erweiterte Suche
Samstag, 11.08.2018

„Das ist bittere Realität“

Der Lehrermangel in Sachsen verschärft sich. An eine Trendwende glaubt die Opposition nicht.

Von Andrea Schawe

© dpa

Dresden. Die neuen Zahlen der Einstellungen von Lehrern sorgen für Ernüchterung. „Die Lage ist nach wie vor angespannt, Sachsens Schulsystem immer noch im Krisenmodus“, sagt Landesschülersprecher Noah Wehn. Bis wieder für jede freie Stelle eine ausgebildete Lehrkraft eingestellt werden kann, bestehe noch reichlich Handlungsbedarf.

Kultusminister Christian Piwarz (CDU) hatte am Donnerstag verkündet, dass nur 870 von 1 100 freien Stellen zum neuen Schuljahr besetzt werden konnten. Der Lehrermangel werde auch zu Unterrichtskürzungen führen. Besserung verspricht sich der Minister durch das von der Regierung beschlossene Handlungsprogramm, das auch eine Verbeamtung von jungen Lehrern vorsieht.

Die Opposition im Landtag teilt diese Hoffnung nicht. Die Zahl der unbesetzten Stellen werde nicht „in absehbarer Zeit rapide sinken“, sagt Bildungspolitikerin Petra Zais (Grüne). „Die Hoffnung, mit den Stundenkürzungen in Sport Lehrerinnen und Lehrer für andere Fächer zu gewinnen, wird sich als trügerisch erweisen.“ Ab dem Schuljahr 2019/20 wird nach Plänen des Kultusministeriums der Unterricht in den Grund- und Oberschulen sowie den Gymnasien in den Fächern Deutsch, Englisch, Mathematik, Biologie, Musik oder Sport gekürzt.

„Die Schwierigkeiten, den regulären Schulunterricht abzusichern, nehmen zu“, sagt Linke-Politikerin Cornelia Falken. Jetzt räche sich „die rigorose Schulschließungspolitik und das übermäßige Sparen im Personalbereich“ in der Vergangenheit. Der Kultusminister versuche zwar, eine Trendwende hinzubekommen, „doch die Probleme scheinen ihm über den Kopf zu wachsen“, so Falken.

Der bildungspolitische Sprecher der CDU-Fraktion spricht von einer „bitteren Realität“. „Wir müssen uns eingestehen, dass wir viel zu spät die Entwicklung erkannt und erst nach langen Diskussionen reagiert haben“, sagt Lothar Beinst selbstkritisch. Die Verbeamtung werde erst 2019 wirksam und den „Exodus sächsischer Referendare“ langfristig beenden. Das stimme für die Zukunft optimistisch.

Auch der Sächsische Lehrerverband hofft auf die Verbeamtung. Damit sei Sachsen deutlich besser aufgestellt, mittlerweile seien aber überall ausgebildete Lehrer knapp. „Die Lehrerausbildung muss dringend auf die sächsischen Bedarfe ausgerichtet werden“, fordert Jens Weichelt.