erweiterte Suche
Freitag, 16.09.2016

Die ganze Wahrheit über die S 177

Lücken gibt’s zwischen Wünschendorf und der B 6 sowie zwischen Radeberg und Leppersdorf. Wie es nun weitergeht.

Von Thomas Drendel

Die Pläne zur S177

Bild 1 von 2

Bei Pirna ist die neue S177 schon fertig. So ähnlich wird sie auch zwischen Leppersdorf und Radeberg aussehen: drei Spuren, wobei mal die eine und dann wieder die andere Fahrtrichtung zweispurig ausgeführt ist.
Bei Pirna ist die neue S 177 schon fertig. So ähnlich wird sie auch zwischen Leppersdorf und Radeberg aussehen: drei Spuren, wobei mal die eine und dann wieder die andere Fahrtrichtung zweispurig ausgeführt ist.

© Katja Frohberg

  • Bei Pirna ist die neue S177 schon fertig. So ähnlich wird sie auch zwischen Leppersdorf und Radeberg aussehen: drei Spuren, wobei mal die eine und dann wieder die andere Fahrtrichtung zweispurig ausgeführt ist.
    Bei Pirna ist die neue S 177 schon fertig. So ähnlich wird sie auch zwischen Leppersdorf und Radeberg aussehen: drei Spuren, wobei mal die eine und dann wieder die andere Fahrtrichtung zweispurig ausgeführt ist.

Wünschendorf. Jetzt kann nur noch ein Gericht die Schnellstraße S 177 zwischen Radeberg und der A 4 bei Leppersdorf stoppen: Die Landesdirektion als oberste Genehmigungsbehörde hat den Plänen zugestimmt und kistenweise Akten in die Rathäuser von Radeberg, Wachau, und weiteren Kommunen fahren lassen. Dort kann sich jeder auch über kleinste Details informieren. Bis 22. September sind sie zugänglich. Die SZ hat sich die Unterlagen angesehen.

Die Pläne zur S177

1 von 7

Welche Planungsvarianten standen zur Diskussion?

Zu dem Verlauf der Straße gab es immer wieder Änderungen. Insgesamt wurden 18Varianten erstellt. Im Wesentlichen geht es um drei Trassen, die jeweils mehrmals abgeändert wurden. So diskutierten die Planer eine Straße, die von Radeberg an Feldschlößchen und Seifersdorf vorbei zur Anschlussstelle Ottendorf-Okrilla führen sollte. Dieser Vorschlag wurde aber verworfen, da sie weniger wirtschaftlich war und Leppersdorf nicht vom Verkehr entlastet worden wäre. Eine zweite Hauptvariante bestand darin, die Straße von Radeberg aus zu einer neuen A4-Anschlussstelle zu führen, die etwa in der Mitte zwischen den Abfahren Pulsnitz und Ottendorf gelegen hätte. Der Hauptnachteil: Auch hier würde die Verkehrsachse Kamenz, Pulsnitz, Radeberg Dresden unterbrochen. Blieb die östliche Variante, die jetzt umgesetzt wird. Mit dem Ende des Planungsverfahrens beginnt 2017 oder 2018 der Bau, vorausgesetzt, die Finanzierung steht. Die Schnellstraße soll nicht vor 2020 fertig sein.

Wie viele Autos werden über die fertige Schnellstraße rollen?

Laut der Verkehrsprognose für 2025 sind pro Wochentag auf der Straße zwischen Radeberg und Leppersdorf rund 17000 Autos unterwegs. Der Anteil der Brummis beträgt knapp zehn Prozent. Laut Verkehrszählungen der Gemeinde Wachau sind momentan rund 8000 Autos zwischen Leppersdorf und Radeberg unterwegs.

Müssen Anwohner mit mehr Lärm und Abgasen rechnen?

Durch die Verlegung der Staatsstraße aus Leppersdorf heraus werden die Einwohner entlang der Hauptstraße erheblich entlastet. Aber auch bei Häusern, in deren Nähe die neue Straße rückt, bleibt der Autolärm unter den vorgeschriebenen Grenzwerten, heißt es in dem Genehmigungsschreiben. Sie werden nur an einer Stelle überschritten. Das ist im Bereich der Kamenzer Straße 17. Zum Schutz der Gebäude vor Lärm wird dort ein Erdwall errichtet. Nach den Berechnungen werden die Grenzwerte für Autoabgase ebenfalls eingehalten.

