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Mehr antisemitische Straftaten in Sachsen

05.03.2018

Dresden. Die Zahl antisemitischer Straftaten hat im vergangenen Jahr in Sachsen um fast ein Drittel zugenommen. Insgesamt wurden 118 solcher Fälle gezählt, wie eine Auswertung der monatlichen Anfragen der Extremismusexpertin der Linksfraktion, Kerstin Köditz, beim Innenministerium ergab.

2016 seien es noch 90 Fälle gewesen; das langjährige Mittel liege bei 85 Fällen pro Jahr. „Unter den festgestellten Delikten sind zahlreiche Propaganda-Taten, zum Beispiel Volksverhetzungen, aber auch 11 Sachbeschädigungen und 3 Körperverletzungen“, meinte Köditz. Fast immer kamen die Täter aus dem rechten Spektrum.

„Außerdem gibt es klare Hochburgen.“ So führe Dresden das Negativranking mit 24 Fällen vor Nordsachsen (18) und Leipzig (17) an. „Bezogen auf die Einwohnerzahl sind die Städte Chemnitz und Dresden weit vorn - vor allem aber Nordsachsen, wo die Fallbelastung das Dreifache des landesweiten Durchschnitts beträgt“, erläuterte Köditz.

Positiv sei zu vermerken, dass an sächsischen Gerichten im vergangenen Jahr mit 25 antisemitische Taten mehr Fälle abgeurteilt wurden als im Vorjahr. „Allerdings genügt das nicht, um den Antisemitismus wirksam und nachhaltig zu bekämpfen. Für Judenhass gibt es keine Entschuldigung“, meinte Köditz und forderte die Schaffung eines Antisemitismus-Beauftragten. (dpa)