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Mittwoch, 19.04.2017

Eine Moschee mitten in Meißen

Ein Muslim berichtet über die Religionsstätte „Alhuda“ in der Neugasse. Die Muslimbrüder hätten dort keinen Einfluss.

Von Dominique Bielmeier

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Der neue Gebetsraum in Meißen soll nicht nur Muslimen dienen: Hier sind alle am Islam Interessierten willkommen. Für Asylbewerber gibt es Kurse zum Leben in Deutschland, außerdem werden Arabisch-Deutsch-Sprachkurse angeboten.
Der neue Gebetsraum in Meißen soll nicht nur Muslimen dienen: Hier sind alle am Islam Interessierten willkommen. Für Asylbewerber gibt es Kurse zum Leben in Deutschland, außerdem werden Arabisch-Deutsch-Sprachkurse angeboten.

© Claudia Hübschmann

  • Der neue Gebetsraum in Meißen soll nicht nur Muslimen dienen: Hier sind alle am Islam Interessierten willkommen. Für Asylbewerber gibt es Kurse zum Leben in Deutschland, außerdem werden Arabisch-Deutsch-Sprachkurse angeboten.
    Der neue Gebetsraum in Meißen soll nicht nur Muslimen dienen: Hier sind alle am Islam Interessierten willkommen. Für Asylbewerber gibt es Kurse zum Leben in Deutschland, außerdem werden Arabisch-Deutsch-Sprachkurse angeboten.
  • Ein aufgeschlagener Koran liegt im Gebetsraum.
    Ein aufgeschlagener Koran liegt im Gebetsraum.

Meißen. Die Neugasse in Meißen. Hier reiht sich Geschäft an Geschäft; Fleischer, Buchhandlung oder Bekleidungsladen sind hier zu finden, und seit Kurzem: eine Moschee.

Eine Moschee, mitten in Meißen? Mit Kuppel-Dach, Minaretten und Muezzin-Rufen? Nein, der Gebetsort der Muslime ist ganz anders, als man ihn sich vorstellt. Eigentlich ist er nur ein großer, länglicher Raum mit orangefarbenem Teppichboden, den man natürlich nicht mit Schuhen betreten darf. Neun diagonal verlaufende Streifen Klebeband weisen die Richtung nach Mekka, wohin die Muslime sich beim Gebet verbeugen. Reich verzierte Korane stehen aufgereiht auf einem Regal, in einer Ecke wartet ein gepolsterter Stuhl mit Tisch auf den Imam, der das Freitagsgebet hält. Ein Vorhang am Ende des Raumes, zum Fenster hin, trennt den Frauenbereich von dem der Männer. Eigentlich beten die Geschlechter in getrennten Räumen. Das ist sie also, die umstrittene Moschee.

Muhammed Ronald Wellenreuther, Sprecher der Sächsischen Begegnungsstätte (SBS), welche das Objekt in Meißen und ein weiteres in der Goethestraße in Riesa gemietet hat, spricht jedoch lieber von „Kulturvereinen“. Der Begriff „Moschee“ könne nicht synonym zu „Kirche“ oder „Synagoge“ verwendet werden. „Erstens, weil die Muslime im Gegensatz zu Christen und Juden keine Körperschaft des öffentlichen Rechts darstellen. Es handelt sich hier ausnahmslos um Vereine gemäß deutschem Vereinsrecht oder um gemeinnützige Unternehmen wie im Falle der SBS.“ Außerdem sei eine Moschee kein Sakralbau. „Bei den Vereinsräumlichkeiten hat man eine Vielzahl von Nutzungsfunktionen: Sie sind Orte für ein Gemeindeleben, für Unterrichtszwecke, zum Feiern, etc. Und natürlich auch Orte zum Beten.“ Nur bei Letzterem könne man von Moschee sprechen.“

Ein Muslim aus dem Nahen Osten, der seit einem Jahr als Asylbewerber in Meißen lebt und anonym bleiben möchte, hat mit der Sächsischen Zeitung über seine Besuche in der Alhuda-Moschee, so ihr Name laut Moscheesuche.de, gesprochen.

Erst durch die SZ erfährt er den Namen „Alhuda“, was so viel bedeutet wie „der rechte Weg“. Den Begriff Moschee benutzt er aber ganz selbstverständlich. Vor allem freitags werde die Stätte von Muslimen aufgesucht, um 14 Uhr treffen sie sich dort zum großen Gebet. Dann kämen schon einmal 70 Männer zusammen. Beim letzten Mal seien es so viele gewesen, dass es keinen Sitzplatz mehr gegeben habe. Und wer betet dort? Der Muslim spricht lachend von einer „Multi-Kulti-Gebetsstätte“. Araber, Kurden, Tschetschenen, Afghanen, Inder und Iraner träfen sich dort. Imam sei meist ein Libyer aus Meißen, der auch bei „Dynamo Flüchtlinge Meißen“ kickt.

Aber übt die radikale Muslimbruderschaft möglicherweise einen Einfluss auf die neue Gebetsstätte aus? Denn dieser Vorwurf steht im Raum, der sächsische Verfassungsschutz bestätigte auf SZ-Nachfrage gerade erneut, dass die SBS wegen „vorliegender Anhaltspunkte für Verbindungen ... zur islamistischen Muslimbruderschaft (MB) und ihr nahestehender Organisationen wie der Islamischen Gemeinschaft in Deutschland (IGD)“ beobachtet werde.

Die Muslimbruderschaft strebe auch in Deutschland die Bildung einer islamischen Gesellschaft sowie die Errichtung eines islamischen Staates auf der Grundlage der Scharia an. „Die Verbindungen der SBS zur MB ergeben sich neben den auf Flyern verwendeten Logos auch aus Veranstaltungen der SBS beziehungsweise in Objekten der SBS, auf denen dort aufgetretene Redner, Referenten oder Gastimame Bezüge zur MB oder ihr zuzurechnender beziehungsweise nahestehender Organisationen aufweisen“, so Referentin Christina Iskander. Aufgrund der Häufung sei davon auszugehen, dass es sich nicht nur um sporadische Netzwerkkontakte handele, sondern diesen Auftritten auch eine entsprechende Koordinierung mit Verantwortlichen der MB oder der IGD vorausgegangen sei.

Die Sächsische Begegnungsstätte bestreitet diese Vorwürfe in einer langen Stellungnahme, die der SZ vorliegt. Sie wirft dem Verfassungsschutz ihrerseits Fehleinschätzungen anhand von „oberflächlichen Indizien“ wie der Verwendung von Logos vor und spricht von einer „tendenziösen und politisch motivierten Sichtweise“.

Der in der Moschee betende Muslim hat von einem Einfluss der Muslimbruderschaft bisher zumindest noch nichts spüren können. In den Predigten werde die Wichtigkeit des Betens betont, es gehe darum, ein gutes Vorbild zu sein. Und häufig werde ganz profan um Spenden für die Miete gebeten. „Das nervt manchmal“, erzählt er lachend. Schon wegen dieser chronischen Geldnot glaubt er nicht an einen Einfluss der Muslimbrüder.

„Ich halte mich mittlerweile für einen Experten für Islamismus und Extremismus“, erzählt der junge Mann. „Ich habe mein ganzes Leben lang zwischen diesen Bastarden gelebt. Wenn sie Leute rekrutieren wollten, dann würden sie gerade einen scheiß Job machen.“