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Freitag, 23.02.2018

Panne am Nordpol bringt sibirische Kälte nach Sachsen

Erst kurz vorm Frühlingsbeginn kommt der Winter mit seinen kältesten Tagen. Bis Ende nächster Woche wird es eisig. Die kalte Luft kommt direkt aus dem Eisschrank der Nordhalbkugel: vom Nordpol.

Von Stephan Schön

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Bei tiefen Minusgraden könnte auch die Elbe in Dresden ein wenig anfrieren.
Bei tiefen Minusgraden könnte auch die Elbe in Dresden ein wenig anfrieren.

© Sebastian Kahnert/dpa

Dresden. Endlich Winter! Kurz vor dem meteorologischen Frühlingsbeginn am 1. März holt er in den kommenden Tagen nach, was er bisher versäumt hat. Ganz Mitteleuropa friert noch mal richtig ein. Dazu bedarf es zu dieser Jahreszeit schon ganz ordentlicher Mengen an kalter Luft. Die kommt direkt vom Nordpol - und ist nicht nur kalt, sondern eisig.

Mindestens zehn Grad Minus werden in den Nächten zum Montag und zum Dienstag erwartet. Tagsüber taut das Land auch nicht mehr auf. Beim Blick auf die Wetterkarten und Prognosen wird ziemlich schnell klar, das bleibt erst einmal so. „Bis kommenden Freitag ändert sich daran nicht viel“, sagt Sebastian Balders, Meteorologe beim Deutschen Wetterdienst in Leipzig.

Im Gebirge rechnet er nachts mit minus 15 Grad, in Mulden und bei Windstille auch mit deutlich unter minus 20 Grad. Schnee allerdings wird es nur wenig geben, ab und zu mal einen Schauer, vor allem kommende Woche dann. An der Ostsee indes erwarten die Meteorologen bis zu 20 Zentimeter Neuschnee am Wochenende.

Für Sachsen indes zeigt sich ein ziemlich einheitliches Bild: Ob nun Görlitz, Dresden oder Leipzig, diesmal ist die Kaltluftmasse so groß, dass es da keinen Unterschied gibt. Ob strenger Frost oder extrem strenger Frost auftritt, das entscheidet allein die Höhe und die Topografie. Vor allem Senken und Tallagen werden wohl nach dem Wochenende zu regelrechten Kältefallen.

Wind, der eigentlich die Kälte noch viel stärker spüren lässt, verhindert aber erst einmal wirklich heftige Fröste. Mit an die zwanzig Stundenkilometer bläst er die Kältelöcher frei. Gefühlt allerdings verschärft er den Frost. Man nennt diesen Effekt Windchill- oder auch Windabkühlungseffekt. Die Windchill-Temperatur ist diejenige Lufttemperatur, die ohne Wind den gleichen Abkühlungseffekt hätte. Weht bei einer Temperatur von 0 Grad ein mäßiger Wind um 25 Stundenkilometer, so kommt einem die Temperatur wie minus 6 Grad vor. Bei minus 10 Grad sind es schon minus 19 Grad.

Ursache für die Frostperiode ist eine Panne am Nordpol. In der Arktis gibt es derzeit einen regelrechten Kaltluftausbruch. Die normalerweise vorhandenen Luftmassen als Barrieren sind gestört. Bedingt durch die viel höheren Temperaturen als üblich ist der gegen den Uhrzeigersinn um die Arktis strömende Polar-Jet in 20 bis 25 Kilometern Höhe verändert. Letztlich führt dies dazu, dass eiskalte Luftmassen bis weit in den Süden vorstoßen können. Mit dieser östlichen Strömung gelangt die Kaltluft schließlich auch nach Deutschland. In der Höhe kommt die Luft derzeit direkt aus Norden, am Boden aus Nordost zu uns, sagt DWD-Meteorologe Balders. Wir bekommen sibirische Luft mit annähernd sibirischer Kälte.

Der Effekt, den Balders beschreibt, wird mit dem Strömungsfilm, den am Freitag der private Wetterdienst Kachelmannwetter twitterte, gut illustriert. Zu sehen ist, wie sich in den kommenden Tagen aus Sibirien tief violett eingefärbte Flächen in Richtung Mitteleuropa schieben und ausbreiten. Und violett bedeutet auf Wetterkarten in der Regel: eiskalt!

Ähnliche Bedingungen wurden auch im Januar und Februar 2013 beobachtet. Damals trat sogar zweimal dieses Phänomen auf. Am Ende gab es einen eisigen März. Grundsätzlich handelt es sich bei dem jetzigen Phänomen eigentlich um ein kurzzeitiges Ereignis. Der sehr plötzlichen starken Erwärmung der hohen Luftmassen im Norden folgt meistens auch wieder eine sehr schnelle starke Abkühlung. Was den Weg für die feuchten und wärmeren Luftmassen aus dem Westen zu uns herüber wieder freimacht.

Ob der Kälteeinbruch derzeit der Auftakt zu einer längeren frostigen Periode ist oder doch nur eine kurze hochwinterliche Episode von etwa einer Woche, können die DWD-Meteorologen jedenfalls noch nicht sagen. Soweit ihre Prognosen aber reichen, bleibt es eisig. Und dann wäre auch schon März.

Leser-Kommentare

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Insgesamt 18 Kommentare

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  1. Herr Frosch

    soviel zu Thema Klimaerwärmung ...!?

  2. Aufwachen!

    HAARP..... ;-)

  3. Anton

    Welch Sensation:Im Februar minus 10 Grad und vllt.noch etwas kälter....Das ist Journalismus vom feinsten.

  4. Tropoja

    ...Montag 01.04.1996, 10 cm Schnee, -15 Grad in Ostsachsen(kein nachträglicher Aprilscherz). Bitte nicht im Februar von "Kälteeinbruch" schreiben. Alles normal.

  5. f.weber

    was für eine sensation - das klima ändert sich jeden tag - liebe sz. bewirbt doch lieber den film des atmosphärenpysikers Henryk Svensmark. das geheimnis der wolken. und unsere öko heinis wollen die klimarettung nur zum gelddrucken gegen den kleinen bürger machen. ich bin kein klimaskeptiker, jedoch zerstört das geldsystem wachstum wachstum - zinseszins unseren planet erde.

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