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Samstag, 26.04.2014

Erbfolgestreit bei den Wettinern

Die albertinische Linie des Adelshauses droht zu erlöschen. Das könnte sich auch auf den Streit um Kunstgüter auswirken.

Von Thomas Schade

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Das Wappen der Wettiner im Schlosshof von Augustusburg im Erzgebirge.
Das Wappen der Wettiner im Schlosshof von Augustusburg im Erzgebirge.

© dpa

Dresden. Die Herausgeber des Handbuches der europäischen Fürstenhäuser stecken in der Klemme. Sie können derzeit niemanden benennen, der an der Spitze des einstigen sächsischen Königshauses steht. Ohne Nachfolger droht nun die albertinische Linie der Wettiner zu erlöschen.

Alexander von Sachsen, der vom 2012 verstorbenen Markgrafen Emanuel adoptiert und zum künftigen Hauschef bestimmt worden war, taucht im kürzlich erschienenen XX. Fürstenhandbuch nicht auf. Das Verzeichnis, kurz „Gotha“ genannt, gibt regelmäßig familiäre Neuigkeiten im europäischen Hochadel bekannt und steht unter der Aufsicht des Deutschen Adelsrechtsausschusses. Dessen Präsident Henning von Kopp-Colomb erklärt, Adoptierte würden grundsätzlich nicht in den „Gotha“ aufgenommen. Als vorläufiger Chef der albertinischen Linie des Hauses Sachsen steht dort vielmehr Albert von Sachsen. Doch der verstarb im Herbst 2012.

So gibt es nur noch einen, in direkter männlicher Blutslinie vom letzten Sachsenkönig abstammenden Nachkommen: der in Moritzburg lebende Rüdiger von Sachsen. Er steht im Gotha, aber unter Vorbehalt. Seine „fürstenrechtliche Zugehörigkeit“ zum königlichen Haus bedürfe „noch weiterer Prüfung“, heißt es. Ein Ende der Prüfungen sei noch nicht absehbar. Eine Einigung innerhalb der Adelsfamilie könnte die ungeklärte Situation schneller beenden, so Präsident von Kopp-Colomb. Seinem Gremium stehe es nicht zu, vormaligen Königshäusern Vorschriften zu machen. „Wir prüfen nur, ob die Entscheidungen dem Fürstenrecht entsprechen.“

Eine einvernehmliche Lösung ist jedoch nicht in Sicht. Alexander von Sachsen beruft sich auf die Rechtmäßigkeit seiner Adoption. Albert von Sachsen, der letzte Königsenkel, benannte in einer Erklärung Rüdiger zu seinem Nachfolger.

Kommt es nicht zu einer fürstenrechtlich anerkannten Einigung, droht die albertinische Linie der Wettiner nach 530 Jahren zu erlöschen. 1485 hatten die Brüder Ernst und Albert das Wettiner Reich unter sich aufgeteilt und die albertinische und die ernestinische Linie begründet.

Chef der Ernestiner ist heute der 67-jährige Michael von Sachsen-Weimar. Für ihn seien die „Albertiner im nachfolgeberechtigten Stamm erloschen“, sagt er. Ansprüche auf den Chefposten der Albertiner erhebt er jedoch nicht. Den könne allerdings auch kein Nichtadeliger einnehmen.

Hätte der Ernestiner-Chef auch bei den Wettinern in Sachsen das Sagen, würde die Staatsregierung wohl aufatmen. Denn er hatte sich 2003 mit dem Land Thüringen gütlich über den Kunstbesitz der Familie geeinigt – gegen eine vergleichsweise geringe Summe.

Wer würde heute Sachsen regieren, wenn es noch eine Monarchie gäbe? Die SZ hatte den Gedanken bereits im Oktober 2012 zu Ende gesponnen. Hier finden Sie den Artikel - und die fünf potenziellen Kandidaten.

Leser-Kommentare

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Insgesamt 7 Kommentare

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  1. Thilo Fleck

    Wen interessiert das heute noch? 1918 hat der letzte sächsische König abgedankt. Spätestens nach 1945 und der Bodenreform hatten "Adelige" hier nichts mehr zu melden. Die Wettiner, die heute hier meinen, Ansprüche geltend machen zu düfen, sind seit Generationen ihrer ehemaligen Heimat entfremdet und führen in anderen Bundesländern oder gar im Ausland ein meist auskömmliches Dasein. Es fehlt ihnen also nichts "zum täglichen Brote". Einmal sollte ein Schlußstrich gezogen werden. Die vielen deutschen Aussiedler, denen 1945 und danach nichts anderes vorzuwerfen war, als ihr "unpassende" Nationalität, sind oft weniger glimpflich davongekommen, aber nach denen kräht heute kein Hahn mehr. Denen wirft auch niemand ehemals eingebüßte Gemälde oder Schmuckgegenstände nach - die waren damals froh, das nackte Leben behalten zu haben.

  2. Maria

    Oh Gott: "Erbfolgestreit", "männliche Blutlinie", "fürstenrechtliche Zugehörigkeit" - ich glaube, ich bin im falschen Film! Hallo, wir leben nicht mehr im Mittelalter! Was in diesem "Fürstenhandbuch Gotha" steht, mag für Adelsfreaks heilig sein, die noch nicht im letzten Jahrhundert angekommen sind, geschweige denn in diesem. Erbrechtlich ist es völlig unrelevant. Wenn sich die "Ex-Adligen" um die "nachfolgeberechtigte" Linie streiten, hat das den Staat nicht zu interessieren. Warum sich die SZ dafür interessiert, ist mir schleierhaft. Will hier etwa jemand den alten Adel zurück? Nein danke!

  3. Gustlliebhaber

    Naja, Historie eines Landes hänbgt eben auch mit solchen Meldungen zusammen, obwohl mich das auch überhaupt nicht interessert, nur insoweit, als ich mich der Geschichte des Freistaates irgendwie verpflichtet fühle. Und, so meine ich, wer die Vergangenheit nicht wahrhaben will, ist auch an einer Zukunft desinteressiert, ganz gleich weshalb. UNd man sollgte nicht vergessen bei all den Diskussionen hier, dass auch E.W.v. Tschirnhaus, der Erfinder des Sächsischen Porzellans, ein Adliger war, obwohl er nichts dafür konnte, dass seine Eltern usw..... So hat alles irgendwie seine Geschichte, ganz gleich, ob für den Einzelnen angenehm oder nicht. Und war "Gustl von Blasewitz" ebenfalls eine Adlige?

  4. Tippgeber

    ABDANKEN hieß seinerzeit nicht, ALLES aufzugeben zu müssen! Daher war die Abdankung ja auch keine Enteignung. Die Republik erhielt lediglich Vorkaufsrecht. Und vieles hat sie bis heute nur "gemietet"! Seit Napoleon das erste! (römische) deutsche Kaiserreich abschaffte und den Kirchenbesitz verstaatlichte, erhält diese ebenfalls einen nicht unerheblichen Teil ihres Auskommens auf die gleiche Weise "finanziert".

  5. herdubreid

    Nein, war sie nicht. Die Form "von" steht hier für "aus". http://de.wikipedia.org/wiki/Johanne_Justine_Renner Trotzdem nervt es, wenn Leute, die zufällig Nachfahren (oder nicht wirklich) der Wettiner sind, sehr fordernd auftreten, wobei offensichtlich der Lebensmittelpunkt ganz woanders liegt und der Einsatz für Sachsen eher nur für die eigenen Interessen erfolgt, wenn überhaupt.

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