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Dienstag, 13.03.2018

Das verschwundene Dorf

Niederuhna ist seit Kurzem von den Ortseingangsschildern getilgt. Das geht den Bewohnern gegen den Strich.

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Wollen den Namen ihres Ortes zurück: die Bewohner von Niederuhna.
Wollen den Namen ihres Ortes zurück: die Bewohner von Niederuhna.

© Uwe Soeder

Bautzen. Nur wenige Hundert Meter – und schon ist man durch Niederuhna durch. Sehr klein, aber der ganze Stolz seiner rund 30 Bewohner ist das Dorf, das seit 1999 zur Stadt Bautzen gehört. Dass der Name Niederuhna seit Kurzem nicht mehr auf den gelben Ortseingangsschildern steht, sorgt nun für mächtig Ärger. Ende vergangenen Jahres wurden die Schilder routinemäßig ausgetauscht. Danach trauten die Leute im Dorf ihren Augen nicht, denn plötzlich tauchte dort der Name des Nachbarortes Oberuhna auf. „Wir fühlen uns unserer Identität beraubt“, sagt Gerhard Schneider. „Ich bin Bürger von Niederuhna“, unterstreicht der Rentner und legt als Beweis seinen Personalausweis auf den Tisch. In dem amtlichen Dokument ist in der Adresse Niederuhna als Ortsteil eingetragen.

Eigentlich – so erklärt es Bautzens Hauptamtsleiter Christoph Kasper – ist das gar nicht rechtens. Denn den Ortsteil Niederuhna gebe es schon seit Jahren nicht mehr. Schon als die damalige Gemeinde Kleinwelka – wozu Niederuhna bis Ende der 1990er-Jahre gehörte – nach Bautzen eingemeindet wurde, habe der Ortsteil nicht mehr bestanden. Um des lieben Friedens willen beließ man es aber bei der gewohnten Beschriftung der Ortseingangsschilder – bis vor einigen Wochen.

Die Bewohner von Niederuhna wollen nun erreichen, dass ihr Dorf wieder zum vollwertigen Ortsteil wird und sein Name auf den Ortsschildern erscheint. Mit diesem Anliegen haben sie sich an Bautzens OB Alexander Ahrens (SPD) und die Stadtratsfraktionen gewandt. Denn sie verstehen sich als eigenständiger Ort und nicht als Teil von Oberuhna. „Wir haben eine intakte, lebendige und eigenständige Dorfgemeinschaft“, schreiben sie in ihrem Brief.

Inzwischen hat Bautzens Finanzbürgermeister Robert Böhmer versprochen, dass sich die Verwaltung des Anliegens annehmen wird. Der Begriff des Ortsteils sei in der sächsischen Gemeindeordnung gesetzlich nicht definiert. Die Kommune könne selber darüber entscheiden, ob sie neue Ortsteile bilde. Auch gebe es keine Festlegungen zu einer Mindesteinwohnerzahl.

Das dürfte die etwa 30 Bewohner des kleinen Dorfes Niederuhna wieder hoffen lassen – auch wenn sie alle zusammen nicht mal 0,1 Prozent der Gesamtbevölkerung von Bautzen darstellen. (SZ)

Leser-Kommentare

Insgesamt 5 Kommentare

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  1. Autofahrer

    Das verschwundene Dorf -tolle Schlagzeile.Nur gut das man das jetzt schon bemerkt hat.Wenn man sich mal überlegt das es diesen Ort schon seit der Eingemeindung nach BZ Ende der 90ziger nich mehr gibt....

  2. Subjekt

    Das es diesen Ort gibt erkennt man an den Menschen die dort leben. Über Identität entscheuden die Menschen selbst jede(r) für sich. Wer das nicht versteht ob nun Bürokrat oder oberflächlicher Autofahrer sollte sich da raushalten. In einer Zeit in der Gemeinden und Landkreise aus ökonomischen Gründen zu ungreifbaren Konglomeraten verklebt werden sollten alle Verantwortlichen die Sensibilität für dieses Identitätsbedürfnis aufbringen. Nur dadurch ist auch die Wahrnehmung von Verantwortung der Menschen für IHREN Ort gewährleistet. An einem Namen und zwei Schildern welche die Verwaltung mehr vorhalten muss sollte dies nicht scheitern.

  3. so ä dresdner

    Alter Falter, deren Probleme möchte ich haben... Aber wenn schon das zusammenlegen einer Handvoll Nester im Ostsächsischen dazu führt dass man sich seiner Identität beraubt fühlt muss man sich über über andere Umtriebe hierzulande nicht mehr wundern.

  4. Suse

    so ä dresdner Über Deine Kommentare wundert sich schon laange keener.Nur dünnes Gelaber.

  5. Lausitzer

    @so ä dresdner... Sie meinen solch komische Umtriebe wie die kruden Montagsspaziergänger in der wunderschönen, total toleranten und weltoffenen Stadt wie Dresden...?

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