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Dienstag, 06.03.2018

Empörung über Urbans Pegida-Auftritt

Seit Wochen laufen Vorbereitungen, das fremdenfeindliche Pegida-Bündnis als AfD-Vorfeldorganisation salonfähig zu machen. Die Rede des sächsischen AfD-Chefs auf der Pegida-Bühne wirkt da fast schon wie eine Hochzeit.

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Jörg Urban auf dem politischen Aschermittwoch der sächsischen AfD.
Jörg Urban auf dem politischen Aschermittwoch der sächsischen AfD.

© dpa/Sebastian Kahnert

Dresden/Berlin. Der Auftritt des sächsischen AfD-Landesvorsitzenden Jörg Urban bei Pegida in Dresden hat für Empörung beim politischen Gegner und Irritationen in der eigenen Partei gesorgt. Die sächsischen Linken sehen durch den Auftritt Urbans am Montagabend auf der Bühne des fremden- und islamfeindlichen Bündnisses auf dem Neumarkt „die letzten Masken“ der Rechtspopulisten gefallen. „Narren kann man nicht aufhalten“, resümierte das AfD-Bundesvorstandsmitglied Steffen Königer am Dienstag in Berlin mit Hinweis auf die gleichlautende Einschätzung der als gemäßigt geltenden Alternativen Mitte.

Sachsens Linken-Landesvize Silvio Lang warnte vor einem Einzug der Pegida mithilfe der AfD in den Sächsischen Landtag. Er sprach von einem „Horrorszenario“, das es zu verhindern gelte. Habe die AfD bisher versucht, „den bürgerlichen Schein zu wahren“, werde mit dem Näherrücken der Landtagswahl 2019 „immer klarer, dass sie den Schulterschluss zu rassistischen und rechtsextremen Bewegungen in Sachsen sucht.“

Urban hatte vor „Einigkeit, Einigkeit“ jubelnden Kundgebungsteilnehmern vor der Frauenkirche gesagt: „Pegida und die AfD sind dieselbe Bewegung.“ Er ist der erste ranghohe AfD-Funktionsträger, der bei Pegida aufgetreten ist. Erst am Wochenende hatte ein Bundeskonvent der AfD den Weg dafür freigemacht. Die Pegida-Führung kündigte auch Auftritte der Landesvorsitzenden aus Thüringen, Brandenburg und Sachsen-Anhalt, Björn Höcke, Andreas Kalbitz und André Poggenburg, an, die allesamt Vertreter des rechtsnationalen Flügels sind.

Die Alternative Mitte hatte den Schulterschluss mit Pegida bereits am Sonntag mit den Worten kommentiert: „In der AfD gibt es ein paar Funktionäre und Mandatsträger, die gerne den Hofnarren für einen kleinen Teil des Volkes geben wollen, der auf einer Ebene unterhalb von parlamentarischer Vernunft unterhalten werden möchte.“

Bundesvorstandsmitglied Königer, der dem brandenburgischen Landtag angehört, soll im Auftrag der Parteispitze in diesem Frühjahr eine regierungskritische Großdemonstration in Berlin organisieren. Der genaue Termin steht allerdings noch nicht fest. Auf die Frage, ob eine Kundgebung, der sich theoretisch auch Radikale anschließen könnten, für seine Partei nicht auch ein Risiko sei, antwortete er: „Wenn unbedingt jemand mit der Reichskriegsflagge auftreten will, dann werden unsere Ordner sofort eingreifen, so etwas brauchen wir nicht.“ (dpa)

Leser-Kommentare

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Insgesamt 58 Kommentare

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  1. Radebeuler

    Die "Reichskriegsflagge" mag man nicht, aber ein Parteistandarte der NSDAP? Wer glaubt denn der AfD diese gespielte Empörung? Alternative Mitte? Pfff!

  2. Moritzburger

    Konvertiten sind immer die schlimmsten. Egal ob bei Religionen oder Parteien. Und Urban früher grün heute blaubraun muss jetzt seinen mangelnden Intellekt mit umso mehr Engagement ausgleichen. Wenigstens gibt es für Sachsen, die AfD wählen zukünftig keine Ausreden mehr. Das ist KEINE Alternative, sondern der Untergang 2.0.

  3. Max Anders

    Na Radebeuler, hat das Mittagessen nicht geschmeckt? So ein Gleichnis mit der NSDAP als obligatorischer Kalauer geht doch immer oder? Hauptsache die AFD und Pegida in dieser Ecke festhalten, wohin sie 2015 gestellt wurde... Björn Engholm hatte auf Reichskriegsflaggenträger bei SPD Wahlkampfveranstaltungen die Antwort, daß sein Großvater stolz unter dieser Flagge für sein Vaterland gekämpft hat und die heutigen Träger nicht ansatzweise solch ein Ehrgefühl an den Tag legen. Ich sehe das Problem AFD Pegida ausschließlich in der belasteten und nicht sehr glaubwürdigen Person bachmann. Vielleicht isser ja ein V-Mann der Antifa um der ganzen Bewegung zu schaden. So wie Merkel auch Erichs letzte Rache ist

  4. Erhard Jakob

    Jeder sollte sich selbst ein BILD von PEGIDA machen. Und sich nicht das BILD von Meinungsmachern von BILD machen lassen!

  5. @4.

    Genau! Und das haben hier offensichtlich sehr viele noch nicht gemacht, die diese Vereine verteidigen. Ich hatte das zweifelhafte "Vergnügen", mir einige Auftritte auf dem Altmarkt vom Fenster aus reinziehen zu müssen, da ich auf Grund von Schulungen nicht flüchten konnte. Das Fazit: Widerliche Brüllaffen vom Bodensatz der Gesellschaft, die eine Lüge und verfassungsfeindliche Hetze nach der anderen über den Platz schicken. Und die Dresdner Polizei steht daneben und hört zu ohne einzugreifen. Man hat den Eindruck, die Fachklinik in Arnsdorf hat Ausgang. Aber damit beleidigt man wahrscheinlich noch die Patienten dort.

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