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Dienstag, 27.02.2018

Luther sorgt weiter für Schlagzeilen

Nach seiner Winterpause in Oderwitz ist der Storch nun in Neschwitz. Auch dort wird der Vogel liebevoll umsorgt.

Von Mario Sefrin

Da stakste er noch über die Wiesen rund um Oderwitz, der Storch Luther. Mittlerweile hat er sein bisheriges Winterquartier in der Landwasser-gemeinde verlassen und sich bei Neschwitz bei Bautzen niedergelassen. Auch dort wird er von Vogelfreunden im Auge behalten und versorgt.
Da stakste er noch über die Wiesen rund um Oderwitz, der Storch Luther. Mittlerweile hat er sein bisheriges Winterquartier in der Landwasser-gemeinde verlassen und sich bei Neschwitz bei Bautzen niedergelassen. Auch dort wird er von Vogelfreunden im Auge behalten und versorgt.

© Annett Paul

Wo ist Luther? Das hat sich in den vergangenen Tagen nicht nur Kerstin Titzler mehrfach gefragt. Die Oderwitzerin hat sich schließlich seit mehreren Monaten um Storch „Luther“ gesorgt – wie viele andere Menschen auch. Kerstin Titzler aber wohl ein wenig mehr als andere. Zum einen, weil sie in der Nähe von Luthers bisherigem Winterquartier in Oderwitz, dem Schornstein einer alten Färberei, wohnt. Vor allem aber, weil sich die Erzieherin der Oderwitzer Kindertagesstätte „Knirpsenland“ in den vergangenen Wochen gemeinsam mit den Kindern ausgiebig mit Storch Luther beschäftigt hat.

Zum letzten Mal gesehen hat Kerstin Titzler den Storch vor etwa zwei Wochen. Danach war er nicht mehr da. „Ich habe vermutet, Luther sitzt wegen der Kälte in seinem Horst und kommt nicht mehr raus“, erzählt Kerstin Titzler. Doch da war Luther wahrscheinlich längst weg: Er hat sein Winterquartier verlassen und sich auf die Reise westwärts gemacht. „Luther ist jetzt in Luga, einem Ortsteil von Neschwitz bei Bautzen“, sagt Petra Meyer. Sie betreut die Internetseite des Storchenhofs Vogelschutzwarte Loburg in Sachsen-Anhalt. Dort kennt man den Storch seit knapp zwei Jahren, hat sich um ihn gekümmert, als er nach einer Schussverletzung nicht mehr fliegen konnte, ihn gesund gepflegt und schließlich im Frühjahr 2017 wieder ausgewildert. Der Storch war in einem Dorf in der Nähe der Lutherstadt Wittenberg gefunden worden, woher auch der Name „Luther“ kommt.

Als der Vogel dann im Herbst des vergangenen Jahres losflog und sich auf seine große Reise machte, da glaubte man im Storchenhof Loburg, dass ihn sein Weg nach Süden führt. Doch der Storch Luther dachte überhaupt gar nicht daran: Bereits im Oktober bezog er den Horst auf dem Oderwitzer Schornstein und war seitdem dort nicht mehr wegzubekommen. Seitdem war die Anteilnahme am Schicksal des unbekannten Storches im Ort groß, nicht nur die „Knirpsenland“-Kinder sahen regelmäßig nach dem Vogel.

Nun hat Luther seinen Beobachtern also ein neues Schnippchen geschlagen. Dass er ein besonderer Vogel ist, hat der Storch aber auch in Luga unter Beweis gestellt. „Dort stand er vor knapp zwei Wochen vor der Haustür eines Ornithologen und bettelte um Futter“, berichtet Andreas Baumgärtel. Der Hobby-Ornithologe und Storchenfreund aus Brohna bei Bautzen war es auch gewesen, der Luther in Oderwitz anhand seiner Ringnummer identifizierte und so das Rätsel um den unbekannten Storch gelöst hat. Baumgärtel weiß darum auch, wie es Luther heute geht: „Er wird von Rüdiger Schöpke versorgt. Dieser holt Futter von der Naturschutzstation Neschwitz und bringt es dem Storch.“ Mit solch einer Pflege sollte Luther auch über die derzeit harten Wintertage kommen. „Solange Luther zu fressen hat, macht ihm die Kälte nichts aus“, sagt Andreas Baumgärtel.

Er vermutet, dass sich der Storch auf den Rückweg in Richtung Wittenberg gemacht hat. Für Andreas Baumgärtel wäre das nicht ungewöhnlich: „Anfang März kehren für gewöhnlich die ersten Störche zurück, sagt er. Auch Petra Meyer sagt: „Für Störche ist jetzt langsam, aber sicher Rückflugzeit.“ Sie hat mittlerweile zu Luther eine Karte angelegt, die wichtige Stationen aus dessen bewegtem Leben zeigt. Zu finden ist die Karte auf der Internetseite des Storchenhofs Loburg. „Ich hoffe, dass wir auch künftig Daten zu Luther bekommen, damit wir diese Storchen-Karte weiter ausbauen können“, sagt Petra Meyer. Ähnliche Karten gibt es in Loburg übrigens auch schon für andere Störche.

Vogelprojekt im Knirpsenland

Den Kindern in der Oderwitzer Kindertagesstätte „Knirpsenland“ bleibt nun nur noch die Erinnerung an Luther und ein großes Storchenplakat. Doch Luther hat auch dazu beigetragen, dass im „Knirpsenland“ ein Vogelprojekt ins Leben gerufen wurde. „Mithilfe von Sponsoren und freiwilligen Helfern haben wir einen Starenkasten aufgestellt, in dem eine Kamera installiert ist“, sagt Kerstin Titzler. „Unsere Kinder verfolgen auf einem Fernseher nun ganz gespannt, was im Starenkasten passiert.“

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