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Freitag, 15.06.2018

„Dieses Problem ist nicht zu lösen“

An der katastrophalen Lage auf den Parkplätzen sind nicht die Gigaliner schuld, heißt es von einer der größten Speditionen.

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Fuhrparkmanager Jörg Schmetzer
Fuhrparkmanager Jörg Schmetzer

© Weck+Poller

Die mehr als 600 Brummifahrer von Weck + Poller in Zwickau, einer der größten Speditionen Sachsens, kennen das Problem fehlender Parkplätze zur Genüge. Die Gruppe aus sechs Firmen an acht Standorten beschäftigt rund 900 Menschen und zählt im Freistaat zu den Pionieren bei Lang-Lastern. Von den bis zu 25,25 Meter langen „Gigalinern“, gut sechs Meter mehr als üblich, besitzt die Firma fünf. Der 51-jährige Fuhrparkmanager Jörg Schmetzer koordiniert die Touren und sitzt auch noch selbst auf dem Bock.

Herr Schmetzer, wie geht es Ihren Kollegen, wenn der Fahrtenschreiber zur obligatorischen Pause mahnt?

Dann steigt der Puls, und die Frage kommt auf: Wo bleibst du heute Nacht. Ab 19 Uhr wird es eng auf normalen Parkplätzen, eine Stunde später auch an den Raststätten. Und ab 22 Uhr geht auch an den Autohöfen kaum noch was.

Wo in Sachsen ist die Situation am dramatischsten?

Am Schlimmsten ist es auf der A 72 von der Landesgrenze Bayern bis zur Tangente Chemnitz und auf der A 4 bis Görlitz.

Wie gehen Ihre Fahrer damit um?

Wir halten die Kollegen an, die Nacht früh zu planen. Sie konzentrieren sich meist auf Industriegebiete und Autohöfe. Da kostet die Nacht zwar zehn Euro, aber man ist relativ sicher vor Ladungs- oder Dieselklau, hat Sanitäranlagen und einen Verzehrbon über sieben Euro.

Eine feine Sache, oder?

Ja. Aber wenn der Fahrer den Bon einlöst, bleibt er auf drei Euro sitzen, weil das Finanzamt einen geldwerten Vorteil sieht. So essen die Fahrer lieber ihre mitgebrachten Bemmen. Kulante Firmen wie unsere übernehmen die zehn Euro.

Haben die Gigaliner das Parkproblem noch verschärft?

Nein. Wer Lang-Lkw hat, lässt sie rollen und nicht stehen. Unsere Fahrer wechseln auf der Tour Zwickau–Bremen in Magdeburg. So halten wir die Ruhezeiten ein und brauchen keine Stellplätze.

Können die Fahrer bei der Polizei auf Milde hoffen, wenn sie auf Parkplatzsuche die Lenkzeit überschreiten?

Dann dokumentiert der Fahrer auf dem digitalen Fahrtenschreiber, was passiert ist – wie bei einem Unfall – und es gibt kein Problem.

Sachsen will 600 Stellplätze bis 2025 schaffen und so das Problem lösen.

Das Thema hatten wir vor sieben Jahren, und 2025 werden wieder 650 Plätze fehlen, weil der Gütertransport weiter wächst. Das Problem ist nicht zu lösen.

Das Gespräch führte Michael Rothe.

Leser-Kommentare

Insgesamt 1 Kommentar

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  1. Roba

    "Das Problem ist nicht zu lösen": falsch, es bedarf nur des Denkvermögens vieler Beteiligter über deren Nasenspitze hinaus. So lange nicht nur bei Spediteuren Denken Glückssache ist, wird Es auch faktisch tatsächlich keine Lösung geben.

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