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Donnerstag, 15.03.2018

Opferberatung zählt weniger rechte Angriffe

Von Thilo Alexe

Dresden. Die Statistik ist eindeutig: Die Opferberatung für Betroffene rechter Gewalt RAA hat für das vergangene Jahr 229 Angriffe in Sachsen registriert. Das entspricht einem Rückgang um fast die Hälfte. 2016 verzeichnete RAA 437 rechtsmotivierte Gewalttaten. Geschäftsführer Robert Kusche und Beraterin Suene Dantas führten mehrere Gründe dafür an. So gebe es weniger Sammelunterkünfte für Asylbewerber. Damit entfallen nicht nur Protestorte. Sozialarbeiter in den Heimen zählen oft zu denen, die Übergriffe melden. Bei dezentraler Unterbringung kommt das seltener vor.

Zudem ist die Zahl ankommender Asylbewerber rückläufig. „Die Aufgeregtheit ist ein Stück weit weg“, sagte Kusche bei der Vorstellung der Daten am Mittwoch. Er sieht die Prozesse zur Gruppe Freital und der Freien Kameradschaft Dresden als weiteren Grund für die Zurückhaltung der rechtsextremen Szene. Dennoch könne sie Gewalt anwenden, wie etwa Ausschreitungen in Wurzen zum Jahresbeginn zeigten. Nach Kusches Ansicht organisiert sich die Szene in Sachsen derzeit neu.

Zu den Angriffen, die RAA für 2017 erfasst hat, zählen 167 Körperverletzungen. Dazu kommen 48 Fälle von Nötigungen und Bedrohungen sowie neun Brandstiftungen. RAA wertet Polizeiberichte und Landtagsanfragen zu rechter Gewalt aus. Zudem ist der Kontakt zu Betroffenen wichtig. Deren Wahrnehmung ist ausschlaggebend für die Arbeit der Berater.

Der Großteil der Angriffe (162) war nach RAA-Erkenntnis rassistisch motiviert. Ein deutlich kleinerer Teil (32) richtete sich gegen politische Gegner. Ähnlich viele Delikte wurde „aus anderen menschenverachtenden Motiven“ begangen. Kusche zufolge ist in allen Ost-Ländern und Berlin die Zahl der von den jeweiligen RAA-Büros erfassten Angriffe rückläufig. Eine Anfrage der Linkenabgeordneten Kerstin Köditz bestätigt diesen Trend für Sachsen – dennoch gab es 72 Verletzte. Ein Phänomen, mit dem sich die Berater konfrontiert sehen, ist Alltagsrassismus. Bereits in Schulen werden, wie Dantas sagte, fremdländisch aussehende Kinder beleidigt – von Mitschülern, aber auch von Lehrern. Auch in solchen Fällen hilft die von Bund und Land geförderte Einrichtung. Sie betreut zudem den Imam, auf dessen Moschee in Dresden 2016 ein Anschlag verübt worden war.

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