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Donnerstag, 01.03.2018

Einsatz in der Fankurve

In sächsischen Fußballstadien haben Spieltag für Spieltag Polizisten in Zivil Dienst. Sie sollen Schlimmes verhüten. Doch wie machen sie das?

Von Thilo Alexe

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Bach als cooler Cop mit Sonnenbrille? Eher nicht, allerdings waren bei diesem Spiel in Leipzig 21 Zivilpolizisten in der Arena.
Bach als cooler Cop mit Sonnenbrille? Eher nicht, allerdings waren bei diesem Spiel in Leipzig 21 Zivilpolizisten in der Arena.

© imago/Picture Point LE

Für den Leipziger Erstligisten und die uniformierten Polizisten lief alles glatt. Die Fußballspieler von Rasenball gewannen die Flutlichtpartie zum Rückrundenstart gegen Schalke deutlich mit 3:1. Und die Beamten setzten, so beschreibt es der Polizeibericht, das „vorgeplante Einsatzkonzept gewohnt routiniert in die Praxis“ um. Von Störungen rund um das Fußballspiel ist keine Rede, vielmehr weist die Mitteilung darauf hin, dass Leipziger Beamte zeitgleich ein Neonazi-Konzert im Ortsteil Schönefeld verhindert hätten. Das war offenbar deutlich stressiger.

Was nicht im Bericht steht: Neben klar erkennbaren uniformierten Hundertschaften, die etwa den Verkehr regelten und gegnerische Fans voneinander trennten, waren an dem Januarabend auch 21 Beamte in Zivil in und um die Red Bull Arena im Einsatz. Warum? Ihr Job, wie Sachsens Innenministerium als Dienstherr mitteilt, war die „Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit“. Zu den Aufgaben der Polizisten zählten „Aufklärung, Strafverfolgung, Dokumentation“ sowie „technisch-organisatorische Maßnahmen“, wie es im sachlichen Amtsdeutsch heißt.

Die Polizei, dein Freund und Fan? Dass Zivilbeamte beim Fußball präsent sind, ist zwar nicht neu, allerdings kaum bekannt. Der Landtagsabgeordnete Valentin Lippmann recherchiert seit Jahren zum Thema Sicherheit und Polizeieinsätze bei Fußballspielen. Der Grünenpolitiker wollte nun per Anfrage an die Staatsregierung wissen, wo und wie viele Zivilpolizisten in dieser Saison bislang eingesetzt wurden.

Die Antwort: Bei den sächsischen Profiklubs aus erster, zweiter und dritter Liga sind nahezu an jedem Spieltag „Einsatzkräfte in ziviler Kleidung“, wie es in der Ministeriumsantwort heißt, im Einsatz. Sechs verfolgten das Vorbereitungsspiel zwischen Dynamo Dresden und Wolfsburg, einer die Drittligabegegnung zwischen Chemnitz und Karlsruhe. Die personelle Höchstzahl in der Einsatzstatistik weist das Dokument für das Leipziger Derby zwischen den Traditionsvereinen Chemie und Lok aus: 40 Zivilbeamte waren im Juli im altehrwürdigen Alfred-Kunze-Sportpark.

Vom Saisonbeginn im Sommer bis Anfang Februar kamen deutlich mehr als 800 Zivilbeamte aus den Polizeidirektionen Dresden, Chemnitz, Leipzig, Zwickau und Görlitz zum Einsatz – zusätzlich zu den je Hunderten oder Tausenden uniformierten Polizisten, die an Spieltagswochenenden Fußball in Sachsen absichern. Der Großteil war bei Partien der Profis von Leipzig, Dresden, Aue, Chemnitz und Zwickau unterwegs. Doch auch Plätze aus der siebten Amateurliga zählten zu den Einsatzorten.

Bereits 2010 hatte die Landtagslinke eine umfassende Anfrage zur Sicherheit im Fußball gestellt. Schon damals hatte das Innenministerium den Einsatz ziviler Beamter bestätigt. Die Linksfraktion wollte wissen, ob sich auch Polizisten „unter die Fans in den Fankurven mischen“. Die Antwort: „Ja, soweit es die polizeiliche Lagebewertung erfordert“, geschehe das.

Die Linke sprach von Tatbeobachtern, und das Ministerium antwortete: „Der Einsatz dient dem frühzeitigen Erkennen von Störungen der öffentlichen Sicherheit und Ordnung sowie dem Ziel, einen zeitlichen Vorlauf für polizeiliche Maßnahmen zu erreichen.“ Übersetzt heißt das: Wenn die Beamten sehen, dass sich eine Fangruppe für eine Schlägerei bereitmacht, lotsen sie die uniformierten Kollegen herbei. Die Zivilpolizisten im Block können Rädelsführer beobachten, eventuell sogar erkennen, wer Pyrotechnik zündet. Allerdings gibt es keine Statistik, wie oft so etwas zu Strafen geführt hat. Klar ist aber: Die Einsätze sind für die Beamten nicht ungefährlich.

Es handelt sich bei ihnen übrigens nicht um szenekundige Beamte, die Verbindungen zum Verein halten und auch bei den Fans bekannt sind. Offen ist dagegen etwas anderes. Gibt es in Fußballstadien verdeckte Ermittler, die quasi in die Fanszene eingeschleust wurden oder V-Leute aus den Fanblocks, die der Polizei oder dem Verfassungsschutz berichten? Die Regierung macht dazu keine Angaben. Bis zu vier rechtsextreme Fangruppen aus Dresden, Leipzig und Chemnitz wurden vom Geheimdienst in den vergangenen Jahren beobachtet, wie ist aber unbekannt.

Leser-Kommentare

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Insgesamt 6 Kommentare

Alle Kommentare anzeigen

  1. IM Auge der Sicherheit

    Für die Sicherheit.... vermutlich auch gut so, aber irgendwie hat es den faden Beigeschmack von StaSi-Methoden, da wacht der IM über seine Fans...

  2. R.Fürchtenix

    Bis 89 stand die Stasi regelmäßig im K, besonders bei Europapokal-Spielen oder wenn der BFC da war. Da wird so mancher heute als Führungskraft seine Erfahrung weiter geben.

  3. Tino

    Mich würde es überhaupt nicht stören, wenn Polizisten in Uniform oder zivil im Blick neben mir stehen. Schliesslich kann ich mich benehmen. Warum sich da die Grünen und die Linken wieder darüber aufregen, weiß ich nicht. Scheinbar haben die keine anderen Probleme.

  4. suse

    Kann @3 nur zustimmen. Wenn ich nichts zu verbergen habe, warum soll mich da ein Polizist in Zivil neben mir stören? Mit solchen sinnfreien Anfrage des Herrn Lippmann kann man die Polizei auch beschäftigen. Als ob die nichts wichtigeres zu tun hätten!!!

  5. Hellmouth

    Vielleicht kann ja mal eine Hundertschaft von den Grünen und Linken im K-Block für Ordnung sorgen. Wäre ich gern dabei :-)

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