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Donnerstag, 08.03.2018

Ein Fahrfehler mit tödlicher Folge

Eine Autofahrerin übersieht im Osterzgebirge einen Motorradfahrer. Beim Zusammenstoß stürzt er, später stirbt er an Krankenhauskeimen. Wer ist schuld?

Von Yvonne Popp

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Auf der Straße zwischen Rehefeld und Seyde ist im Mai vergangenen Jahres der schwere Zusammenstoß passiert, an dem in der Folge ein Motorradfahrer gestorben ist. Vor Kurzem sprach der Amtsrichter in Dippoldiswalde ein Urteil dazu.
Auf der Straße zwischen Rehefeld und Seyde ist im Mai vergangenen Jahres der schwere Zusammenstoß passiert, an dem in der Folge ein Motorradfahrer gestorben ist. Vor Kurzem sprach der Amtsrichter in Dippoldiswalde ein Urteil dazu.

© Egbert Kamprath

Warum sie den Motorradfahrer nicht gesehen hatte, kann sich die Angeklagte bis heute nicht erklären. Weder war sie zu schnell gefahren, noch hatte sie Alkohol getrunken. Auch die Sonne blendete nicht, als sie am Nachmittag des 31. Mai vergangenen Jahres mit ihrem Fiat Panda auf der Rehefelder Straße in Richtung Oberpöbel unterwegs war.

Als die 58-jährige Verkäuferin dann links in den Stempelsternweg einbiegen wollte, übersah sie das entgegenkommende Motorrad. Laut Gutachter hatte auch dessen Fahrer die zulässige Höchstgeschwindigkeit von 100 Kilometern pro Stunde keineswegs überschritten. Ganz im Gegenteil. Anhand des Bremsweges war eine Geschwindigkeit von 67 Kilometern pro Stunde errechnet worden. Dennoch konnte der Hondafahrer nicht ausweichen.

Beide Fahrzeuge stießen frontal zusammen. Dabei stürzte der 54-jährige Motorradfahrer. Mit schweren Verletzungen wurde er per Hubschrauber ins Uniklinikum nach Dresden gebracht.

Nachdem es am Anfang so aussah, als erhole sich der Mann von seinen Verletzungen gut, kam es aufgrund einer Infektion mit Krankenhauskeimen zu massiven Komplikationen, in deren Folge er schließlich gut sieben Wochen später verstarb.

Am Amtsgericht in Dippoldiswalde wies der Anwalt der Angeklagten darauf hin, dass der Geschädigte ohne die Infektion heute aller Wahrscheinlichkeit nach noch leben würde.

Seine Mandantin, so argumentierte er weiter, sei also nicht unmittelbar verantwortlich für den Tod des Mannes und könne daher nur wegen fahrlässiger Körperverletzung, nicht aber wegen fahrlässiger Tötung verurteilt werden.

Auch wenn das Gericht ein tragisches Augenblicksversagen seitens der straf- und verkehrsrechtlich völlig unbescholtenen Angeklagten vorliegen sah, konnte es diesem Antrag nicht folgen. Es verurteilte die Deutsche wegen fahrlässiger Tötung zu einer Geldstrafe in Höhe von 3 600 Euro.

Dadurch, dass sie den Unfall und damit auch die Verletzungen des Opfers verursacht hatte, hatte sie den tragischen Verlauf der Dinge in Gang gesetzt und somit auch den Tod des Mannes verschuldet, begründete der vorsitzende Richter Christian Mansch seine Entscheidung. Von einem nachträglichen Führerscheinentzug sah er aber ab.

Leser-Kommentare

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Insgesamt 7 Kommentare

Alle Kommentare anzeigen

  1. RV

    Ja der Mann könnte noch leben, wenn endlich deutsche Krankenhäuser dir gleichen Bedingungen schaffen wir in den Niederlanden. Die haben erstaunlicherweise nicht diese probleme. Es ist immer das gleiche Spiel, es kostet und ist für Personal zeitintensiv. Leider sterben mehr Menschen an diesen Keimen, als bei Autounfällen. Gerade alte Menschen die "nur" mit einem Knochenbruch im KH liegen, laufen Gefahr, nicht lendend da raus zu kommen. Warum ist es den kein Thema? Ist die Lobby von Krankenkassen und Pharmaindustrie so stark.?

  2. C.G.

    Da wird wohl die Verteidigung in der Berufung sehr, sehr gute Chancen haben.

  3. pd

    Schöne das noch von Krankenhauskeimen geredet wird. Wo doch schon nachgewiesen wurde, das ein Großteil der Multiresistentenkeime aus der Tiermast kommt. Tgl. durch gutes Billigfleisch erhältlich. Anderer Lobbyverband

  4. so ä dresdner

    @3: Ja, die Niederlande sind unter anderem deshalb seit Jahren erfolgreich bei der Bekämpfung dieser Keime weil Patienten aus Schweinemastbetrieben konsequent isoliert werden. Die andere Maßnahme ist die Isolation von Patienten welche schon in Krankenhäusern in anderen Staaten (=Staaten die erstgenannte Regel nicht befolgen) behandelt wurden.

  5. Sören Göhler, Dresden

    Klappt hier in Deutschland überhaupt noch etwas außer die Türen? Als Kassenpatient hat man eines der in der ersten Welt miesesten Gesundheitssysteme zur Verfügung, wo man Gefahr läuft, nachdem man einen Unfall überlebt hat, durch pure Schlamperei im Krankenhaus umzukommen und all das zum höchst erdenklichen Kassenbeitrag. Die Verantwortlichen des Krankenhauses gehören vor Gericht gestellt und sie können diese Klage gern weiterreichen an diejenigen, die ihnen per Sparzwang verordnen, daß die Einrichtung dreckig zu bleiben hat!

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