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Montag, 13.08.2018

Jeder vierte Bufdi in Sachsen bricht ab

Bis zu 18 Monate dauert der Bundesfreiwilligendienst. Für viele Jüngere ist vorzeitig Schluss – oft mit gutem Grund.

Von Alexander Buchmann

© dpa/Patrick Pleul/

Dresden. Eigentlich ist der Bundesfreiwilligendienst im Freistaat äußerst beliebt. Aktuell leisten hier rund 3 500 über 18-Jährige ihren Dienst – so viele wie in keinem anderen ostdeutschen Bundesland. Deutschlandweit liegt Sachsen auf Platz fünf und bei der Anzahl an Einsatzstellen sogar auf dem vierten. Etwa die Hälfte der Freiwilligen ist im sozialen Bereich im Einsatz.

Doch nicht alle Bufdis leisten die vereinbarte Dienstzeit komplett ab. Denn die Abbrecherquote im Freistaat ist hoch. Das zeigen Zahlen des zuständigen Bundesamtes für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben. „Von den Freiwilligen, die 2017 in Sachsen im Dienst waren, haben 24 Prozent ihren Dienst vorzeitig beendet“, sagt Sprecher Peter Schloßmacher.

Woran es genau liegt, dass so viele Bufdis ihren Dienst nicht über die volle Dauer ableisten, lässt sich nicht eindeutig bestimmen. Die Gründe werden nach Angaben des Bundesamtes nicht statistisch erfasst. „Aber wir wissen aus der praktischen Erfahrung, dass Vereinbarungen besonders dann beendet werden, wenn die Freiwilligen doch schneller als erwartet einen Studien- oder Ausbildungsplatz erhalten haben“, sagt Schloßmacher. Dafür spricht, dass die Hälfte der 7 320 Bufdis, die zwischen Juli 2011 und März dieses Jahres ihren Dienst in Sachsen angetreten und vorzeitig beendet haben, jünger als 27 Jahre waren. Diese Zahlen nennt das Bundesfamilienministerium in seiner Antwort auf eine Anfrage der Linkspartei. Die 31- bis 40-Jährigen stellen mit über 14 Prozent die zweitgrößte Gruppe unter den Freiwilligen, die nicht die volle Dienstzeit abgeleistet haben.

Ein vorzeitiger Abbruch bedeutet dabei nicht zwangsläufig, dass der Dienst nicht anerkannt wird. Die Dienstzeit könne zwischen einem halben und anderthalb Jahren liegen, erklärt Schloßmacher. Die meisten Freiwilligen schließen ihre Vereinbarung über zwölf Monate ab. Diese Dauer würden auch jene wählen, die noch nicht genau wüssten, wie lange sie ihren Dienst machen möchten, sich so aber die Option auf ein ganzes Dienstjahr sichern. Beendet ein Bufdi seinen Dienst dann beispielsweise bereits nach acht Monaten, gilt er trotzdem als geleistet und wird anerkannt.

Ist der Dienst einmal beendet, dürfen ihn über 27-Jährige erst nach fünf Jahren erneut leisten. Diese älteren Bufdis gibt es in Sachsen und den anderen ostdeutschen Bundesländern deutlich häufiger als im Westen. So waren von den 3 526 Freiwilligen, die im Mai ihren Dienst geleistet haben, fast 33 Prozent 51 Jahre und älter. Zum Vergleich: In Nordrhein-Westfalen, dem Bundesland mit den meisten Bufdis, sind 90 Prozent jünger als 27 Jahre und weniger als drei Prozent älter als 50.

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