erweiterte Suche
Mittwoch, 13.06.2018

Intelligente Wölfe

Jäger im Kreis Görlitz haben bei ihrer Suche nach erlegtem Wild Konkurrenz bekommen. Einige Stellen meiden sie bereits.

Von Stephan Klingbeil

15

© Symbolfoto: dpa

Niesky. Die Wölfe im Norden des Landkreises Görlitz scheinen eine neue Jagdmethode für sich entdeckt zu haben. Wie Gerd Eberle, der seit vielen Jahren in diesem Gebiet auf Pirsch geht, erzählt, ist die Nachsuche von geschossenem Wild komplizierter geworden. Seitdem sich der Wolf an die Bedingungen in seinem Territorium angepasst habe, sei er zu einem echten Konkurrenten geworden. „Die Wölfe haben gelernt, dass das Wild quasi auf dem Teller liegt, wenn ein Schuss gefallen ist“, so der Lodenauer Jäger. Man müsse sich beeilen, vom Hochstand herunterzukommen, den wartenden Hund aus dem Auto zu holen und zuerst bei dem erlegten Wild zu sein.

Eberle kann sich noch gut an einen Fall erinnern. Nachdem er einen sieben oder acht Kilo schweren Frischling geschossen hatte, holte er seinen Münsteraner und begab sich mit ihm auf die Spur. Als er den Wildschweinnachwuchs entdeckt hatte, machte sich schon ein Wolf über ihn her. Im Gebiet zwischen Lodenau, Neusorge, Pechern und See gebe es Stellen, an denen die Wölfe besonders stark vertreten seien. „Da gehe ich als Jäger gar nicht mehr hin, weil die Nachsuche mit dem Hund völlig unmöglich geworden ist.“

Dem Kontaktbüro „Wölfe in Sachsen“ in Rietschen sind derartige Berichte bekannt. Und sogar noch mehr: „Es wurde berichtet, dass Wölfe mitunter bei Gesellschaftsjagden während der Jagd im Treiben verbleiben“, wird erklärt. In der Broschüre „Mit Wölfen leben“ informiere das Büro die Jägerschaft über mögliche Interaktionen zwischen Jägern, ihren Jagdhunden und den Wölfen. „In der Regel halten Wölfe aber Abstand, wenn sich Menschen nähern. Sollten sie sich bei dem verletzten oder toten Tier aufhalten, sollten Jäger davon absehen, sie zu vertreiben“, raten die Experten. Dass ein Wolf, der an einem getöteten Beutetier überrascht wird, auf Menschen aggressiv reagiert, sei jedoch nicht zu erwarten.

Befürchtungen, die ungewollte und vor allem unbewusste Nähe von Spaziergängern oder Pilzsammlern zu Wolfshöhlen mit Jungen könnten zu Konflikten zwischen dem grauen Jäger und den Menschen führen, teilt das Kontaktbüro nicht. Erfahrungen des sächsischen Wolfsmonitorings würden zeigen, dass erwachsene Wölfe in solchen Fällen durch Bellheulen aktiv auf sich aufmerksam machen, um den Menschen abzulenken und dadurch die Entdeckung der Welpen zu verhindern. Angriffe durch erwachsene Wölfe habe es bisher nicht gegeben. (SZ/fuw)

Leser-Kommentare

Seite 1 von 3

Insgesamt 15 Kommentare

Alle Kommentare anzeigen

  1. Reißzahn

    Ich möchte der Intelligenz der Wölfe nicht zu nahe treten, aber das gleiche Niveau wie Jäger zu haben ist nicht besonders schwer.

  2. Peter

    Endlich ist es raus: Der Wolf ist einfach nur Konkurrenz zum Jäger. Deshalb wird er so hart bekämpft.

  3. Karl

    Was wäre die SZ-online ohne den Wolf. Und täglich grüßt das ...

  4. Wissender.

    Ihr habt, mit Verlaub, eine Meise! Wie kann man nur so gegen Jäger hetzen? Kennst Du einen persönlich, @Reißzahn? Mal bitte darüber informieren, welchen Dienst die Jägerschaft für die Gesellschaft leistet. Aber das wäre von Leuten Euren Schlages ja zuviel verlangt.

  5. nettosteuerzahler

    Erstens kommen die Jäger nicht mehr hinterher den Wildbestand aus zuhegen. Da es einfach zu viel Wild gibt! Zweites bei Hegeabschüssen ist die Nachsuche zwingend da vorgeschrieben ist den Kadaver einzusammeln. Zweitens da ist noch das Seuchen Problem (Tollwut, Bandwurm, Schweinepest, Staube, Vogelgrippe usw.) das kontrolliert werden muss!!!! Nicht dass es mich stört wenn Öko-Maoisten sich mit irgendetwas davon anstecken würde aber es gibt ja noch Unschuldige wie z.B. Kinder. Drittes an den lustigen Meldungen das Tori‘s an Stränden von verwilderten Verbeiner Rudel angefallen wurden, sollten sich die hiesigen Wölfe ein Bsp. nehmen. schließlich gibt es genug Querfeldein Wandere und Radfahrer ohne jede Rücksicht und Respekt vor der Natur.

Alle Kommentare anzeigen

Seite 1 von 3

Kommentare können nur in der Zeit von 8:00 bis 18:00 Uhr abgegeben werden.