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Donnerstag, 11.10.2018

Landrat kritisiert „Wolfsversteher“

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Bautzens Landrat Michael Harig positioniert sich deutlich  im Treppenhaus des Landratsamtes in Bautzen.
Bautzens Landrat Michael Harig positioniert sich deutlich im Treppenhaus des Landratsamtes in Bautzen.

© Uwe Soeder

  • Bautzens Landrat Michael Harig positioniert sich deutlich  im Treppenhaus des Landratsamtes in Bautzen.
    Bautzens Landrat Michael Harig positioniert sich deutlich im Treppenhaus des Landratsamtes in Bautzen.
  • Wölfe hatten nahe der ostsächsischen Ortschaft Förstgen eine Schafherde der Naturschutzstation „Östliche Oberlausitz“ stark dezimiert.
    Wölfe hatten nahe der ostsächsischen Ortschaft Förstgen eine Schafherde der Naturschutzstation „Östliche Oberlausitz“ stark dezimiert.

Bautzen. Der Bautzener Landrat Michael Harig (CDU) hat ein Umdenken beim Thema Wolf angemahnt. Zwei Tage nach einer verheerenden Wolfsattacke in Förstgen (Landkreis Görlitz) meldete sich der Politiker am Donnerstag mit einem „Leserbrief“ zu Wort: „Nun war es eine „staatliche Herde“, die getroffen wurde. Am Leid der Tiere ändert das freilich nichts, wohl aber - und das bleibt zu hoffen - am Erkenntnisprozess derer, die da meinen, es sei alles in Ordnung“, heißt es in dem Schreiben.

Die bisherige Argumentation der „Wolfsversteher“ zerbrösele mit jedem Riss: „Wann wird endlich erkannt, dass wir auf einem falschen Wege sind?“ Es sei Gefahr in Verzug. Wölfe gehörten nicht in die Kulturlandschaft. Harig plädiert seit längerem für Eingriffe in die Wolfspopulation.

Dem Wolfsangriff in Förstgen waren Dutzende Tiere zum Opfer gefallen. Die angegriffene Herde aus Schafen und Ziegen umfasste ursprünglich 151 Tiere, nur 62 kamen ohne Blessuren davon. Bis Donnerstagvormittag wurden 43 tote Tiere und 18 verletzte registriert. 28 wurden noch vermisst.

Der „Leserbrief“ des Landrats im Wortlaut:

Wölfe in Sachsen/Förstgen – eine neue Dimension

Nun war es eine „staatliche Herde“, die getroffen wurde. Am Leid der Tiere ändert das freilich nichts, wohl aber – und das bleibt zu hoffen – am Erkenntnisprozess derer, die da meinen, es sei alles in Ordnung. Auch die Verantwortlichen des Biosphärenreservats gingen auftragsgemäß in Schulen und diverse Veranstaltungen, um am eigenen Beispiel zu erläutern, dass ein Leben mit dem Wolf möglich und völlig normal sei. Und nun?

Die bisherige Argumentation der „Wolfsversteher“, die Schäfer seien zu bequem und einfältig, um einen wirksamen Herdenschutz zu betreiben, und dass die Behauptungen der Jäger über die Verhaltensänderungen des Wildes wissenschaftlich nicht belegt seien, zerbröselt mit jedem Rissereignis. In gleicher Weise betrifft diese Auflösungserscheinung leider auch die kleine Schar der Menschen, die unter diesen Voraussetzungen überhaupt noch bereit ist, sich der Mühe einer artgerechten Tierhaltung zu unterwerfen.

Wann wird endlich erkannt, dass wir auf einem falschen Wege sind? In einem deutschen Liedtext heißt es sinngemäß: „Auch der Mensch verdient geschützt zu sein, sonst stirbt er einmal aus“.

Das betrifft insbesondere die Spezies Mensch, die mit ihrer tagtäglichen Arbeit eine ökologische Bewirtschaftung unserer Kulturlandschaft sicherstellt und den Teil unserer Nahrungsgüterwirtschaft verantwortet, der nicht billig importiert wird.

