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Samstag, 02.06.2018

Eltern-Taxis verursachen morgendliches Verkehrschaos vor Schulen

Viele fürsorgliche Eltern bringen ihre Kleinen mit dem Auto zur Schule oder in die Kita. Und so geht es dort auf der Straße allmorgendlich chaotisch zu. Das ist nicht ungefährlich. Die Kommunen wollen mit teils drastischen Maßnahmen für mehr Ordnung sorgen.

Schülerinnen mit ihren Fahrrädern kommen auf einem Gehweg nicht weiter, auf dem ein sogenanntes Elterntaxi steht.
Schülerinnen mit ihren Fahrrädern kommen auf einem Gehweg nicht weiter, auf dem ein sogenanntes Elterntaxi steht.

© Swen Pförtner/dpa

Dresden. In zweiter Reihe und auf dem Fußweg parkende Autos, Mädchen und Jungen schlängeln sich zwischen den Fahrzeugen hindurch. „Vor fast allen Schulen herrscht morgens Verkehrschaos“, sagt der Sprecher des Landesschülerrates, Leonard Kühlewind, bei einer Umfrage den Nachrichtenagentur dpa. „Dabei werden auch Halteverbotszonen ignoriert. Die Sicherheit der Schüler ist durch die Masse an Fahrzeugen und Ausstiegs- und Wendemanöver vielerorts gefährdet.“ Der Landesschülerrat ermutige die Schülervertreter, gemeinsam mit Eltern und Lehrern eine individuelle Lösung zu finden und an die Vernunft der Eltern zu appellieren.

Vor der Grund- und Oberschule in in Bannewitz bei Dresden hat die Gemeindeverwaltung unlängst die Notbremse gezogen. Die Zufahrt ist jetzt von Montag bis Freitag zwischen 7.00 Uhr und 7.30 Uhr gesperrt. In dem Bereich dürfen Autos nur noch zum Ein- und Aussteigen kurz halten. Selbst die Lehrer müssen sich neue Parkplätze suchen. „Wegen der beengten Straßenverhältnisse und auch der Unvernunft vieler Eltern waren viele Schulkinder zu Fuß gefährdet“, sagt Sylvia Stiller von der Gemeindeverwaltung. Manche Eltern hätten die Kinder direkt vor die Schulen gefahren, obwohl für Wendemanöver der Platz viel zu eng sei. Sie seien zu schnell gefahren oder hätten sich rücksichtslos verhalten. „Es war gefährlich.“ Kontrollen der Polizei und des Ordnungsamtes hätten immer nur kurz gewirkt.

Die zunächst nur als Versuch für zwei Monate gedachte Sperrung soll jetzt auf unbestimmte Zeit verlängert werden. Einige Eltern hätten der Gemeinde gedankt. Sie seien froh, dass sie ihr Kind nun guten Gewissens zu Fuß zur Schule schicken könnten, sagt Stiller.

Mit Tempo 30 und gut ausgebauten Fußwegen versucht die Stadt Freital bei Dresden vor der Geschwister-Scholl-Grund- und Oberschule im Ortsteil Hainsberg den morgendlichen Verkehr in den Griff zu bekommen. Haltestelle, Zufahrt und Kreuzung machen den Bereich unübersichtlich. Die Linienbusse schalten an der Haltestelle den Warnblinker ein. Mit Piktogrammen auf dem Asphalt werden Autofahrer auf Kinder hingewiesen. Eine Fußgängerampel ist in der Nähe. „Es ginge ruhiger zu, wenn weniger Schüler mit dem Auto direkt bis an die Schule gebracht würden“, sagt Stadtsprecher Matthias Weigel. Dabei gebe es Parkplätze in der Nähe, wo die Kinder aussteigen und von dort zur Schule laufen könnten.

Der Bürgermeister von Neukirchen im Erzgebirge, Sascha Thamm (Freie Wähler), hatte unlängst seinem Ärger öffentlich im Internet Luft gemacht und damit bundesweite Aufmerksamkeit erregt. Nach einem Unfall in der Kita Pünktchen kam der Rettungswagen nicht durch. Parkende Autos von Eltern blockierten den Weg. Damit nicht genug. Die Eltern hätten in Trauben herumgestanden und die Kinder hochgehoben, damit sie ins Innere des Rettungsfahrzeugs sehen konnten. Erst nach mehrfacher Aufforderung hätten sie Platz gemacht. „Geht’s noch?“, wetterte der erzürnte Bürgermeister.

In Dresden kontrollieren die Mitarbeiter des Ordnungsamtes immer wieder gezielt an Schulen. Dabei fallen ihnen immer Eltern auf, die ihre Kinder mit dem Auto in die Schule bringen und dabei falsch parken oder halten und damit andere Mädchen und Jungen in große Gefahr bringen. Vor allem das Parken in zweiter Reihe oder auf dem Fußweg könne die Sicht beeinträchtigen und vor allem für kleine Kinder gefährlich werden, wenn sie die Fahrbahn überqueren wollen, heißt es. Falschparker erhielten eine Anzeige. Wenn sie Feuerwehrzufahrten oder Rettungswege länger blockieren, werden sie abgeschleppt.

Eltern-Taxis spielen in nahezu allen Wohngebieten eine Rolle, heißt es in Leipzig. Der öffentliche Raum reiche oft nicht aus, um Anlieger und Eltern gleichermaßen zufrieden zu stellen. Eltern und Kinder, die zu Fuß oder mit dem Fahrrad kämen, nähmen die Verkehrssituation als gefährlich wahr. Allerdings sei es nach Kenntnis des Ordnungsamtes bisher nicht zu Unfällen gekommen, die auf Eltern-Taxis zurückzuführen seien.

Auch in Chemnitz gibt es laut Stadt fürsorgliche Eltern, die ihre Kinder mit dem Auto zur Kita oder in die Schule bringen. Von Notsituationen vor diesem Einrichtungen sei jedoch nichts bekannt. (dpa)