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Montag, 30.04.2018

Immer mehr Rentner in Sachsen sind steuerpflichtig

Nicht nur durch die Rentenerhöhung müssen Tausende erstmals zum Finanzamt. Bis 2040 steigt auch der Steueranteil.

Von Gabriele Fleischer

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Die jährlichen Rentenerhöhungen, aber auch Einnahmen wie Mieten oder Betriebsrenten werden voll versteuert.
Die jährlichen Rentenerhöhungen, aber auch Einnahmen wie Mieten oder Betriebsrenten werden voll versteuert.

© Andrea Warnecke/dpa

Dresden. Im Juli steigt die Rente – im Osten um 3,4 und im Westen um 3,2 Prozent. Doch nicht in jedem Fall bedeutet das auch ein Plus im Geldbeutel. Denn damit werden bundesweit 54 000 Rentner erstmals steuerpflichtig. Der Grund: Ihre Einkünfte steigen in diesem Jahr über den Freibetrag von 9 000 Euro für Unverheiratete und 18 000 Euro für Paare. Das Bundesfinanzministerium rechnet dadurch mit Mehreinnahmen von rund 300 Millionen Euro.

Derzeit müssen in Deutschland bereits etwa 4,5 Millionen der 20 Millionen Rentner Steuern zahlen. Die Anzahl hat sich seit 2005 nahezu verdoppelt. Denn nach dem Alterseinkünftegesetz erhöht sich jährlich der zu versteuernde Anteil an der Rente. „Wer im Jahr 2005 oder früher in den Ruhestand gegangen ist, muss die Hälfte seiner gesetzlichen Rente versteuern. In diesem Jahr sind es bereits 76 Prozent“, sagt Daniel Fehling, Sprecher des Bundesfinanzministeriums. 2040 sei dann die gesamte Rente steuerpflichtig. Allerdings bleibt der zu Beginn der Rente ermittelte steuerfreie Betrag lebenslang gleich.

Die jährlichen Rentenerhöhungen sind laut sächsischem Finanzministerium vollständig steuerpflichtig. Auch weitere Einnahmen wie Mieten oder Betriebsrenten werden voll versteuert. Gleichzeitig erhöhe sich aber jährlich auch für Rentner der steuerliche Grundfreibetrag. Für die jetzt fällige Steuererklärung für 2017 liegt er bei 8 820 Euro für Unverheiratete und bei 17 640 Euro für Paare.

Angesichts der komplizierten Rechtslage sind viele Rentner verunsichert, ob sie Steuern zahlen müssen. Hier helfen die Rententräger wie die Mitteldeutsche Rentenversicherung. Sie bescheinigen auf Wunsch kostenlos alle steuerpflichtigen Beträge der Rente. Einfach nichts tun, kann teuer werden. „Denn die Rentenversicherungsträger sind verpflichtet, den Finanzämtern die Rentenhöhen bis zum Februar des Folgejahres zu übermitteln, für das die Steuererklärung fällig wird“, sagt André Graf vom sächsischen Finanzministerium. Derzeit würden im Freistaat über 1,9 Millionen der Rentenbezugsmitteilungen für 2017 überprüft. „Stellt sich eine Steuerpflicht heraus, können die Finanzämter bis zu sieben Jahre rückwirkend eine Steuererklärung fordern“, sagt Uwe Rauhöft, Geschäftsführer des Bundesverbandes Lohnsteuerhilfevereine. Steuernachzahlungen würden nach 15 Monaten Karenzzeit mit sechs Prozent pro Jahr verzinst. Außerdem seien Verspätungszuschläge möglich.

Bekamen in Sachsen 2014 noch knapp 268 000 einen Einkommenssteuerbescheid, waren es zwei Jahre später schon 315 300. Für 2017 erwarten die Finanzbehörden im Freistaat einen weiteren Anstieg.

Leser-Kommentare

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Insgesamt 24 Kommentare

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  1. Matthias

    Ich finde das so abartig, wenn man die Rente noch versteuert. Die, die ein Leben lang gearbeitet und für den Lebensabend ehrlich vorsorgten haben, werden nun geschröpft. Nur weil es hinten und vorne nicht mehr reicht, oder weil paar Wenige ihren Hals nicht voll kriegen können. Es ist wirklich so armseelig wie dieser Staat geworden ist. Und auf der anderen Seite wird es mit vollen Händen wieder rausgeschmissen. Da wird es verschenkt und verjubelt, dass es nur so kracht. Aber die eigenen Einwohner, die alles hier aufgebaut haben, die gespart, verzichtet und 2/3 ihres Lebens durchgezogen haben, sind am Ende die Blöden. Schämt euch...

  2. Jörg

    Ja, der Staat braucht Geld. Raubritter waren dagegen ein Gemeinnütziger Verein. Erschreckend wie das Geld der Steuerzahler in alle Welt verteilt und die eigene Bevölkerung immer mehr geschröpft wird. Dem geduldigen Steuerzahler sei Dank. Eine Rentenerhöhung die sofort wieder durch Steuern genommen wird verdient diese Bezeichnung nicht. Im Zweifel hat der Rentner sogar weniger als vorher. Entdecke den Fehler. Es schent wirklich gewollt zu sein "Alternativ" zu wählen. Anders ist dieser Wahnsinn nicht mehr zu erklären.

  3. Schäubele

    @1 Matthias: Offensichtlich hast du keinerlei Ahnung. In dem Zuge, in dem die Rente steuerpflichtig wird, werden die Beiträge, die man in seinem Arbeitsleben in die Rentenversicherung einzahlt, nicht vorher der Steuer unterworfen. D.h., die Beiträge werden, von Jahr zu Jahr in einem immer höheren Anteil, vom Brutto und nicht vom Netto bezahlt. Erst wenn du das Geld in Form von Rente bekommst, unterliegt es der Steuerpflicht. Ist doch viel gerechter, als in jungen Jahren Steuern auf Einkommen zu bezahlen das dann in der Rentenkasse verschwindet. Zukünftig zahlst du die Steuern, wenn du das Geld auch in den Händen hälst. Also erst wissen, dann blöken.

  4. kein Fan

    Ich möchte meine Vorkommentatoren bitten, die Sachlage in vollem Umfang zur Kenntnis zu nehmen und nicht gleich reflexartig den gierigen Staat als Hort allen Übels benennen. Renten sind nämlich nur anteilig zu versteuern (mit Verlaub: mein Gehalt wird VOLL versteuert) und zwar zu dem Anteil, wie sie seinerzeit steuermindernd geltend gemacht wurden. Damit wird die Steuerlast vom Arbeitsleben in das Rentnerleben verlagert und da dort die Einkünfte geringer sind, sind es auch die Steuern. Am Lebenseinkommen gemessen also mehr als fair. Vom Gehalt / Lohn eines Arbeitenden gehen rund 50% weg. Es wäre gut, liebe SZ, zu recherchieren, wieviele Rentner in Sachsen denn tatsächlich Steuern zahlen müssen, letztlich klagen doch alle über so geringe Renten, die ja alle unter dem Freibetrag liegen sollten, oder? Wie hoch lag denn die Abgabelast seinerzeit bei den heutigen Rentnern? Auch 18% %

  5. KhanKrum

    Matthias und Jörg haben vollkommen recht. Mein Vater hat sein ganzes Leben Steuern auf sein Einkommen bezahlt und jetzt als Rentner bezahlt er wieder Steuern. Es ist einfach nur unerträglich wie der deutsche Bürger schamlos abgezockt und ausgenommen wird. Nicht nur durch Steuern.

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