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Freitag, 19.05.2017

Der Angeklagte schweigt

Angriffe auf Ausländer und Polizisten: 31-Jähriger gilt als Komplize einer Nazi-Kameradschaft.

Von Alexander Schneider

Versteckt hinter einem Ordner: Robert H. vor dem Amtsgericht Dresden.
Versteckt hinter einem Ordner: Robert H. vor dem Amtsgericht Dresden.

© SZ

Als Wachtmeister Robert H. am Donnerstag an Händen und Füßen gefesselt zur Anklagebank führten, verbarg er seinen Kopf hinter einem Aktenordner. Vollbart, Hemd, Jackett, das Haar straff gegelt – der 31-Jährige sah ganz anders aus als auf Videobildern, die später gezeigt wurden. Bei einer Demonstration im Juni 2016 hatte H. kurze Hosen und T-Shirt an, das Haar war streng gescheitelt. Polizisten der Bereitschaftspolizei hatten ihn auf den ersten Blick der rechten Szene zugeordnet.

Schon seit dem 30. November 2016 sitzt Robert H., ein gelernter Industriemechaniker aus Heidenau, in Untersuchungshaft. Damals hatte die Generalstaatsanwaltschaft zum Schlag gegen eine Dresdner Neonazi-Gruppe ausgeholt. Knapp 200 Polizisten durchsuchten am 30. November die Wohnungen von 17 Verdächtigen aus Dresden, Freital und Heidenau. Sechs Männer wurden verhaftet, darunter Robert H. Die „Freie Kameradschaft Dresden“ (FKD) steht im Verdacht, seit 2015 gezielt Ausländer und Andersdenkende angegriffen zu haben – teilweise gemeinsam mit der unter Terrorverdacht stehenden „Gruppe Freital“. Gegen die FKD wird noch immer wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung ermittelt. Zwei Verdächtige wurden bereits vor der Staatsschutzkammer des Landgerichts angeklagt – Robert H. jedoch muss sich nun vor einem Schöffengericht verantworten. Offenbar zählen ihn die Ermittler nicht zum harten Kern der FKD.

H. wird unter anderem schwerer Landfriedensbruch, gefährliche Körperverletzung, Widerstand gegen Polizeibeamte und Gefährdung des Straßenverkehrs vorgeworfen: Bei einer Demo in Dresden-Laubegast am 8. Juni 2016 soll er Polizisten angegriffen haben, die ihn baten, die Straßenseite zu wechseln. Im August 2016 soll er mit anderen in Laubegast einen Asylbewerber und zwei Frauen angegriffen haben. In der Nacht zum 21. August soll er mit mehr als 20 weiteren Komplizen als „kleine Bürgerwehr“ beim Dresdner Stadtfest gezielt „Jagd auf Flüchtlinge“ gemacht und mehrere Ausländer zum Teil schwer verletzt haben. Und schließlich soll er laut Anklage im November 2016 einen Autofahrer in Heidenau geschlagen haben, weil ihm nicht gepasst habe, dass er zuvor von dem Fahrer eines Transporters überholt worden war.

Der 31-Jährige ist vielfach vorbestraft, mehrfach auch wegen Gewalttaten, hat schon mehrere Jahre Haft hinter sich. Zu den Vorwürfen machte er keine Angaben. Seine Verteidigerin Ina Becherer sagte jedoch zu dem Vorwurf, in Laubegast Polizisten verletzt zu haben, ihr Mandant habe die Anweisungen der Beamten als unrechtmäßig empfunden.

Drei Zeugen der Bereitschaftspolizei, sie sicherten damals die Kundgebung der „Undogmatischen Radikalen Antifa“ vor einer Asylunterkunft in Laubegast ab, berichteten dagegen, dass der Angeklagte sofort aggressiv reagiert habe. Das belegte auch ein Video der Polizei, das den Konflikt jedoch nicht von Beginn an zeigt. Peter Fricke, H.s zweiter Verteidiger, äußerte den Verdacht, das Polizeivideo könnte manipuliert sein. Der Ton sei verdächtig leise an manchen Stellen. Das Schöffengericht hat bis Juni vier weitere Verhandlungstage für die Beweisaufnahme vorgesehen.

Fast unbemerkt wäre an diesem Donnerstag ein zweiter Prozess geblieben, ebenfalls gegen einen bekannten Rechtsextremisten, der engste Kontakte zur FKD unterhalten haben soll. Bei dem 29-jährigen Dresdner Maik K. fand die Polizei rund 1 500 illegale Sprengkörper – allein 1 235 „LaBomba“, je knapp 100 „Crazy Robots“ und Kugelbomben, außerdem Böller der Marken Dum Bum, Cobra und dergleichen – alles verbotene Sprengmittel, die auch im Terrorprozess gegen die „Gruppe Freital“ eine Rolle spielen. K. erhielt eine Bewährungsstrafe von einem Jahr.