenden wie Täve Schur, Klaus Ampler, oder Olaf Ludwig per du.

Seine Leidenschaft sind die Straßenrennen und so gehörte er zu den Leuten, die 1971 das erste Görlitzer Straßenkriterium „Rund um die Goethestraße“ mit aus der Taufe gehoben haben. Natürlich ist der Klassiker „Rund um die Landeskrone“ sein Baby geblieben. 1920 wurde es zum ersten Mal gestartet und erlebte nach jahrelangen Unterbrechungen 1975 sein Comeback.

Seitdem bereichert es jedes Jahr (außer 2002) den Veranstaltungskalender der Neißestadt. Elf Monate dauert die Vorbereitung für solch einen Wettkampf, weil der bürokratische Aufwand, aber auch die finanzielle und technische Sicherstellung nicht im Handumdrehen zu bewältigen sind.

DDR-Meister Martin Goetze vier Mal vorn

Doch Jürgen Schmidt hat sich als Cheforganisator in all den Jahren immer wieder neu motivieren können, weil der Radklassiker neben bekannten nationalen Radsportgrößen auch erfolgreiche Görlitzer Pedalritter hervor brachte. Zum Beispiel Thoralf Klätschke, Joachim Kramer, Bernd Heyne oder Michael Klette. Blättert man in den Wettkampfprotokollen, um den erfolgreichsten Teilnehmer dieses Radklassikers zu ermitteln, stößt man auf den Namen Martin Goetze. Viermal konnte der mehrfache DDR-Meister aus Leipzig hier schon gewinnen und als Stammgast hat er sich bei seinen acht Teilnahmen in Görlitz immer sehr wohl gefühlt.

Obwohl es wegen finanzieller Engpässe zunehmend schwieriger wird, das Traditionsrennen mit seinem anspruchsvollen Rundkurs ohne Niveauverlust zu realisieren, steht Jürgen Schmidt auch an diesem Wochenende für den Postsportverein Görlitz wieder an vorderster Front.

Schließlich wollen er und seine Mitarbeiter den Ruf eines hervorragenden Gastgebers verteidigen. Das bedeutet auf ehrenamtlicher Basis immer eine ganze Menge Idealismus. Die Stadt tut sich schwer mit ihrem Lokalpatriotismus für dieses Rennen und leider wird der ganze Vorbereitungsstress nicht mehr mit dem erhofften Publikumsinteresse belohnt. Immer weniger Zuschauer säumen die Strecke und das hat solch eine, auch überregional bedeutende Veranstaltung, einfach nicht verdient. Deshalb hofft der Veranstalter, Postsportverein Görlitz, das dieses Mal mehr Zuschauer die Pedalritter anfeuern. (ff)