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Donnerstag, 08.03.2018

Hochschwangere Ehefrau erstochen

Viermal hatte der 39-Jährige aus Afghanistan zugestochen – aus blindem Hass und Eifersucht.

Von Sven Heitkamp, Leipzig

Leipzig. Die Hände gefaltet und mit stierendem Blick verfolgt Ghulam R. das Urteil, das der Richter am Leipziger Landgericht über ihn verhängt: Lebenslänglich wegen Mordes und gewaltsamen Schwangerschaftsabbruchs. Am 11. August gegen 10 Uhr vormittags hatte der 39-Jährige aus Afghanistan seine hochschwangere Frau Mahin mit vier Messerhieben getötet. Ein Stich traf sie mitten ins Herz. Er habe seine 34 Jahre alte Frau und seine ungeborene Tochter „aus blindem Hass und Eifersucht“ ermordet und ihnen „keine Chance gelassen, ihr Leben zu leben“, sagte Richter Hans Jagenlauf. Die beiden gemeinsamen Söhne, 9 und 11 Jahre alt, waren während der Bluttat in einem Wohnhaus für Flüchtlinge dabei. Sie müssen seither in einer betreuten Wohnform ohne ihre Eltern aufwachsen. Der Mord war das tragische Ende einer bitteren Ehekrise: Die Familie aus Afghanistan war im November 2015 nach Jahren der Flucht durch verschiedene Länder nach Deutschland gekommen. Doch voriges Jahr hatte sich Ghulam R. immer mehr auf die Vorstellung versteift, dass ihn seine Frau mit einem anderen betrogen habe und das Kind nicht von ihm sei – zu Unrecht, wie gerichtsmedizinische Untersuchungen bestätigten.

Die Ehe – ohnehin keine Liebesheirat – war zerrüttet, es gab Trennungsgespräche, Drohungen und Gewalt, sagte Jagenlauf. Am Ende suchte die Frau schon Schutz in einer benachbarten Wohnung im Flüchtlingshaus. Nachdem er seine Frau getötet hatte, war Ghulam R. in den vierten Stock des Hauses gestiegen und fast 13 Meter in die Tiefe gesprungen, um auch sein Leben zu beenden. Er überlebte schwer verletzt und sitzt im Rollstuhl. Er beteuerte, wie sehr er seine Tat bereue. Der Mord sei nicht geplant und nicht beabsichtigt geschehen. Doch der Lesart eines Totschlags im Affekt folgten die Richter nicht – ebenso wenig wie dem Staatsanwalt, der eine besondere Schwere der Schuld feststellen wollte, um eine längere Haftzeit zu erreichen.