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Dienstag, 14.08.2018

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Die SZ arbeitet jetzt mit dem Meinungsforschungsunternehmen Civey zusammen. Im Fokus steht die Meinung der Sachsen zu regionalen Themen. Wie die Online-Umfragen funktionieren und was man sonst noch wissen muss, erklärt Civey-Gründer Gerrit Richter.

Von Linda Barthel und Fabian Schröder

Gerrit Richter ist einer der Gründer von Civey. Das Meinungsforschungsunternehmen hat sich auf Umfragen im Internet spezialisiert.
Gerrit Richter ist einer der Gründer von Civey. Das Meinungsforschungsunternehmen hat sich auf Umfragen im Internet spezialisiert.

© Fabian Schröder

Berlin/Dresden. „Wir haben 1 000 Menschen nach ihrer Meinung gefragt, herausgekommen ist ...“, so beginnen oft Auswertungen von Umfragen, wie sie fast täglich irgendwo zu lesen sind. Jedoch zeichnen diese klassischen Befragungen nicht immer ein der Gedankenwelt unser Gesellschaft entsprechendes Bild. Genau wird es erst, wenn die Zahl der Teilnehmer viel größer ist. Darauf ist das Meinungsforschungsunternehmen Civey aus Berlin spezialisiert, mit dem die Sächsische Zeitung eine Kooperation für redaktionelle Online-Umfragen startet. Die wichtigsten Fragen im Überblick:

Was ist Civey eigentlich?

Civey ist in der Online-Meinungsforschung das größte Unternehmen dieser Art in Deutschland. Pro Tag werden um die 2 000 Umfragen durchgeführt. „Das Besondere bei uns ist, dass wir diese Umfragen öffentlich im Internet laufenlassen - auf Tausenden von Websites. Jeder kann mitmachen und jeder sieht das Ergebnis in Echtzeit“, sagt Gerrit Richter. Er hat Civey Anfang 2015 gemeinsam mit zwei Partnern gegründet. Heute gehören dem Unternehmen mit Sitz in Berlin-Kreuzberg 44 Mitarbeiter an. Sie kommen zum Teil aus Sachsen und unter anderem auch aus Finnland, Schweden, Russland, China oder Italien. „Wir brauchen sehr hoch qualifiziertes Personal“, so Richter, der bei der Suche nach neuen Mitarbeitern global denkt. Acht der Mitarbeiter sind Data-Scientists, also auf die statistischen Prozesse spezialisiert.

Wer gehört zu den Kunden von Civey?

Pro Monat werden auf rund 25 000 Websiten Stimmen eingesammelt. Die verteilen sich auf etwa 100 Partner, mit denen Civey zusammenarbeitet, sagt Gerrit Richter. „Wir möchten Meinungsforschung allen Menschen zugänglich machen. Sie ist aus unserer Sicht ein ganz tolles Tool, um ein bisschen rauszukommen aus dieser Aufgeregtheit, die wir oft in der öffentlichen Debatte haben.“

Warum will Civey mit der Sächsischen Zeitung zusammenarbeiten?

Regionale Themen sind Themen, die den Menschen wichtig sind, sagt Gerrit Richter. „Und wenn wir den Anspruch haben, Internetdebatten auf ein rationaleres Fundament zu stellen, dann muss man einfach auch im lokalen und regionalen Bereich präsent sein.“

Wie funktionieren die Befragungen?

Es werden zwei Methoden miteinander kombiniert, die es schon sehr lange in der Meinungsforschung gibt. Mit dem River-Sampling-Verfahren werden die Stimmen zunächst erhoben. Das heißt, dass im Internet viele Umfragen platziert werden – idealerweise Tausende – und die Teilnehmer zufällig auf einer Website vorbeikommen und mitmachen. Es wird also breit gestreut, um bei der Stimmerhebung im ersten Schritt schon möglichst viele unterschiedliche Menschen für die Teilnahme zu gewinnen. Doch diese Daten sind zunächst verzerrt, entsprechen also nicht der Durchschnittsmeinung. Die wird in einem Gewichtungsprozess durch ein Non-Probability-Verfahren destilliert. „Das einzigartige an Civey ist, dass wir erstmals diese beiden Verfahren in einem kombiniert haben und dadurch qualitativ sehr hochwertige Ergebnisse errechnen können“, sagt Richter. Besonders dabei sei auch, dass die Teilnehmer nicht bezahlt und auch nicht am Telefon genervt würden. „Der Nutzer sagt uns seine Meinung und dafür bekommt er Daten zurück.“ Denn die Umfragen laufen in Echtzeit und geben nach Abstimmung einen Zwischenstand aus.

Was ist der Unterschied zwischen repräsentativen Daten und Rohdaten und wie störanfällig ist das Ganze?

Rohdaten sind bei Civey nur die aufaddierten Klicks. Sie werden von vielen Faktoren beeinflusst, zum Beispiel wie motiviert die Menschen sind, bei einer Umfrage abzustimmen, oder wo das Umfragetool eingebunden ist, sagt Gerrit Richter. Rohdaten würden also nie die wahre Meinung der Bevölkerung abbilden, sondern geben den Durchschnitt der Teilnehmer an. Der wissenschaftliche Algorithmus überlegt sich dann, wie die Rohdaten im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung verzerrt sind, versucht die Verzerrung herauszurechnen und damit dann ein valides Ergebnis zu berechnen, das dem Durchschnitt der Gesamtbevölkerung entspricht.

Um besonders hochwertige Ergebnisse zu errechnen, arbeitet Civey mit einem User-Trust-Index. Das heißt, dass nur Personen, bei denen sich Civey nach bestimmten statistischen Kriterien sehr sicher ist, dass sie echte Menschen sind und eine valide Antwort abgegeben haben, eine Chance haben, in das Sample zu kommen, mit dem dann das repräsentative Ergebnis errechnet wird. „Das funktioniert zum Beispiel so, dass man sich bei uns registrieren muss, dass man an einer bestimmten Anzahl von Umfragen teilgenommen haben muss, und man muss über einen längeren Zeitraum widerspruchsfrei geantwortet haben“, sagt Gerrit Richter.

Lust mitzumachen? Hier unsere erste Frage: