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Mittwoch, 04.04.2018

Peter Escher auf den Spuren der Verlorenen

Der Moderator unterstützt die Interessengemeinschaft gestohlener Kinder der DDR – und sucht im Landkreis Meißen.

Von Catharina Karlshaus

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Ein ernstes Thema, was den deutschlandweit bekannten TV-Detektiv seit Monaten beschäftigt: Moderator Peter Escher – bekannt dafür, Menschen in Not zu helfen und heiße Eisen anzupacken – engagiert sich für die Interessengemeinschaft gestohlener Kinder der DDR. Nun führte ihn die Suche nach einer leiblichen Mutter in den Landkreis.
Ein ernstes Thema, was den deutschlandweit bekannten TV-Detektiv seit Monaten beschäftigt: Moderator Peter Escher – bekannt dafür, Menschen in Not zu helfen und heiße Eisen anzupacken – engagiert sich für die Interessengemeinschaft gestohlener Kinder der DDR. Nun führte ihn die Suche nach einer leiblichen Mutter in den Landkreis.

© Kristin Richter

Großenhain. Jetzt ist es soweit. Nun geht es endlich los. Am 4. April werden Andreas Laake und seine Mitstreiter nach Berlin aufbrechen. Um 8.30 Uhr starten der Vorsitzende der „Interessengemeinschaft gestohlener Kinder der DDR“ und all die anderen Frauen und Männer von der Dresdner Dreikönigskirche aus zu ihrer „Fahrt für Gerechtigkeit“. Denn diese soll ihnen nach all den Jahren des Leidens, nach den vielen quälenden Momenten in ihrem Leben endlich widerfahren. „In unserer Petition, die wir dann am Freitag im Bundestag übergeben werden, fordern wir nicht nur die Verlängerung der Aufbewahrungsfristen der betreffenden Akten. Wir setzen uns unter anderem auch für die Aufhebung unrechtmäßig erfolgter Adoptionen und eine staatliche Clearingstelle ein“, sagt Andreas Laake im SZ-Gespräch.

Der 57-Jährige weiß nur allzu gut, wovon er spricht. Mehr noch. Der Leipziger ist längst zum namentlichen Inbegriff der Gemeinschaft geworden. Er, der schon als Junge irgendwie so ganz anders ist als seine Klassenkameraden. Er, der seine Nachmittage weder in der Pionierorganisation noch in der Freien Deutschen Jugend (FDJ) verbringen möchte. Andreas Laake, der mit 23 Jahren zusammen mit seiner schwangeren Frau im Schlauchboot auf die Ostsee hinaus paddelt. Der Kutter, der sie bei der Flucht in den Westen unterstützen soll, ist schon zu sehen.

Doch – zu spät. Die beiden jungen Leute werden geschnappt. Nach der Verhaftung durch den Grenzschutz der DDR wird er zu vier Jahren und sieben Monaten Haft verurteilt. Seine Frau, welche mit einer Bewährungsstrafe davon kommt, bricht jegliche Verbindungen zu ihm ab. Dass sie ihren gemeinsamen Sohn gesund zur Welt gebracht hat, erfährt er trotzdem. Marko heißt das Kind, welches er nur von einem Foto kennt. Ein gesundes Kind, nachdem er sich künftig bis zum Wiedersehen 2013 sehnen würde. Das Verfahren zur Aberkennung der Vaterschaft, welches die Behörden alsbald einleiteten, macht Marko zum Adoptivkind und seinen Vater fortan zum verzweifelt Hoffenden.

Nach der Wende begibt sich Andreas Laake auf die Suche nach seinem Sohn und stößt genau an jene Grenzen des bundesdeutschen Datenschutzes, die von der Interessengemeinschaft eingerissen werden sollen. Immerhin: Über 1 500 Mitglieder hat die Organisation mittlerweile. Und jeden Tag werden es drei bis fünf mehr.

Mütter, Väter, Töchter, Söhne, Schwestern und Brüder, denen er gern helfen will. Fernsehmoderator Peter Escher – bundesweit seit vielen Jahren als Verbraucherexperte und Retter in der Not tätig – hat sich bereits vor einigen Monaten in die Suche eingeschaltet. Mit seinen Kontakten zu Detekteien und Anwälten will der 63-jährige Journalist dem Zusammenschluss von Eltern, deren Kinder in der ehemaligen DDR zwangsadoptiert, für tot erklärt oder spurlos verschwunden sind, prominenten Rückenwind geben. „Ich weiß, dass die Suche den betroffenen Menschen emotional und kräftemäßig alles abverlangt. Sie tragen manchmal ein scheinbar unglaubliches Schicksal mit sich herum und verfügen teilweise gar nicht über die finanziellen Mittel, selbst fündig zu werden“, erzählt Peter Escher.

Müttern, die gesunde Kinder geboren hätten, wäre beispielsweise wenig später erzählt worden, die Kleinen seien plötzlich verstorben. Andere Eltern berichteten von Erpressungen aus politischen Gründen, die mit der Herausgabe des geliebten Nachwuchses endeten. „Bis heute ist davon auszugehen, dass Eltern, die als nicht linientreu galten, ihrer Kinder beraubt wurden. Auch fast drei Jahrzehnte nach der Wende kämpfen diese Eltern noch immer um Aufklärung“, weiß Peter Escher. Erst im Februar habe er eine Veranstaltung zum Thema „Aufarbeitung von DDR-Unrecht – Zwangsadoption und Säuglingstod“ in Dresden moderiert und sei deshalb auch von Betroffenen um Unterstützung gebeten worden.

Ein Hilferuf, der Peter Escher dieser Tage in den Landkreis Meißen führte. Möglicherweise rund um Großenhain verliert sich die Spur einer Mutter, die 1977 im Radebeuler Krankenhaus einen Sohn namens Robert zur Welt gebracht hat. Der Mann, der sich selbst nur als Ronny kennt und erst kurz vor seiner eigenen Hochzeit erfahren musste, dass er adoptiert worden ist, möchte endlich die fehlenden Puzzleteile seines 40-jährigen Lebens zusammensetzen. Bleibt zu hoffen, dass Peter Escher ihm dabei helfen kann. Die Sächsische Zeitung wird ihn auf seiner Suche begleiten.

Wer ein gleichgeartetes Problem hat, kann sich an die Sächsische Zeitung Großenhain mit an [email protected] oder Peter Escher, www.moneycheck.de wenden.

Leser-Kommentare

Insgesamt 2 Kommentare

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  1. Ali B.

    "Gestohlene Kinder" - das BRD-Regime lässt aber auch gar nichts anbrennen. Fakt ist: es gab keine einzige unberechtigte Adoption. Alles andere ist nur Lüge.

  2. Roba

    1) Ali weiß Alles und Nichts. 2) In einem wechselhaften Berufsleben muß man sich immer wieder etwas Neues einfallen lassen; Skepsis sollte indes oberstes Gebot sein bzw. bleiben, wenn man den Namen Peter Escher hört oder liest.

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