erweiterte Suche
Sonntag, 21.01.2018

Comeback für einstiges Luxus-Hotel

Einst war das „Astoria“ berühmt für seinen Luxus. Nach der Wende verfiel das Hotelgebäude im Zentrum von Leipzig. Doch nun scheint Rettung für das traditionsreiche Haus in Sicht.

Von Sabine Fuchs

4

Das ehemalige Hotel „Astoria“ in der Innenstadt von Leipzig.
Das ehemalige Hotel „Astoria“ in der Innenstadt von Leipzig.

© Hendrik Schmidt/dpa

Leipzig. Mehr als zwei Jahrzehnte fristet das einstige Luxushotel „Astoria“ in Leipzig ein jämmerliches Dasein. Das imposante Bauwerk direkt neben Hauptbahnhof wurde 1996 geschlossen. Seitdem war es dem Verfall preisgegeben. Mehrmals wechselte der Besitzer, an die Sanierung des einst legendären Grandhotels wagte sich niemand. Doch nun scheint Rettung in Sicht. Die Berliner Firma Intown Property Management hat das „Astoria“ erworben und will es zu neuem Glanz führen, wie eine Unternehmenssprecherin sagte. Ein Bauantrag ist nach Angaben der Stadtverwaltung bereits bei den Behörden eingegangen und wird nun geprüft.

Einzelheiten zu dem Projekt, etwa Kosten und Planungen zu dem unter Denkmalschutz stehenden Bau, wollen beiden Seiten noch nicht nennen. Dies soll eines Tages auf einer gemeinsamen Pressekonferenz geschehen.

Das „Astoria“ war 1915 mit mehr als 300 Zimmern als damals modernster und luxuriösester Bau der deutschen Hotellerie mit viel Pomp eröffnet worden. Nach Plänen von William Lossow (1854 bis 1914), der auch geistiger Vater der Hauptbahnhöfe in Leipzig und Frankfurt/Main war, entstand es in einer Bauzeit von nur zwei Jahren. Stars wie Adele Sandrock, Enrico Caruso oder Hans Albers logierten hier.

Zu Frühjahrs- und Herbstmessen stiegen in DDR-Zeiten SED-Größen wie Walter Ulbricht und Alexander Schalck-Golodkowski ab. Auch Louis Armstrong, Johannes Heesters oder Herbert von Karajan waren hier zu Gast.

„Wir sind sehr angetan von dem Haus“, sagt Volker Bremer, Geschäftsführer der Leipziger Tourismus und Marketing GmbH (LTM). Es gehöre schließlich zu den ältesten Grandhotels in Deutschland. Seine Wiedereröffnung könnte eine Bereicherung für Leipzig als Kultur- und Messestadt sein.

In Leipzig sind den zurückliegenden Jahren eine Reihe von Hotels eröffnet worden. Doch Bremer sieht noch Luft nach oben. Derzeit gebe es 130 Beherbergungsstätten mit 16 675 Betten. „Eine Stadt wie Leipzig kann durchaus 20 000 Betten verkraften“, sagt Bremer. Er verweist auf stetig steigende Tourismuszahlen in der Stadt. Die genaue Statistik für das Jahr 2017 werde zwar erst im Februar vorliegen. Doch Hochrechnungen sähen die Schallmauer von drei Millionen Übernachtungen schon durchbrochen.

„Wir werden oft gefragt, was eigentlich aus dem Haus wird“, sagt der Sprecher von LTM, Andreas Schmidt. Viele Gäste der Stadt würden es noch aus früheren Zeiten kennen. Ihnen blute das Herz, wenn sie es in seinem jetzigen Zustand sähen.

Ähnlich erging es zwei jungen Gastronomen, die sich über den Schandfleck mitten in der Stadt ärgerten und vor etwa zwei Jahren eine Initiative zur Wiederbelebung des „Astoria“, was übersetzt Stern heißt, gründeten. Damals war es eine Vision. „Wenn sie nun Wirklichkeit wird, haben wir unser Ziel erreicht“, sagte Johannes Fix, einer der Mitbegründer.

Die Mission der Initiative sieht er jedoch noch nicht ganz erfüllt. „Wir wollen in engen Kontakt mit den Betreibern treten und möglicherweise ein kleines Museum oder eine Ausstellung zur Geschichte in dem traditionsreichen Haus einrichten“, sagt er. (dpa)

Leser-Kommentare

Insgesamt 4 Kommentare

Alle Kommentare anzeigen

  1. Torsten

    "Astoria“, was übersetzt Stern heißt" - Naja, das ist ein bisschen falsch recherchiert. Die Hotelreihe Astoria wurde nach Johann Jakob Astor aus Walldorf (daher der Name "Waldorf-Astoria") benannt. Mit Sternen hat der Name nichts zu tun.

  2. Matti

    Hallo Torsten, leider bist du derjenige der hier falsch liegt. Das Astoria in Leipzig stand nie in Verbindung mit der New Yorker Hotelkette, die auch erst in den 30er Jahren gegründet wurde. Eine solche Marke hätte auch später nicht in den Sozialismus gepasst. Johann Jakob Astor hat soweit ich weiß ebenfalls nichts mit dem Gebäude zu tun. Wie kommst du auf diese Idee?

  3. Torsten

    Hallo Matti, Sie haben mich tatsächlich kurz zum Zweifeln gebracht. Allerdings gibt es, anders als im Artikel behauptet, im Lateinischen kein Wort "astoria". Auch "astor" existiert nur als 1. Person Singular Präsens Indikativ Passiv von "astare", was so viel wie "dabeistehen" heißt und nichts mit Sternen zu tun hat. Wenn schon Latein, dann höchstens "astra" - Gestirne, das könnte bei einem Hotel nicht unwahrscheinlich sein. Aber erklärt man den Wandel von "Astra" zu "Astoria"? Gar nicht, denn er Name der "Astoria" genannten Hotels (und Hotel-Schiffe) lehnt sich an den, als besonders luxuriös geltenden und bereits in den 1890ern gebauten Hotels des Sohnes von Johann Jakob Astor, an. (Störtebecker-Pils hat ja auch nichts mit dem Piraten zu tun). In einem Punkt haben Sie allerdings Recht: Johann Jakob Astor hat nicht direkt mit dem Hotel am Leipziger Hbf. zu tun (auch nichts mit dem Astoria in Leipzig-Lindenau). Es war lediglich der Name der als Synonym für luxuriöses Hotelieren galt.

  4. Anton

    Habt Ihr fein gemacht,Matti und Torsten.Die Frage ist doch immer die selbe-Warum jammern solche Vereine wie die Leipziger Tourismus und Marketing GmbH (LTM)nur immer rum?Anstatt mal etwas zu entwickeln?

Alle Kommentare anzeigen

Ihr Kommentar zum Artikel

Bitte füllen Sie alle Felder aus.

Verbleibende Zeichen: 1000
Text Bitte geben Sie die abgebildete Zeichenfolge ein
Bitte beachten Sie unsere Hinweise zum Datenschutz.