Wie viel Wald und wie viele Felder fallen der Straße zum Opfer?

Für das Straßenbauprojekt wird eine Fläche von rund 15 Hektar vollständig oder teilweise asphaltiert. Das entspricht etwa 21 Fußballfeldern. Ein Hektar ist davon Wald, alles andere sind Felder und Wiesen. Die Fläche wird für die Schnellstraße, Wirtschaftswege, Rückhaltebecken, Böschungen und Dämme gebraucht. Durch Ausgleichsmaßnahmen werden an anderer Stelle rund 2,4 Hektar entsiegelt. Das geschieht durch das Abfräsen alter Straßenfläche, durch den Abriss einer Siloanlage in Bühlau und von alten Betonfundamenten in Radeberg. In Bühlau werden darüber hinaus 2,3 Hektar Wald gepflanzt.

Sind Tierarten durch das Straßenbauprojekt gefährdet?

Während der Planungen waren überraschend 15 Fledermausarten entdeckt worden. Die Pläne mussten überarbeitet werden. Zu ihrem Schutz werden jetzt sogenannte Querungsbauwerke errichtet. Unter anderem ist eine Brücke in der Nähe der Deponieteiche vorgesehen. Hinzu kommen Pflanzungen, an denen sich die Tiere beim Flug orientieren können, ähnlich denen an der Waldschlößchenbrücke. Auch auf den Fischotter nahmen die Planer Rücksicht. So werden für die Tiere besondere Schutzzäune gebaut.

Welche Einwände gegen das Projekt gab es?

Während der Planungsphase gab es zahlreiche Vorbehalte zu dem Vorhaben. So wollten die Gemeinden Wachau und Lichtenberg Fuß- und Radwege auf der Lichtenberger Straße durchsetzen. Das sei wegen der geringen Verkehrsdichte nicht notwendig, argumentierte die Landesdirektion. Lichtenberg wollte auch einen Radweg zwischen Leppersdorf und Pulsnitz durchsetzen. Auch das hatte keinen Erfolg. Das ist nicht Gegenstand der jetzigen Planungen so die Genehmigungsbehörde. Das Straßenverkehrsamt des Landkreises Bautzen forderte, dass der neue Kreisverkehr nördlich von Leppersdorf für den Schwerlastverkehr ausgebaut werden muss. Das sei schon der Fall, so die Landesdirektion. Jetzt wird noch geprüft, ob der Kreisverkehr so angelegt wird, dass Großraumtransporte ihn geradeaus überqueren können. Ein Landwirtschaftsbetrieb sah durch den Straßenneubau seine Existenz gefährdet. Dieser Vorwurf konnte ausgeräumt werden, da der Freistaat mehrere Grundstücke gekauft hat und dem Betrieb übergeben wird. Außerdem beklagten mehrere Grundstücksbesitzer, dass ihnen Flächen verloren gingen. Die Landesdirektion argumentierte mit dem übergeordneten Interesse an dem Straßenbau. Hier wird es Entschädigungen geben.

Wie geht es mit dem Abschnitt nördlich von Wünschendorf weiter?

Für den Teilbereich zwischen Wünschendorf und Eschdorf läuft bereits des Planfeststellungsverfahren. Etwa 25 Millionen Euro soll der Bau dieser 5,6 Kilometer lange Strecke kosten. Einen konkreten Baustart gibt es aber noch nicht. Dazu müsste – wie nun in Leppersdorf – das Planfeststellungsverfahren abgeschlossen sein. Der letzte Teilbereich umfasst einen Abschnitt südlich von Großerkmannsdorf, er liegt zwischen der B 6 am Schänkhübel in Rossendorf und Großerkmannsdorf. Diese 3,2 Kilometer werden rund 18 Millionen Euro kosten. Laut Verkehrsministerium ist der Antrag auf das Planfeststellungsverfahren bei der Landesdirektion Sachsen im Juni dieses Jahres eingereicht worden.