Wenn die Ideologen in Brüssel und Berlin noch Zeit – zu viel Zeit – zum Einsehen brauchen, so sollten wir in Sachsen erkannt haben, dass „Gefahr im Verzug“ ist. Das rechtfertigt nicht nur zum Reagieren, sondern es verpflichtet dazu. Wölfe gehören nicht in unsere Kulturlandschaft! Oder was soll noch passieren?

Michael Harig

Landrat

Während in Sachsen weiter über den Umgang mit dem Wolf gestritten wird, am Freitag besucht Ministerpräsident Michael Kretschmer die Stätte es Blutbades in Förstgen, wollen Deutschland und Polen eine gemeinsame Arbeitsgruppe zum Thema Wölfen bilden. Das beschlossen Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) und ihr polnischer Amtskollege Henryk Kowalczyk am Donnerstag in brandenburgischen Neuhardenberg.

Wie die Arbeitsgruppe besetzt werden soll und was im Detail ihre Aufgaben sind, ist nach Angaben des Umweltministeriums noch offen. Tierschützer sprechen sich für ein gemeinsames Monitoring aus, da manche Rudel die Landesgrenzen überqueren. (szo mit dpa)

Leser-Kommentare

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Insgesamt 33 Kommentare

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  1. Black Forest

    Wenn der Schäfer die Möglichkeit hätte sich und sein Besitz ordentlich zu verteidigen, dann müsste man jetzt nicht überlegen ob die die es bis jetzt nur dürfen jetzt für andere Handeln müssen. Ich bin für ein Waffenrecht ohne Bedürfnisse, aber mit Registrierung aller Waffen und Besitzer. So könnte jeder der glaubt eine Waffe besitzen zu müssen um sich oder sein Eigentum Verteidigen zu können, diese normal erwerben und wird so registriert. Würde auch viele illegale Waffen sinnlos machen von den keiner was weis. und Waffenbesitz heißt nicht Führen(Tragen) der Waffe in der Öffentlichkeit!!! Das deutsche Waffenrecht nach Bedürfnissen ist nicht mehr zeitgemäß. Da hier bei ein und der selben Person die Jagdrechte ausübt und Sportschütze ist, verschiedene Bedürfnisse gelten die zu verschiedenen Waffenkaufrechten führen, total kurios...

  2. Dorfbewohner

    Es wird Zeit, dass der unkontrollierten Ausbreitung der Wölfe ein Ende gesetzt wird! Auch Schafe und andere Tiere sind schützenswert. Warum zählen ein paar Wölfe mehr als 100 Schafe? Der Wolfsbestand in der Lausitz MUSS auf unter 50% des derzeitigen reduziert werden. Die ganzen Wolfsversteher können ja gerne welche bei sich in der zantral beheizten Stadtwohnung aufnehmen!

  3. Bergmann

    Schön, dass es noch Politiker mit gesundem Menschenverstand gibt, die nicht jeden Unsinn mitmachen möchten. Mich würde auch mal die Qualifikation der ganzen Wolfsexperten interessieren. Sind da auch Bauern, Jäger und Förster dabei? Vielleicht würden einige Wolfsexperten ihre Meinung ändern, wenn sie mal knapp 50 gerissene Schafe aus der Nähe sehen müssten.

  4. Was soll das?

    @Black Forest Warum Änderung am Waffenrecht, so ein Unfug. Der Schäfer setzt sich nicht jede Nacht in seine Herde und wartet auf den Wolf. Dann hätte er jetzt schon den Angriff verhindern können, auch ohne Schußwaffe. Es geht um die vorsorgliche Dezimierung des Bestandes in einen für dicht besiedelte Gebiete vernünftigen Rahmen. Ich denke jeder Jäger in dem Revier weiß wo man die Wölfe findet. Da der Abschuss aber mit höchsten Strafen belegt ist wird das keiner legal versuchen, egal welcher Schaden angerichtet wird. Es geht um gesetzliche Richtlinien die ein handeln möglich machen.

  5. ?

    Wie sind die Wölfe so problemlos an die Schafe gekommen und wieso hat es keiner gemerkt (Hütehunde ?), denn das hat ja sicher eine Weile gedauert. Wo ein Wolf rausgeschossen wird, kommt ein neuer.

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